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Brief an den Bundespräsidenten

Medien und Politiker anschreiben


Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon His Master's Voice am So 25. Mär 2012, 12:10

Hi,

im Zukunftsdialog ging ja die Diskussion in die Richtung, dass der Cannabis-Diskurs im Grunde um eine einzige Frage kreist. Ich zitiere mal @klartext:

Allerdings braucht diese Diskussion nicht mit vielen Worten geführt werden. Die essentielle Frage, die von den Gegnern der Legalisierung beantwortet werden muss ist:
WAS bitte sind am Umgang mit Cannabis die Wesensmerkmale einer Straftat im Sinne der Rechtsauffassung eines freiheitlichen Rechtsstaates?
WIE kann ein freiheitlicher Rechtsstaat Teile seiner Bürger für ein Verhalten zu Kriminellen erklären, welches weder Leben, Gesundheit, Ansehen oder Eigentum eines Anderen Schaden zufügt?
Eine solche Instrumentalisierung des Strafrechtes gibt es sonst nur in zu Unrechtsstaaten entarteten Staatsgebilden, wie sie mit Strafgesetzkonstrukten wie "Rassenschande" oder "Republikflucht" aus unserer Geschichte her bekannt sind.


Ich finde diesen Ansatz sehr gut formuliert und im Zukunftsdialog wies ja dann auch jemand darauf hin, dass gerade unser neuer Bundespräsident Gauck ein guter Ansprechpartner für diese Frage sei. Besonders, da er ja ebenfalls gegen instrumentalisierte Strafgesetze in Deutschland angekämpft hat und auch offensichtlich den individuellen Freiheitsbegriff außerordentlich hoch hängt.

Was haltet Ihr davon, den Bundespräsidenten direkt anzuschreiben oder ihn irgendwie anders auf uns aufmerksam zu machen? Vielleicht haben wir ja Glück und gerade jetzt zu Beginn seiner Amtszeit ist er noch neugierig und offen für solche Aktionen. Ich finde diese Idee jedenfalls sehr interessant. Gerade im Hinblick auf den Freiheitsbegriff könnten wir doch da sehr gut einhaken.

Wenn wir ihm klar machen, dass die Kriminalisierung der Cannabis-Konsumenten nicht dem Rechtsschutz der Gesellschaft dient, sondern eine Instrumentalisierung des Straf- und Verkehrsrechts für ideologische Machtausübung ist, dann sehe ich ihn eigentlich auf unserer Seite. Vor allem, sollten wir ihm klar machen, dass Cannabis-Konsumenten nicht irgend eine realitätsferne Randgruppe sind, sondern dass es hier um Millionen Bürger in allen Schichten und Milieus der Gesellschaft geht, dass die Kriminalisierung mithin ein tatsächlich gesellschaftliches Problem ist.

Was denkt Ihr? Und hat wer Lust/Zeit/Energie so einen Brief zu schreiben? Was könnte man statt eines Briefes machen?
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Florian Rister am So 25. Mär 2012, 13:11

Die Idee kam mir auch schon, den Freiheitsbegriff von Joachim Gauck mal auf unsere Freiheitsbelange zu testen ;)

Ich schreibe was, finde das auch erstmal interessanter als einen Brief an Ikea zu schreiben...
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Florian Rister am So 25. Mär 2012, 13:33

Sehr geehrter Herr Gauck


Mit großem Interesse haben wir ihre Antrittsrede im Bundestag verfolgt; ihre Erfahrungen mit Unterdrückung und Bevormundung durch ein totalitäres Regime, gehen sicherlich jedem in Deutschland sehr nahe. Wir hoffen, dass daraus ein wirklich freiheitlicher Ansatz ihrer Präsidentschaft entsteht.

Ohne einen direkten Vergleich zu ihren, sicherlich deutlich dramatischeren, Erlebnissen in der DDR ziehen zu wollen, möchten wir sie an dieser Stelle über die Verfolgung und Kriminalisierung von ungefähr 4 Millionen Cannabiskonsumenten informieren.


Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 150.000 Menschen wegen dem Besitz von Cannabisprodukten angezeigt. Unabhängig von den drohenden juristischen Konsequenzen, sind diese Menschen oftmals mit Hausdurchsuchungen, Erkennungsdienstlichen Behandlungen und Durchsuchungen der Intimregion konfrontiert.
Der psychische und soziale Druck, der durch solche Ermittlungen auf an sich zumeist friedlichen, steuerzahlenden Bürgern liegt, ist enorm.
Neben den strafrechtlichen Konsequenzen, drohen - auch ohne Teilnahme am Straßenverkehr - Führerscheinverlust, Jobverlust und Wohnungskündigung.

