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Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"



Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Mo 4. Jul 2016, 12:49

Hallo.
Dieser Beitrag passt hier vermutlich nicht perfekt rein, ich weiß aber nicht wohin damit.
Ich bin in der 9. Klasse auf dem Gymnasium, das bedeutet ich bin von komischen Spießern umgeben die keine Ahnung haben aber prinzipiell gegen Cannabis sind weil es ja illegal ist. Alkohol allerdings ist für die Mehrheit völlig okay, man kann sich ja schließlich jedes Wochenende besaufen mit 14 oder 15. Es ist ja schließlich ungefährlich im Vergleich zu bösen Drogen wie Gras. Das ist die Grundeinstellung der Klasse und vom Lehrer.

Nun sollten wir aber zur Vorbereitung auf die Schulaufgabe debattieren ob Cannabis legalisiert werden sollte. Dank des Loses war ich leider Kontra 1. Mein Lehrer meinte heute, ich wäre zu voreingenommen und würde keine richtigen Kontra Argumente bringen. Deshalb habe ich angefangen mit ihm zu diskutieren das es kaum starke Kontra Argumente gibt.


Deshalb haben wir vereinbart nach der Schulaufgabe (also in 3 Tagen) zu zweit zu debattieren, ich vertrete dabei die Pro Seite, er vertritt die komtra Seite.

Mein Lehrer weiß meine Einstellung und ihm ist auch ziemlich klar das ich selbst kiffe. Ich möchte dennoch auf jeden Fall die Oberhand haben um ihn zu überzeugen und allgemein die Einstellung der Klasse zu lockern. Was die meisten glauben ist fern der Realität. Auch der Lehrer hat nicht all zu viel Ahnung, ich höre Argumente wie "wenn Cannabis legalisiert wird, wird es mit Tabak gestreckt, weshalb es schädlicher wäre". So einen misst muss ich mir anhören.

Deshalb ist eure Hilfe gefragt. Ich hoffe jemand nimmt sich die Zeit und hat Freude daran.

Ich brauche handfeste, schlagfertige Argumente für die Legalisierung von Cannabis. Das ist das wichtigste. Des weiteren wäre ein realistischer Kompromissvorschlag gut.
Außerdem wäre es super ein paar gute Kontra Argumente zu finden und sie zu widerlegen. Oder zu schwächen.
Außerdem wären Belege durch Studien etc. Super.

Wenn ihr mir da helfen könntet das wäre einfach Hammer. Ich gebe mir selbst auch Mühe meine Sammlung zu erweitern.

Danke schonmal im Voraus!
Peda
 
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon jacky am Mo 4. Jul 2016, 20:02

Was mir spontan einfällt..

(falls ich was falsches schreib, bitte kontrollieren)

