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"Zu hohe Hürden" Substitution in Bayern/Ebersberg

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"Zu hohe Hürden" Substitution in Bayern/Ebersberg

Beitragvon Sabine am Do 5. Jan 2017, 09:42

"Vielen Drogenabhängigen hilft die Vergabe von Arzneien wie Methadon, um in ein stabiles Leben zurückzufinden. Dennoch bieten nur wenige Ärzte die Behandlung an - aus einfachem Grund.
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Der Mangel an Therapieplätzen ist prekär, denn seit 2012 meldet das Bundeskriminalamt bundesweit immer mehr Rauschgifttote. Im Jahr 2015 waren es in Bayern 314 Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um 25 Prozent. Auch die registrierten Rauschgiftdelikte stiegen bayernweit um 2000 Fälle auf insgesamt 40 788 an. Und das sind nur die polizeilich dokumentierten Zahlen; die Dunkelziffer zeigt vermutlich einen ähnlichen Aufwärtstrend.

Trotz steigenden Zahlen haben Drogenabhängige im Landkreis gerade einmal vier Anlaufstellen für eine Substitutionstherapie. Das sagt Lena Müller-Lorenz von der Grafinger Caritas. Bei insgesamt etwa 150 niedergelassenen Ärzten sind das weniger als drei Prozent. Als eine von drei Mitarbeitern ist Müller-Lorenz für die psychosoziale Begleitung der 70 Substitutionspatienten im Landkreis zuständig.

Um überhaupt an einem Drogenersatzprogramm teilnehmen zu dürfen, muss ein Arzt den Betroffenen eine langjährige oder chronische Opioidabhängigkeit diagnostizieren. Ein unregelmäßiger oder seltener Konsum illegaler Rauschmittel reiche da nicht aus, erklärt Müller-Lorenz.
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Trotzdem gibt es nur sehr wenige Ärzte, die substituieren. Wie Felix Großmann, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.
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Da ist zunächst als formalen Voraussetzung eine suchtmedizinische Zusatzausbildung. In Bayern umfasst das 50 Fortbildungsstunden. Besitzt der Mediziner diese Qualifizierung nicht, muss ihn ein Kollege mit ebensolcher beaufsichtigen. Trotzdem darf er dann nicht mehr als drei Substitutionspatienten betreuen.
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Hat der Betroffene einen der wenigen Therapieplätze gefunden, muss er die ersten sechs Monate täglich in der Praxis erscheinen, um die Ersatzmitteldosis vor den Augen des Arztes einzunehmen.
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Aus diesem Grund sieht Großmann auch die gesetzliche Regelung kritisch, die bei einem Beikonsum von illegalen Drogen während des Behandlungszeitraums eine Therapiesperre von drei Monaten vorsieht.
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Zudem ist Großmann verpflichtet, jede Therapie ausführlich zu dokumentieren; zum einen für die kassenärztliche Abrechnung und zum anderen für das Gesundheitsamt, das jede Therapie überprüft.
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Es ist ein kompliziertes System, für das Großmann viele zusätzliche Arbeitsstunden aufbringen muss. "Wenn man Substitutionspatienten obendrein zum normalen Praxisgeschäft hat, dann ist das eine enorme Belastung. Ständig hat man Angst, dass sich nur der kleinste Fehler in der Dokumentation einschleicht", sagt Großmann. Im schlimmsten Fall könne das den Verlust der Kassenzulassung bedeuten.
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"Das oberste Ziel einer Therapie sollte nicht Abstinenz, sondern das Funktionieren im Alltag sein", sagt Großmann. "Es ist einfach nicht realistisch: Jemand, der zehn, 20 oder 30 Jahre heroinabhängig ist, kommt in den seltensten Fällen komplett weg davon." Natürlich sei eine Abstinenz wünschenswert. Aber sie von Vornherein als einzige Notwendigkeit für den Erfolg einer Therapie festzusetzen, hält Großmann für falsch.
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Damit das im Falle von Drogenersatztherapien auch möglich wird, hat die Bayerische Landesärztekammer einen neuen Entwurf der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung ausgearbeitet. Geplant sei, dass das Gesetz zum 1. April 2017 in Kraft tritt, sagt Heidemarie Lux. Die "Therapiefreiheit der Ärzte", wie sie es nennt, also die Flexibilität in der individuellen Behandlung, werde dadurch wieder gewährleistet. "


http://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebe ... -1.3321281

http://www.gesetze-im-internet.de/btmvv ... 00998.html

Mal schauen, wie Ende diesen Jahres/Anfang nächsten Jahres über die Änderung geschrieben wird. Nicht selten stellen gesetzliche Änderungen eher eine Verschlimmbesserung dar.
" ... Aber jeder solle das Recht haben, dass es bezahlt werde, wenn es helfe." Zitat v. Frau Mortler https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... ntscheidet
Sabine
 
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Re: "Zu hohe Hürden" Substitution in Bayern/Ebersberg

Beitragvon Doc_A am Do 5. Jan 2017, 18:48

Die Bayern arbeiten hart daran, auch in diesem Jahr wieder die meisten Drogentoten zu produzieren...
:shock:
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Re: "Zu hohe Hürden" Substitution in Bayern/Ebersberg

Beitragvon Sabine am Mi 10. Mai 2017, 09:22

"Mehr Rechtssicherheit bei Drogenersatztherapie

Ärzte, die sich intensiv um Heroinsüchtige kümmern und ihnen durch sogenannte Substitutionsmittel wie etwa Methadon zu einem geregelten Leben verhelfen, sollen künftig mehr Rechtssicherheit bekommen. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) erklärte am Dienstag, das Ringen um eine entsprechende Lösung habe sich jetzt ausgezahlt. Der Bundesrat habe sich endlich dazu durchgerungen, die rechtlichen Grundlagen für die Drogenersatztherapie zu verbessern. "Bayern hat dafür unermüdlich fünf Jahre lang gekämpft. Dieser Schritt ist überfällig", sagte Huml.

Wegen der bisherigen "rechtlichen Unsicherheiten", so betonte die Ministerin, seien "manchmal nicht genügend Mediziner" bereit gewesen, in der Drogentherapie tätig zu werden. Dies hatte allerdings auch einen guten Grund: Immer wieder waren sogenannte Substitutionsärzte - viele davon Hausärzte in ländlichen Regionen - mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt geraten.
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Huml indes hofft, dass nun durch "die Verordnungsnovelle die dringend notwendige Rechtssicherheit für die behandelnden Ärztinnen und Ärzte" geschaffen werde. Davon, so Huml weiter, würden "vor allem die betroffenen Patienten profitieren". In der Tat hatten viele Opiatsüchtige, die dank der Substitution wieder einer geregelten Arbeit nachgehen konnten, weite Wege in Kauf nehmen müssen, um überhaupt an ihren Drogenersatzstoff heranzukommen. Der Grund: Etliche Substitutionsärzte hatten aufgegeben. Der Druck, stets mit einem Bein im Gefängnis zu stehen, war ihnen einfach zu hoch. Auch die Bayerische Landesärztekammer hatte wiederholt mehr Rechtssicherheit für substituierende Ärzte gefordert."


http://www.sueddeutsche.de/bayern/subst ... -1.3497235
" ... Aber jeder solle das Recht haben, dass es bezahlt werde, wenn es helfe." Zitat v. Frau Mortler https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... ntscheidet
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