Wer einmal wegen Cannabisbesitz aufgefallen ist, muss in jeder Polizei Kontrolle damit rechnen, lange aufgehalten und durchsucht zu werden.

Der hohe Aufwand, der für diese Verfolgung der einfachen Cannabiskonsumenten betrieben wurd, resultiert jedoch nicht in einer Reduzierung des Konsums: In den Niederlanden, wo jeder Erwachsene geringe Mengen Cannabis erwerben und besitzen darf, ist der Konsum nicht weiter verbreitet, als in Deutschland.

Ein gesundheitspolitischer Vorteil dieser Kriminalisierung einfacher Konsumenten, ist also nicht erkennbar.

Herr Bundespräsident, wir würden uns über eine Erklärung ihrer Position zu diesem Thema freuen.

Mit freundlichen Grüßen




Was sagt ihr dazu? Vorschläge?

Den Anfang mit dem Geschleime weglassen? :)

Lieber an den "Herrn Bundespräsident" oder an "Herr Gauck" schreiben?
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Vorarim am So 25. Mär 2012, 13:43

Den Ansatz finde ich schon sehr gut, ich würde aber noch deutlicher ausarbeiten, auf welche weise Cannabis-konsumenten Stigmatisiert werden und wie schwer gerade Cannabis-patienten und solchen, denen Cannabis helfen kann, das Leben gemacht wird. Wie sehr cannabiskonsumenten erniedrigt werden, wenn Sie mal in eine Kontrolle geraten oder ähnliches ( Bei meiner HD hieß es damals nicht:"Wir sind hier, um ihre Wohnung zu durchsuchen ob sie unschuldig sind oder was damit zu tun haben.", sondern:"Wir sind hier um ihre Wohnung zu durchsuchen ob Sie damit handeln, es nur konsumieren oder.. vielleicht ja sogar unschuldig sind" .. da frag ich mich heut noch was aus "in dubio pro reo" geworden ist)

Wie unverhältnismäßig die Strafen dafür mitunter ausfallen. (z.B. im Falle von Ciro) Und welche Freiheiten sich Polizisten mitunter bei der Ausübung ihrer Pflicht gegenüber harmlosen Konsumenten "genehmigen".
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Florian Rister am So 25. Mär 2012, 14:12

Also noch länger?
Ich denke halt, wenn ich 2 Seiten schreibe reduziert das die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt wahrgenommen wird.

Aber 2 Sätze zu Cannabis als Medizin kann ich noch reinpacken, klar.

Idee: Man könnte das ganze ja als "offenen Brief" an den BuPrä gestalten, d.h. unterschrieben vom DHV Team, aber man sammelt ein paar hundert Unterschriften dazu, am besten ein paar von "wichtigen" Leuten Schildower Kreis etc. und schickt das ganze als Brief, aber veröffentlicht es nebenbei noch im Inet.

Oder man veröffentlicht es erst mit der Antwort zusammen, falls eine kommt...
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Vorarim am So 25. Mär 2012, 14:27

Ich würde mir eventuell halt wirklich die Mühe machen und den Brief per Hand schreiben ( wer ne schöne Schrift hat oder so) .. ;)

Die in wiefern sich die länge auf die Wahrscheinlichkeit, dass der Brief "wahrgenommen" bzw sogar behandelt wird, auswirkt.. mhm weis nicht, ob das nun soo viele Auswirkungen hat.. entweder jemand liest den Brief und entscheidet sich direkt für Ablage P , oder er sympathisiert nach Lesens des Briefs mit dem Anliegen und leitet es weiter..
Insofern denke ich, das ein längerer Brief, der genauer auf die Auswirkungen eingeht sogar eher eine größere Chance hat wahr genommen zu werden als ein Zweizeiler, der jegliche Hintergrundinformationen/Tatsachen verschweigt.