im Falle einer Legalisierung:
- wirtschaftlicher Nutzen: von der Blüte bis zur Faser vollständig verwertbare Pflanze. ( In Amerika sind riesige neue Industriezweige entstanden)
- die kontrollierte Abgabe eines hochwertigen und kontrollierten, von verunreinigen freiem Produkt zum Schutz der Konsumenten, wäre gewährleistet.
- Schutz der Jugend, eben durch eine kontrollierte Abgabe an z.b. volljährige Personen.
- erwiesenermaßen vielseitiger medizinischer Nutzen bei etlichen Erkrankungen, bei denen andere Medikamente u.A nicht mehr verträglich sind.
- Für den Schwarzmarkt würde Cannabis durch eine Legalisierung uninteressant, Gelder, die z.Z in den Schwarzmarkt laufen, könnten durch eine Versteuuerung von Cannabis der Gesellschaft zunutze kommen.
- Durch einen Verkauf durch Shops (beispiel Colorado) durch geschultes Personal, die auf mögliche Risiken / Nebenwirkungen hinweisen, böte auch bessere kontrollmöglichkeiten - man könnte auch eine Abgabe an bereits stark alkoholsierte Menschen z.b. verweigern
- gleichbleibende Qualität und absehbarer Rausch, und dadurch eine Vermeidung(!) von Psychosen, da man weiß was man kauft und konsumiert, und nicht plötzlich nach dem Konsum von allerlei gestrecktern material von geringer Qualität mit wenig THC plötzlich unvorhersehbar an eine HIgh-THC hochzusuchtsorte Gerät und dadurch eventuell auch ungewollt zuviel konsumiert
- Menschen die Cannabis konsumieren wollen, werden nicht mehr so schnell in die Versuchung und in die Möglichkeit gedrängt, andere Drogen -bewusst oder ungewollt - mitzukonsumieren.
(man weiß nie, womit etwas gestreckt ist, oder was passiert, wenn ein dealer nun sagt.. "hey, ich hab da auch noch was anderes."
- in Ländern, in welchen eine Legalisierung stattgefunden hat, nimmt der Konsum von Jugendlichen ständig ab .. Der Reiz etwas "illegales" zu tun ist weg, Kleindealer, die hauptsächlich Cannabis verkaufen, verschwinden weil sich dieses "Geschäft" für sie einfach nicht mehr lohnt
- Bilanzen aus Ländern, wo eine Legalisierung bereits stattgefunden hat, widersprechen vielen Befürchtungen der Cannabis-Gegner. Die Wirtschaft ist auf dem besten, die arbeitslosenzahlen auf den niedrigsten Stand.
- auch die Befürchtung, nach einer Legalisierung käme es zu mehr Verkehrsunfällen hat sich nicht bestätigt.
jacky
 
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Mo 4. Jul 2016, 23:35

Hallo, Peda!

Der amerikanische Soziologe Erich Goode nennt insgesamt 10 Argumente (2015: 449 ff.*), die typischerweise als Gründe für eine Legalisierung vorgetragen werden: 1) Erst ein Verbot sorgt für exorbitante Profite und begünstigt hierdurch die Drogenkriminalität, 2) Illegale Drogen sind relational weniger schädlich als legale Drogen, 3) Die Prohibition hat keinen wesentlichen Einfluss auf den Konsum, 4) Drogenverbote führen zu stärkeren und potenteren Drogen, 5) Drogenverbote führen zu Verunreinigung und fehlenden Qualitätskontrollen, 6) Eine Legalisierung lockert und löst kriminelle Strukturen auf, 7) Eine Legalisierung reduziert Gewalt und Tötungsdelikte, 8) Eine Legalisierung reduziert den Machtmissbrauch des Staates und der Behörden, 9) Eine Legalisierung führt zu Steuereinsparungen, 10) Eine Legalisierung ermöglicht den Zugriff auf neuartige Medikationen und ermöglicht diesbezüglich Forschung.

* Drugs in American Society. McGraw-Hill Education.


Im deutschsprachigen Raum möchte ich insbesondere auf den Kriminalsoziologen Henning Schmidt-Semisch hinweisen, der sich bereits seit Jahrzehnten für eine breit gefasste Regulierung einsetzt -> Kiffen dürfen reicht nicht oder: Radikale Alternativen in der Drogenpolitik

Hier findest du ein recht aktuelles Zeitungsinterview -> „Ein Verbot vergrößert Risiken“

In einer internationalen Perspektive lässt sich des Weiteren (u.a.) der profilierte australische Mediziner Alex Wodak und seine recht eindrucksvolle Analyse anführen -> The abject failure of drug prohibition

Die wesentliche Frage ist letztlich, inwieweit eine sog. "Drogenprohibition" die unbestrittenen und möglichen Probleme abschwächt - und nicht gerade erst konstituiert oder verstärkt. Hier ist es nicht nur recht praktisch, Befürworter in der "Bringschuld" zu sehen und bspw. auf legale "Genussmittel" zu verweisen, die man völlig anders behandelt - und dies mehr oder weniger erfolgreich. Diese Linie verfolgt bspw. die bekannte britische Gesundheitshistorikerin Virginia Berridge. Hier ließe sich ferner ausführen, wie eine "Legalisierung" denn genau aussehen könnte oder heute bereits praktiziert wird (Beispiel leg. "Genussmittel", aber auch NL, etc.).

