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Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst



Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Nik94 am Di 30. Mai 2017, 12:52

Hallo,

ich war gerade bei meinem HA und was soll ich sagen, mein eines Auge lacht, mein anderes weint.

Er würde mir gerne Cannabis als Medizin verschreiben, aber da es gesetzlich nicht geregelt ist (außer Spastiken ?) bei welchen Indikationen es verschreibungsfähig ist wird er das im Moment aus Eigenschutz nicht machen.

"Sehen Sie, ich würde Ihnen sehr gerne Cannabis als Medizin verschreiben. Aber was ist, wenn irgendwas passiert und in 4 Jahren ein Anwalt bei mir aufschlägt. Im Moment ist es noch nicht wasserdicht geregelt, sodass ich auf der sicheren Seite bin und nichts zu befürchten habe."

Stichwort off-Label.
Da AD(H)S & Depressionen, etc. nicht offiziell als Indikation festgelegt sind wird er mir das erst verschreiben wenn das geändert wurde.


War jemand schon in solch einer Situation ? Was kann ich bzw. der Arzt machen um sich abzusichern ?
Schon traurig, da hat man schon einen langjährigen HA dem man sehr vertraut und er offen ist was Cannabis als Medizin betrifft und dann macht das Gesetz einem einen Strich durch die Rechnung.
Ich verstehe meinen Arzt auch, ich möchte nicht dass er deswegen persönlich belangt werden kann, da er einer der Mediziner ist die man ganz selten findet - sehr super Typ !



Kennt sich jemand mit den rechtlichen Aspekten aus ?
Bin bestimmt nicht der Einzige oder der Letzte der deswegen noch kein Rezept hat.


Habe das Buch "Cannabis: Verordnungshilfe für Ärzte" von den Herren Franjo Grotenhermen & Klaus Häußermann da gelassen, er wird sich das alles durchlesen.


Liebe Grüße
Nik94
 
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon littleganja am Di 30. Mai 2017, 13:18

Schon mal dran gedacht dir ein Termin bei dem Verfasser der Fachliteratur auszumachen?

Das Gesetz ist so geregelt das Cannabis für jede Krankheit vom Arzt verordnet werden kann per Privatrezept, die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist eine andere Sache.

Die Ärzte die so ein Käse labern haben meiner Meinung nach vergessen das sie mal ein Hyppogratischen Eid geschworen haben. Wenn du sagst das Cannabis dir hilft gegen was auch immer und der Arzt will dir nicht helfen ist das schon fragwürdig.

Woher kommst du? Und wie weit bist du bereit zu fahren?
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon DrGreenthumb am Di 30. Mai 2017, 13:38

Ja so in der Richtung argumentieren viele Ärzte und umschreiben damit eigtl. nur höflich, dass sie einfach nicht wollen mMn.

Meine persönliche Erfahrung ist, viele Ärzte (die überhaupt offen gegenüber Cannabis sind) wollen vorher eine Genehmigung der Kostenübernahme um sich damit erstmal aus der Verantwortung zu ziehen. Privatrezepte für BTM's werden nicht so gerne ausgestellt, da hatte so mancher Arzt schon rechtliche Probleme bekommen.

Ich sag mal so, ich kann es schon nachvollziehen, dass die meisten Ärzte bei neuen Patienten sehr zurückhaltend sind was Cannabis betrifft. Wenn man allerdings schon jahrelang beim gleichen Arzt wg. einer Krankheit ist, sieht die Sache anders aus, da kann ich die Angst nicht nachvollziehen.

Was den Off-Label Use betrifft, also ich habe wegen chronischer Migräne eine Genehmigung der Krankenkasse bekommen.

Ich finde das neue Gesetz ist einfach noch an vielen Stellen undurchdacht und verbesserungswürdig. Es kann nicht sein, dass es einzig und allein darauf ankommt, einen Arzt zu finden, der ein Rezept austellt und die Krankheit an sich eigentlich kaum eine Rolle spielt.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Nik94 am Di 30. Mai 2017, 13:55

Hei littleganja,

mein HA möchte mir ja helfen sagt er, nur sei er schonmal (früher) auf jemand reingefallen. Sprich er hat off-Label etwas verschrieben und dann hat er Probleme bekommen. Deswegen hat er Angst, dass das in meinem Fall wieder der Fall sein könnte. Wenn es rechtlich wasserdicht ist verschreibt er das auch gerne (sagt er, glaube ich ihm auch).

Ja daran habe ich schon gedacht, allerdings sei dort Aufnahmestopp, oder ?


Ja das habe ich ihm gesagt, habe mich früher damit "erfolgreich" selbstmedikamentiert bis dann die repressive Politik mir ihren Dienst erwiesen hat. Konsumiere aber seit über 2 Jahren deswegen nicht mehr.