Ansich käme mir nebenbei noch die Idee, das das BtmG in den 70ern zwar mit guten Vorsätzen etabliert wurde, seine Anwendung sich mittlerweile aber genau ins Gegenteil gekehrt hat. ( Also Streckmittel vs Gesundheitsschutz usw), mittlerweile sogar größtenteils seitens der Wissenschaft wiederlegt wurde, eine rationale Behandlung aufgrund der Tabuisierung/Stigmatisierung des Themas aber bis heute gescheut wird.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Florian Rister am So 25. Mär 2012, 14:41

Vorarim hat geschrieben:Ich würde mir eventuell halt wirklich die Mühe machen und den Brief per Hand schreiben ( wer ne schöne Schrift hat oder so) .. ;)



Da scheide ich schonmal aus :D

edit: Ich glaube nicht, dass ein schöner PC Ausdruck auf ordentlichem Briefpapier, mit DHV-Briefkopf etc. schlechter wirkt, als ein handschriftlicher.

Die sind es doch gewohnt, sogar Unterschriftenstempel zu benutzen.

Handschriftlich ist natürlich für private Briefe gut, aber bei einem formellen Anliegen finde ich es gar nicht mal so sinnvoll. Ist denke ich mal extrem unüblich.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon His Master's Voice am So 25. Mär 2012, 14:51

@groooveman

Ich finde den Brief schon mal ganz gut. Bin allerdings auch dafür, lieber mehr als zu wenig zu schreiben. Wir sollten versuchen vor allem auf die vom BP geäußerten Freiheitsaspekte einzugehen (hast Du ja auch schon mit angefangen). Auf seine Aufforderung an die Deutschen, Vertrauen in die Politik zu haben, sich selbst zu engagieren und halt auch und vor allem die Freiheit zur Eigenverantwortung wahrzunehmen (tolles Gegenargument übrigens zur jetzigen Staatserziehungspolitik).

Von daher sei nochmal auf die von mir eingangs zitierten Worte @klartexts verwiesen. Ich finde diese Fragestellung sollte mehr oder weniger wörtlich in dem Brief auftauchen.

Was nicht auftauchen muss, sind die ganzen Nebenargumente pro Cannabis, höchstens vielleicht dass es den Markt ohnehin gibt und dass Milliardenaufwand für nichts betrieben wird und so. Außerdem wohl wichtig, dass zum Schutz der Jugend eine gesamte Gruppe in der Bevölkerung strafrechtlich verfolgt wird und dass das unverhältnismäßig ist. Mehr aber dann auch wieder nicht. Für die Details könnte man ergänzend vielleicht das Buch Rauschzeichen einfach beilegen. Zentral in der Argumentation sollte der Missbrauch des Straf- und Verkehrsrechts für ideologische Zwecke sein, denn das hat der BP in seiner eigenen Biographie selbst schon bekämpft.


PS: Denke übrigens auch, das ist im Moment wichtiger als IKEA. Vor allem, weil der BP jetzt gerade neu im Amt ist und wir uns ihm direkt mit vollem Engagement präsentieren können. So sieht er von Anfang an, dass hier wirklich der Schuh drückt. Und dass es uns um Freiheit von ideologischer Gesetzesinstrumentalisierung geht. IKEA können wir noch immer bearbeiten, wenn uns die Polizei nicht mehr hinterher geiert. ;)
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Vorarim am So 25. Mär 2012, 14:59

Wenn dem Brief ein Rauschzeichen beigelegt wird sollte dies dann aber auch von den Authoren signiert sein sofern möglich. Das würde dem ganzen noch etwas mehr Gewicht geben.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon His Master's Voice am So 25. Mär 2012, 15:01

@Vorarim
genau

Ach ja, und eine Unterschriftenliste wäre so oder so auch echt toll...am besten 1000 Leute oder so...hm.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Vorarim am So 25. Mär 2012, 15:06

Das mit der Unterschriftenliste wird schwierig.. Die Anzahl dürften wir problemlos zusammen kriegen, wenn ich an die Cannabis-Petition denke, aber unter der Voraussetzung, dass der Brief so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden sollte wäre es eine logistische Meisterleistung, dies in 2-3 Wochen zu bewerkstelligen ohne ein 1000-seitiges Paket abzuliefern, weil pro Seite nur 1-10 Unterschrift(en) vorhanden ist/sind.