Eine Empfehlung, die du deiner Klasse und deinem Lehrer auf jeden Fall mitgeben könntest, ist der Verweis auf den sog. "Alternativen Drogenbericht" - bisher 2014, 2015 und 2016 erschienen. Dort finden sich kritische "Expertenstimmen" abseits eines sog. "Mainstreams".

Die beliebtesten "Gegenargumente" verorten sich diskutabler Weise im Bereich der Gesundheit. Hier wird gerne angeführt, dass ein Konsum z.B. gravierend und nachteilig auf den Intellekt wirke oder eine "Legalisierung" generell zu einer inflationären und kumulativen Zunahme der Probleme führe, bspw. in Form steigender Prävalenzzahlen (insbesondere unter Jugendlichen). Dies lässt sich erheblich anzweifeln - so resümiert bspw. der deutsche Soziologe Karl-Heinz Reuband (2009: Entwicklungen des Drogenkonsums in Deutschland und die begrenzte Wirksamkeit der Kriminalpolitik):

Unterschiede in der Kriminalpolitik innerhalb der Bundesrepublik auf Länderebene haben weder Unterschiede in der Cannabisprävalenz noch in den Einstellungen zum Cannabisgebrauch zur Folge gehabt: Ob das Vorgehen gegenüber Cannabis eher repressiv oder eher liberal war, blieb ohne Auswirkungen. Ein Zusammenhang lässt sich auch im internationalen Vergleich nicht belegen.


Zunehmend populär gestalten sich auch Verweise bezüglich einer angeblich "neurotoxischen" Wirkung von Cannabis. Hierzu an anderer Stelle:

Ob ein Cannabiskonsum mit bleibenden und nachträglichen Hirnveränderungen einhergeht, bleibt weitestgehend ungeklärt und in der Beurteilung gegensätzlich (s. Roccheti et al. 2013: Is cannabis neurotoxic for the healthy brain? A meta-analytical review of structural brain alterations in non-psychotic users; Santos et al. 2010: Neuroimaging in cannabis use: a systematic review of the literature; Weiland et al. 2015: Daily Marijuana Use Is Not Associated with Brain Morphometric Measures in Adolescents or Adults). Inwiefern sich mögliche Veränderungen überhaupt in beobachtbare Verhaltensauffälligkeiten übersetzen lassen, möglicherweise gar den Nachweis protektiver Prozesse abzeichnen oder maßgeblich durch Umweltfaktoren begünstigt werden, bleibt zusätzlich zu beantworten (vgl. Lorenzetti et al. 2014: The association between regular cannabis exposure and alterations of human brain morphology: an updated review of the literature). Umstritten ist letztlich auch, inwieweit sich neuroadaptive Veränderungen als Folgen einer "Neurotoxizität" interpretieren lassen (s. Neurogenese und Neuroplastizität).


Dennoch bleibt klar, dass ein Cannabiskonsum sehr wohl mit potentiellen Risiken einhergehen kann. Es ist auch nicht der Punkt, Gegenteiliges zu behaupten, sondern zu verdeutlichen, dass ein Verbot (und vor allem das Strafrecht) hieran nichts ändert - aber ebenso Nicht-Konsumenten (und Freunde und Verwandte) trifft.

Beste Grüße und viel Erfolg!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Di 5. Jul 2016, 05:19

Okay nicht schlecht! Vielen Dank. Ich muss mich da dann heute Nachmittag erst mal in Ruhe durcharbeiten. Aber klingt sehr vielversprechend!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon ay_caramba am Di 5. Jul 2016, 07:40

Hi Peda,

vielleicht hat ja dein Lehrer schon ein paar Kontra-Argumente durchklingen lassen, die er für wichtig hält.
Wenn du uns diese mal reinschreiben würdest, widerlegen wir sie gerne. :)

Beste Grüße!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Di 5. Jul 2016, 14:20

Es etabliert sich zunehmend als Konsens, dass eine sog. "Drogenpolitik" die vielschichtigen Problematiken auf unredliche und gar schädliche Weise verkürzt (bereits durch die primär substanzfixierte Perspektive) - also nicht als Teil der Lösung, sondern vielmehr als Teil des Problems betrachtet werden kann und muss. Aus der Nummer kommt auch kein Lehrer raus ;P

