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"Schrot und Korn : Der Stoff kann was"



"Schrot und Korn : Der Stoff kann was"

Beitragvon Sabine am Fr 31. Mär 2017, 08:04

"Hanf hat als Faser für Kleidung sein altes Image längst abgelegt. Trotzdem ist er keine wirkliche Alternative zu Bio-Baumwolle.
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„Hanf ist im Gegensatz zu Baumwolle super wasserresistent“, erklärt Professor Ramiro Alvarado von der Esmod, der Internationalen Kunsthochschule für Mode in Berlin, wo Studierende im Masterprogramm „Sustainability in Fashion“ lernen, wie man Mode ökologisch und sozial produziert. „Die Baumwollfaser ist innen hohl und saugt sich mit Wasser voll. Das macht das Gewebe auf Dauer kaputt“, erklärt der Experte. Hanf ist deutlich langlebiger und strapazierfähiger.
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Dass Hanf heute wieder Thema ist, hat einen anderen Grund: Die Fasern, die wir aktuell für unsere Kleidung verwenden, sind in der Regel alles andere als ökologisch. Hanf könnte eine umweltfreundliche Alternative sein. Aber ist sie das wirklich?

Mehr als die Hälfte der weltweit produzierten Kleidungsstücke bestehen aus Kunstfasern. Sie basieren in der Regel auf dem endlichen Rohstoff Erdöl, abgelöste Mikropartikel belasten die Gewässer. Neben den Kunstfasern gehört die Baumwolle zu den meistgenutzten Rohstoffen für Textilien. Doch die Pflanze ist empfindlich gegen Schädlinge. Im konventionellen Anbau wird sie deshalb bis zur Ernte bis zu 20 Mal mit Pestiziden besprüht. Als wärmeliebende Pflanze wird sie zudem vielfach in Regionen angebaut, in denen sie künstlich bewässert werden muss. Was viele außerdem nicht wissen: 70 Prozent der konventionellen Baumwolle stammt von genmanipulierten Pflanzen. Sowohl Baumwolle als auch Kunstfasern schaden also massiv der Umwelt. Trotzdem machen beide zusammen 90 Prozent unserer Kleidung aus, wie der Verband der deutschen Textil- und Modeindustrie schätzt. Mit einem Anteil von unter 10 Prozent folgt Wolle. Die übrigen ein bis zwei Prozent teilen sich die restlichen Faserarten, darunter Hanf.
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„Wir haben wenig reinen Hanf im Sortiment. Am ehesten noch bei Jeans oder Hemden“, sagt Sascha Klemz von Zündstoff. Und was sagen die Kunden? Die Hanf-Jeans ist nicht jedermanns Sache: „Das Material ist so fest, dass man damit enge Schnitte, wie sie jetzt modern sind, nicht hinbekommt“, sagt Klemz. Mode-Experte Alvarado von der Esmod ergänzt: „Denim aus Hanf verwäscht sich auch nicht so cool wie Baumwoll-Denim.“
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Da hört für Ingenieur Kai Nebel der Spaß auf. Er forscht zu nachwachsenden Faserrohstoffen an der Fakultät für Textil & Design der Hochschule Reutlingen und beschäftigt sich seit 25 Jahren mit dem Thema Hanf. Er sagt: „Ich bin kein Freund von Hanf-T-Shirts. Hanf ist nicht dazu gemacht, gestrickt zu werden.“ Bei der Produktion der feinen Hanfgarne sei der Energieaufwand im Verhältnis zur kurzen Lebensdauer der empfindlichen Textilien zu hoch. Gewebte Hemden aus Hanf seien dagegen robust und haltbar und vor allem deutlich ökologischer zu produzieren. „Bei feinen Hanfgarnen ist es schnell vorbei mit der Umweltfreundlichkeit“, sagt der Faser-Experte. Was sich nämlich kaum jemand klarmacht: Der Energieeinsatz ist bei der Produktion von Hanf, bedingt durch die aufwendigere Fasergewinnung aus dem zähen und widerstandsfähigen Rohstoff, ohnehin schon deutlich höher als bei der fluffigen Baumwolle. Das gilt ebenso für Leinen und Nessel.

Hanf aus kontrolliert biologischem Anbau ist kaum zu bekommen. Auch die Hersteller aus dem Öko-Bereich beziehen, mangels Alternativen, in der Regel konventionellen Hanf aus China. Der Hanf-Hersteller Hempage argumentiert damit, dass vor allem für die Kleinbauern eine Bio-Zertifizierung zu teuer sei.

Kein Wunder, dass Lars Wittenbrink, Geschäftsführer des Münsteraner Eco-Fair-Modeladens „Grüne Wiese“, angesichts der Nachteile von Hanf zu dem Schluss kommt: „Konventioneller Hanf ist nicht per se besser als Bio-Baumwolle. Wenn Bio-Baumwolle in Regionen angebaut wird, in denen es viel regnet und kaum zusätzliche Bewässerung nötig ist, kann sie durchaus nachhaltiger sein als Hanf.“
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Trotzdem bleibt der Traum von wirklich nachhaltiger Hanfproduktion in Deutschland: Hanf wird zwar angebaut, aber die Qualität der Fasern reicht nicht für Textilien. Was fehlt, ist die industrielle Infrastruktur, um aus dem groben, landwirtschaftlichen Produkt einen feinen, gleichmäßigen Rohstoff zu machen."


http://schrotundkorn.de/lebenumwelt/les ... n-was.html
" ... Aber jeder solle das Recht haben, dass es bezahlt werde, wenn es helfe." Zitat v. Frau Mortler https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... ntscheidet
Sabine
 
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Fr 18. Apr 2014, 09:15


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