Komme aus der Nähe Stuttgart. Wenn es der Aufwand wert ist und es mir hilft werde ich notfalls eine größere Reise auf mich nehmen. Da ich aber durch mein Studium zeitlich und Krafttechnisch eingeschränkt bin wäre es zu begrüßen wenn eine größere Erfolgschance bestehen würde, sonst beginnt der Teufelskreislauf von vorne.


Wie sieht die Rechtliche Geschichte konkret aus ? Kann er wirklich rechtlich belangt werden, wenn er z.B. wegen AD(H)S & / oder Depressionen Cannabis verschreibt, ich einen psychischen Schuss 4 Jahre später deswegen bekommen würde (passiert nicht, ich weiß wie Cannabis auf Dauer auf mich wirkt) und ich ihn in folge dessen anzeigen würde da es ja off-Label war ?



EDIT:

Hi, DrGreenthumb

Dachte mir auch anfangs, dass er einfach nicht will. Aber das Gespräch war sehr lange und er hat versucht mir zu erklären wieso und weshalb und dass er sofort mir ein Rezept ausstellen wird wenn er rechtlich auf der sicheren Seite ist. Deswegen denke ich mir, dass er es ernst meint was er sagt. Kenn ihn ja schon lange genug. Er könnte ja einfach sagen: "mach ich nicht weil blablabla" oder "gehen Sie zu einem Spezialisten" und mir nicht eine Zusage geben für die Zeit in der er abgesichert ist, oder ?

Bin da ganz deiner Meinung. Wegen politischem Druck ein Gesetz auf die schnelle durchgebracht was völlig unausgereift ist um sich dafür feiern zu lassen.

passt evtl. nicht ganz rein aber doch sehenswert wie die Politiker der Antifaktenpartei usw. argumentieren und lügen:
https://www.youtube.com/watch?v=6A0BXdvwRCo



Grüße
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon kruajarn am Mi 31. Mai 2017, 11:04

Ist es im allgemeinen sinnvoll, sich vorher um eine Kostenübernahme der KK zu kümmern? Sprich erste Anlaufstelle dann nicht der Arzt, sondern die KK?

LG
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon littleganja am Mi 31. Mai 2017, 11:28

kruajarn hat geschrieben:Ist es im allgemeinen sinnvoll, sich vorher um eine Kostenübernahme der KK zu kümmern? Sprich erste Anlaufstelle dann nicht der Arzt, sondern die KK?

LG



Zuerst der Arzt dann der Antrag auf Kostenübernahme, ohne Arzt Bericht/Befund keine Chance.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon DrGreenthumb am Mi 31. Mai 2017, 13:30

Also rein theoretisch kannst du den Antrag bei der KK schon selber stellen. Ohne einen Arzt, der das Ganze befürwortet an deiner Seite ist die Chance auf eine Genehmigung natürlich verschwindend gering, wenn nicht sogar Null.

Wo wir wieder bei dem Punkt wären, ohne "passenden" Arzt, kein med. Cannabis. Egal wie krank...
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Florian am Mi 7. Jun 2017, 11:06

Also bei meiner Antragstellung durch den Arzt war so ein Formular dabei bei dem ich per Unterschrift den Arzt aus seiner Haftung entlasse wenn ich das Medikament zu mir nehme....das wäre doch eine Option für deinen Arzt!
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Nik94 am Do 8. Jun 2017, 20:05

Hei Florian !
Vielen Dank für deine Antwort, dachte da kommt nix mehr...

Echt, wie sieht das denn aus und bekommt man das nur wenn man einen Antrag bei der KK stellt ?
Und damit ist der Arzt komplett aus dem Schneider ? Das wäre ja der Oberhammer. :-))

Wenn es dir nichts ausmacht, könntest du dann evtl. deinen Arzt bitte fragen, ob das rechtliche damit tatsächlich Wasserdicht ist ?

Danke ;-)
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Florian am Do 8. Jun 2017, 20:25

Ja er sagte ausdrücklich zu mir das ich das Unterschreiben soll damit er aus der Haftung ist.
War Bestandteil des Antrages.....heist Erklärung des Versicherten...
Ist ein längerer Text.....heisst aber unter anderem: Ich wurde über die sozialrechtlichen, medizinischen und haftungsrechtlichen Aspekte des Einsatzes der genannten Arzneimittel bei meiner Erkrankung umfassend informiert. Ich verzichte auf eine Haftung des verordnenden Arztes wegen der Anwendung des Arzneimittels ausserhalb der arzneimittelrechtl. Zulassung ....usw.
Ist eigentlich eindeutig...oder ;)
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon CBDManiaK am Do 8. Jun 2017, 22:40

hey florian, danke für den hinweis.
könntest du das schreiben bitte hochladen ? es würde dem ein oder anderen patienten und arzt eine hilfe sein.