Die genauen Gegenargumente interessieren mich aber auch! Hoffentlich bekommen wir auch eine anschließende Zusammenfassung, würde mich freuen.
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Di 5. Jul 2016, 14:43

Wir haben insgesamt 8 Gruppen gehabt, die alle einmal vor der Klasse eine Probedebatte zu eben diesem Thema gemacht haben. Dabei vielen viele Argumente, vielen davon hat unser Lehrer danach auch zugestimmt. Hier die scheinbar beliebtesten Argumente für Kontra:

-psychische Schäden (kann man wohl nicht widerlegen, allerdings ist das größte Risiko ja noch während der Entwicklung, da würde ein Mindestalter Abhilfe schaffen. Außerdem treten die meisten Schäden ja auf bei Menschen, die ohnehin schon psychische Probleme haben.)

Ob man es nun glaubt oder nicht, ein beliebtes Kontra Argument, auf das auch unser Lehrer mehrfach eingegangen ist war, wie oben schon genannt die Schädigung aufgrund der "Streckung" mit Tabak. Was natürlich einfach absurd ist. Welcher nicht Raucher raucht sein Gras mit Tabak? Es ging sogar so weit dass Argumente kamen wie "Gras raucht man mit Tabak, Nikotin macht abhängig, also macht Cannabis ja indirekt abhängig irgendwie"

Das beliebteste Kontra Argument ist wohl der Drogentourismus. Wobei auch das leicht zu widerlegen ist. Das Argument lautet, es würden dann ja ich zitiere "Junkies und Hippies" nach Deutschland kommen, überall würden neben den besoffenen Leuten auch noch komische Junkie Kiffer rumliegen und das würde dem Image Deutschlands Schaden. Meiner Meinung nach kann man das gut widerlegen und umdrehen indem man sagt welches Image? Wir haben das Oktoberfest wo Leute jedes Jahr kommen nur um sich zu besaufen (Info am Rande, ich wohne in Bayern). Außerdem, wenn so viele Leute wegen gras nach Deutschland kämen, würde das eher dafür sprechen, das dass Image sich eher verbessert und Deutschland attraktiver würde. Zudem würde der Staat gut verdienen, zum einen allgemein am Tourismus und dann natürlich durch die Steuern, die es auf das Gras geben würde.

Das waren jetzt die häufigsten Argumente die kamen, wobei ich sie ja eigentlich schon selbst widerlegt habe. Wenn ihr darauf noch was schlagfertiges wisst immer raus damit! :)
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Di 5. Jul 2016, 15:45

Hallo, Peda!

Peda hat geschrieben:-psychische Schäden (kann man wohl nicht widerlegen, allerdings ist das größte Risiko ja noch während der Entwicklung, da würde ein Mindestalter Abhilfe schaffen. Außerdem treten die meisten Schäden ja auf bei Menschen, die ohnehin schon psychische Probleme haben.)


Korrekt, aber um mögliche Schäden klein- oder schönzureden, geht es im Prinzip auch nicht (s.o.). Dennoch ist die Vorstellung bezüglich "psychischer Störungen" als monokausale Folge eines Konsums stark umstritten und zuweilen höchst implausibel - auch, wenn der Konsum in die "Jugend" fällt. Hier wäre ferner zu hinterfragen, inwieweit bspw. eine Strafverfolgung als sog. "umweltbezogener Risikofaktor" aufgefasst werden kann, der bspw. den Ausbruch einer sog. "Psychose" sogar womöglich mit begünstigt - Stichwort: Epigenetik?

Im aktuellen Drogenbericht der Regierung heißt es übrigens (2016: 11):

Jugendliche müssen lernen, mit Alkohol verantwortungsvoll umzugehen.


Interessant, oder?

Was natürlich einfach absurd ist. Welcher nicht Raucher raucht sein Gras mit Tabak? Es ging sogar so weit dass Argumente kamen wie "Gras raucht man mit Tabak, Nikotin macht abhängig, also macht Cannabis ja indirekt abhängig irgendwie"


Doch recht viele - vor allem in Europa. Ein Konsum mit Tabak ist bspw. auch in Indien verbreitet - oft auch am Ende eines sog. "chillums" platziert, um solches geschmacklich zu "markieren". Trotzdem handelt es sich hierbei um ein Scheinargument und eine "Nebelkerze". Niemand bestreitet mögliche Risiken - eine Prohibition reduziert diese aber nicht, ganz im Gegenteil (s.o.). Eine sog. "Sucht" als Folge eines bloßen Konsums zu betrachten, ist zudem höchst unwissenschaftlich und eine längst überholte Meinung (s. z.B. die "Rat Park"-Experimente). Keine Substanz macht abhängig, im Sinne einer pharmakologischen Eigenschaft. Richtig ist aber, dass Menschen nun sehr wohl von Drogen und einem Drogenkonsum abhängig werden. Eine sog. "Drogenabhängigkeit" bleibt hierbei aber stets ein Zusammenspiel aus Substanz, Subjekt und Umwelt. Ein Konsum ist eine Voraussetzung, aber keine Ursache. Hierzu referiert aktuell und medienwirksam vor allem der überaus profilierte amerikanische Neuropharmakologe Carl L. Hart, auf youtube finden sich hierzu unzählige Clips.

Beste Grüße!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Di 5. Jul 2016, 23:15

Was sich noch mal hervorheben lässt: Wir befinden uns hier auch ausschließlich im Bereich utilitaristischer und recht abstrakter "Kostenrechnungen". Die Diskussion dreht sich dann überwiegend um den Punkt der (Selbst- oder Fremd-)Schädigung und bleibt stets umstritten. Bei diesem Punkt handelt es sich aber ohnehin streng genommen um keinerlei - bestenfalls um eine überaus wackelige Grundlage, ein Verbot zu legitimieren. So schreibt auch der österreichische Psychologe Alfred Uhl im alternativen Drogenbericht 2016 ("Angsterzeugung und Übertreibung als bedenkliche Strategie der Suchtprävention und -forschung": 106):

Aus ethischen Gründen ist es nicht zulässig, mündigen Erwachsenen Verhaltensweisen aufzuzwingen, bloß weil andere der Meinung sind, dass dies dem Wohl der handelnden Personen dient.


Hier lässt sich entgegen oder aber auch in Kombination einer utilitaristischen, primär eine sog. "liberale" Perspektive (und ein sog. und gesetzlich verankertes "Recht auf Selbstschädigung") vertreten. Ein bekannter Verfechter einer derartigen Position ist insbesondere der australische Philosoph und Ethiker Julian Savulescu.

Ich befürchte aber, dass die Flut an Informationen nun auch eher etwas kontraproduktiv wirken könnte oder dich vielleicht etwas überfordert. Falls etwas nicht ganz klar sein sollte oder du noch spezielle Studien und Belege, oder vereinfachte Formulierungen suchst - einfach nachfragen!

Beste Grüße!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Mörnest am Mi 6. Jul 2016, 10:39

Peda hat geschrieben:Hallo.
Dieser Beitrag passt hier vermutlich nicht perfekt rein, ich weiß aber nicht wohin damit.
Ich bin in der 9. Klasse auf dem Gymnasium

Mein Lehrer weiß meine Einstellung und ihm ist auch ziemlich klar das ich selbst kiffe.

Danke schonmal im Voraus!


Ich will jetzt kein Spiel verderber sein, muss aber. Wie alt bist du? Falls unter 18 konsumierst du natürlich NICHT. Da du für den Jugendschutz nämlich die legalisierung einforderst und sogar soweit gehst, dass du forderst Alkohol und Tabak gleich zu behandeln. Also raus aus den Supermärkten, rein in die Fachgeschäfte. Das gleich für Cannabis. Da soll er mal gegenargumente bringen die wissenschaftlich sind und auf gar keinen Fall seine eigenen gelüste berücksichtigt.
Wenn du unter 18 zugibst zu konsumieren, wäre dein Lehrer in der pflicht etwas dagegen zu unternehmen, sowas sollte höchstens unausgesprochen zwischen euch stehen.
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon bad guy am Mi 6. Jul 2016, 10:46