gerne kannst du deine persönlichen angaben und die vom arzt schwärzen.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Florian am Do 8. Jun 2017, 23:04

Hey Jungs...und mädels :)

das ist doch der ganz normale Antrag auf Kostenübernahme, der sollte doch bekannt sein :?:
Hier mal ein Link ....siehe Seite 2
http://www.kvhh.net/media/public/db/med ... nkasse.pdf
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon studenmuenster am Fr 9. Jun 2017, 09:41

Florian hat geschrieben:Hey Jungs...und mädels :)

das ist doch der ganz normale Antrag auf Kostenübernahme, der sollte doch bekannt sein :?:
Hier mal ein Link ....siehe Seite 2
http://www.kvhh.net/media/public/db/med ... nkasse.pdf


Das ist nen Antrag für off lable use, das geht bei Sativex. Da Cannabisblüten aber für gar keine Krankheit zugelassen sind greift der off lable use mMn nicht.

Cannabisblüten, Extrakte und Rezepturen sind keine zugelassenen Arzneimittel. Die Anwendung von Fertigarzneimitteln wie Sativex und Casemet ist nur für jeweils eine Indikation zugelassen. Andere Anwendungen sowie die Nutzung anderer Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dronabinol, Nabilon oder Marional ist nur Off Label möglich. Ebenso nicht zugelassen ist CBD als Rezepturarzneimittel.


Die Thema Haftung ist aber ganz interessant

Der Arzneimittelhersteller haftet nur für Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei einer Anwendung im Rahmen der Zulassung. Der sog. „Beipackzettel“ informiert über korrekte Anwendung, Dosierung und die Nebenwirkungen. Diese Verantwortung geht bei Cannabis-Arzneimittel, abgesehen von den beiden oben erwähnten Ausnahmen komplett auf den Arzt und in Teilen den Apotheker, der das Arzneimittel ggf. zubereitet und dann an den Patienten abgibt, über.


http://www.alternative-drogenpolitik.de/2017/03/19/cannabisblueten-ohne-weiteres-auf-privatrezept-verschreiben/
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon Florian am Fr 9. Jun 2017, 10:18

Servus Studenmuenster,

dann hat mein Arzt offensichtlich das falsche Formular ausgefüllt :roll: :cry: :shock:
Werde dann gleich mal bei dem anrufen falls ich ihn heut noch erwische....
Im Grunde wäre die 2. Seite jedoch eine Absicherung die er sich ja trotzdem unterschreiben lassen kann oder?
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon studenmuenster am Fr 9. Jun 2017, 11:23

Florian hat geschrieben:Servus Studenmuenster,

dann hat mein Arzt offensichtlich das falsche Formular ausgefüllt :roll: :cry: :shock:
Werde dann gleich mal bei dem anrufen falls ich ihn heut noch erwische....
Im Grunde wäre die 2. Seite jedoch eine Absicherung die er sich ja trotzdem unterschreiben lassen kann oder?


Falls du den Antrag schon eingereicht hast würde ich einfach abwarten wie die Krankenkasse reagiert. Deinen Arzt drauf hinweisen solltest du aber definitiv. Anträge für die Kostenübernahme von Cannabis basierten Medikamenten werden auf Grundlage von § 31 Abs. 6 SGB V gestellt. Ob die off lable use Verordnung für Sativex über § 2 Abs. 1a SGB V überhaupt sinnvoll/möglich ist, wenn man bedenkt, dass es § 31 Abs. 6 SGB V jetzt gibt, weiß ich nicht.

Die zweite Seite passt, denke ich, sowas ähnliches habe ich auch unterschrieben und wurde halt über Nebenwirkungen, nicht Auto fahren während der Einstellungsphase, etc. aufgeklärt.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon moepens am Fr 16. Jun 2017, 07:23

Da Cannabisblüten rechtlich gesehen für keine Indikation zugelassen sind werden sie IMMER off-label verschrieben.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon studenmuenster am Fr 16. Jun 2017, 09:00

moepens hat geschrieben:Da Cannabisblüten rechtlich gesehen für keine Indikation zugelassen sind werden sie IMMER off-label verschrieben.


Eben nicht, off-label heißt, dass es eine Zulassung für eine andere Erkrankung gibt, wenn dann wären Cannabisblüten no-label.
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Re: Arzt möchte Cannabis verschreiben, hat aber Angst

Beitragvon moepens am Fr 16. Jun 2017, 10:17

studenmuenster hat geschrieben:Eben nicht, off-label heißt, dass es eine Zulassung für eine andere Erkrankung gibt, wenn dann wären Cannabisblüten no-label.


Stimmt! Sorry :)
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