Der Lehrer hat noch nichts von Vaporizer gehört. Stark im kommen.
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Mi 6. Jul 2016, 16:59

Ich habe nicht vor zu sagen "Jo ich kiffe selbst auch gern, schauen Sie, hier hab ich nen Joint mitgebracht".
Er weiß es aber ziemlich sicher, natürlich habe ich es aber nicht gesagt.
Er sagte im etwa: "Ich habe wahrscheinlich keine Chance gegen dich, mir fehlt halt auch die Erfahrung"
Selbstverständlich sage ich es aber nicht direkt ich nehme mich da schon in Acht.

Wir haben die Debatte auf Montag verschoben, ich gebe dann Feedback!
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Di 12. Jul 2016, 14:22

Moin.
Da mein Lehrer die erste Hälfte der Woche nicht anwesend ist, haben wir die Debatte nochmals verschoben auf diesen Donnerstag.

Ich bin gerade dabei, die Argumente auszuarbeiten. Eine Frage hätte ich noch bezüglich des Arguments von overturn. Dieser schrieb:

"Es etabliert sich zunehmend als Konsens, dass eine sog. "Drogenpolitik" die vielschichtigen Problematiken auf unredliche und gar schädliche Weise verkürzt (bereits durch die primär substanzfixierte Perspektive) - also nicht als Teil der Lösung, sondern vielmehr als Teil des Problems betrachtet werden kann und muss."

Kann mir da jemand weiterhelfen und das in normales deutsch übersetzen? :D :shock:
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Di 12. Jul 2016, 15:35

Das Problem ist mir bekannt, haha.

Eine sog. "Drogenpolitik" suggeriert, dass "Drogenprobleme" (maßgeblich) durch die Verfügbarkeit und den Konsum der jeweiligen Substanzen befeuert werden - und versucht entsprechend einer derart verschrobenen Logik dann wiederum auch recht konsequent, diese(n) zu verhindern. Eine derart verengte Perspektive ignoriert aber nicht nur weitreichende Problemlagen (die größtenteils in den Bereich einer "Sozialpolitik" fallen), sondern produziert hierdurch zusätzlich neue (z.B. einen "Schwarzmarkt"). Das war jetzt etwas verständlicher, hoffe ich?
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon ay_caramba am Di 12. Jul 2016, 16:13

Hey Peda,

sorry, wollte eigentlich auch noch was schreiben dazu. Der overturn hat aber schon gut vorgelegt. ;)

Ich versuch seinen Beitrag mal noch ein Stückchen zu vereinfachen: Die derzeitige Drogenpolitik geht davon aus, dass immer die Substanz der Verursacher ist, wenn ein Konsument "Probleme" im Leben hat. Also werden Substanzen verboten. Durch das Verbot aber entstehen erst viele der Probleme, wie bspw. Beschaffungskriminalität, gestreckte Stoffe, Überdosen und gesundheitliche Probleme, kompletter Führerscheinentzug (dadurch Jobverlust), Vorstrafen oder allein schon die soziale Ausgrenzung, die zu Rückzug führen kann, obwohl man einen sozialen Charakter hat.
Das lässt sich sicher noch erweitern.
Wer in instabiler psychischer Verfassung ist, wird wohl auch nicht so leicht eine Hausdurchsuchung, am Ende noch mit Leibesvisitation, überstehen. Das kann einen Menschen traumatisieren und voll aus der Gesellschaft kicken.
Ein Punkt der im Zuge dessen erwähnenswert ist, wäre die vermeintliche Cannabis-Nebenwirkung "Paranoia", die vermutlich gering bis gar nicht vorhanden wäre, wenn man nicht im illegalen Bereich agieren würde.

Habe ich das so in etwa richtig verstanden, overturn? :)

Viele Parallelen sind auch aus der Zeit der Alkoholprohibition in Amerika zu ziehen (siehe Al Capone).

Stichwort Drogentourismus: Wenn man sieht, wie viele holländische Städte sich gegen den Wietpass wehren, kann der so schlecht für die Wirtschaft nicht sein. Dein Oktoberfest-Beispiel ("größte offene Drogenszene der Welt") ist schon wirklich gut. Eine gute Frage, die du deinem Gegenüber stellen kannst, ist immer: "Würdest du nachts lieber einer Gruppe betrunkener oder bekiffter Menschen begegnen?".

Stichwort Tabak als Streckmittel: Zu Teilen sicher auch eine Folge der Prohibition, weil man vermeintlich länger am Grasgenuss hat, aber auch weil die kulturelle Entwicklung dem Untergrund überlassen wurde.
Aber auch hierzulande ist der Vaporizer stark im Kommen. Gäbe es Fachgeschäfte für Cannabis, würde die Beratung ganz sicher auch in diese Richtung gehen. Genau wie man im Weingeschäft sich Empfehlungen für Glaswaren für den idealen Ausschank einholen kann. Da würde auch keiner sagen: "Misch diesen Rotwein mit viel Korn und hau ihn auf Ex runter", das wäre Unsinn.
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon overturn am Di 12. Jul 2016, 19:10

ay_caramba hat geschrieben:Habe ich das so in etwa richtig verstanden, overturn? :)


Nicht nur das - auch noch top erklärt! (:
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Mi 13. Jul 2016, 15:47

Okay ich habe das Argument jetzt verstanden^^ Dankeschön!
Hätte jemand zufällig noch ein sehr aktuelles Thema zur Einleitung? Ich werde mir dann im Voraus eine Eröffnungsrede schreiben.
Hat vielleicht auch jemand eine gute Idee für einen Kompromiss? Ab welchem Alter sollte Cannabis legalisiert werden und sollte es Beschränkungen geben? Wie viel Gramm wären da dann sinnvoll?
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Sabine am Mi 13. Jul 2016, 17:17

Kannst Du das mit dem aktuellen Thema etwas eingrenzen bzw. was schwebt Dir da so ungefähr vor ?
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Mi 13. Jul 2016, 17:27

Eigentlich ist das genaue Thema egal. Es muss nur irgendwie hinführend sein zum Thema, ob Cannabis legalisiert werden soll. Ein Kumpel hat mir vorgeschlagen, ich solle Zahlen zu Colorado nennen und die positive Auswirkung darstellen. Dann könnte man einfach überleiten mit sowas wie "aufgrund dieses Beispiel stellt sich uns heute die Frage, ob Cannabis nicht auch in Deutschland legalisiert werden sollte".

Ich denke Colorado ist ein wirklich gutes Beispiel was auch der Hinführung dienen kann, damit hat sich meine Frage eigentlich erledigt ^^. Außer jemand wüsste noch etwas besseres :)
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Re: Debattieren "Soll Cannabis legalisiert werden?"

Beitragvon Peda am Do 14. Jul 2016, 18:40

Guten Abend!

Die Debatte ist nun vorbei.
Wir haben ungefähr 30min gebraucht, mein Lehrer wollte die ganze Zeit richtung Ende aber ich war lange nicht fertig^^
Ich glaube ehrlich gesagt mein Lehrer ist nicht mal wirklich gegen die Legalisierung. Aber das war nun mal seine position und er hat sich ins Zeug gelegt. Ich hatte es schwierig, denn meine Argumente (finde ich) waren DEUTLICH stärker als seine Kontra Argumente. Leider ist mein Lehrer Deutschlehrer und dazu noch ziemlich gut, deshalb kam er sehr gut und stark rüber mit seiner Argumentation, auch wenn die Argumente eher schwammig waren und er um den heißen Brei geredet hat. Ich würde aber sagen, ich habe mich gut geschlagen:) Ich habe ihm auch noch Unterlagen von mir mitgegeben danach. Naja insgesamt kann ich nur sagen, dass die Debatte ziemlich zu meiner Zufriedenheit abgelaufen ist.
Ich möchte mich für eure große Unterstützung bedanken! Ein großes Dankeschön geht vor allem an overturn und ay_caramba!
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