Eine Idee wäre, über den DHV und das Hajo evtl in Berlin dazu aufzurufen ( Also quasi in Ballungszentren.. ) An sich könnte das Steffen auch auf der Cannabiskultour .. Aber das würde den Zeitrahmen sprengen..
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon CosmicWizard am So 25. Mär 2012, 15:11

Super Idee! Der Textvorschlag ist schon einmal ganz gut, sollte aber noch um die Aspekte Cannabispatienten in Deutschland und Cannabis in der Medizin allgemein erweitert werden. Der Freiheitsbegriff sollte auch noch deutlicher in den Vordergrund gerückt werden.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Florian Rister am So 25. Mär 2012, 15:32

Ach, ein paar hundert Mit-Unterzeichner kriegt man schnell zusammen, muss nicht "unterschrieben" werden, da langt normalerweise der Name unterndrunter.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Vorarim am So 25. Mär 2012, 16:18

Man könnte dann an sich ja auch gleich Nordels Postkarte oder ein vergleichbares Urteil ( wie z.B. das aus dem Hajo : http://www.hanfjournal.de/hajo-website/ ... haerte.php ) mitschicken, damit Herr Gauck auch direkt sieht, was wir mit dem Brief aussagen wollen.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Radulf am So 25. Mär 2012, 17:30

vielleicht sollte man in diesem Brief auch noch auf die weitere schädliche Auswirkungen des Verbots hinweisen wie fehlender Jugendschutz und fehlende Prävention und die Gefahren durch Streckmittel. Und die Postion der DHS. Aber ist nur so ne Idee, Der Textist bestimmt schon gut wie er ist.
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Grashüpfer am Mo 26. Mär 2012, 22:59

Die Idee ist gut und der Entwurf von grooveman auch! Ich finde das kann man so auf ihn loslassen. Ausgedruckt ist aber üblicher, als handschriftlich. Der Brief sollte auch nicht zu lang werden, viel muss man da ja nicht mehr unterbringen. Vielleicht noch den Hinweis, mit welcher Verdummungsstrategie von seiten der Regierung agiert wird. Das halt Tatsachen verdreht werden , nur um die Freiheiten von Millionen zu beschneiden - jedenfalls andeuten ;)
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon frihet am Mo 26. Mär 2012, 23:31

Ich erlaube mir mal, Rechtschreibung und Zeichensetzung geringfügig zu korrigieren:

Sehr geehrter Herr Gauck,


mit großem Interesse haben wir Ihre Antrittsrede im Bundestag verfolgt; Ihre Erfahrungen mit Unterdrückung und Bevormundung durch ein totalitäres Regime gehen sicherlich jedem in Deutschland sehr nahe. Wir hoffen, dass daraus ein wirklich freiheitlicher Ansatz Ihrer Präsidentschaft entsteht.

Ohne einen direkten Vergleich zu Ihren sicherlich deutlich dramatischeren Erlebnissen in der DDR ziehen zu wollen, möchten wir Sie an dieser Stelle über die Verfolgung und Kriminalisierung von ungefähr 4 Millionen Cannabiskonsumenten informieren.

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 150.000 Menschen wegen Besitzes von Cannabisprodukten angezeigt. Unabhängig von den drohenden juristischen Konsequenzen sind diese Menschen oftmals mit Hausdurchsuchungen, erkennungsdienstlichen Behandlungen und Durchsuchungen der Intimregion konfrontiert.
Der psychische und soziale Druck, der durch solche Ermittlungen auf an sich zumeist friedlichen, steuerzahlenden Bürgern liegt, ist enorm.
Neben den strafrechtlichen Konsequenzen drohen - auch ohne Teilnahme am Straßenverkehr - Führerscheinverlust, Jobverlust und Wohnungskündigung.

Wer einmal wegen Cannabisbesitzes aufgefallen ist, muss in jeder Polizeikontrolle damit rechnen, lange aufgehalten und durchsucht zu werden.

Der hohe Aufwand, der für diese Verfolgung der einfachen Cannabiskonsumenten betrieben wird, resultiert jedoch nicht in einer Reduzierung des Konsums: In den Niederlanden, wo jeder Erwachsene geringe Mengen Cannabis erwerben und besitzen darf, ist der Konsum nicht weiter verbreitet, als in Deutschland.

Ein gesundheitspolitischer Vorteil dieser Kriminalisierung einfacher Konsumenten ist also nicht erkennbar.

Herr Bundespräsident, wir würden uns über eine Erklärung Ihrer Position zu diesem Thema freuen.

Mit freundlichen Grüßen
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Der Auswanderer am Di 27. Mär 2012, 18:38

Dank an Klartext!

Ich finde die Ausfuehrung wirklich gelungen:

Lieber Bundespräsident Joachim Gauck,

mit Ihrer Rede haben Sie viel Hoffnung unter den Bürgern verbreitet. Mit Ihrer Frage gleich im ersten Satz haben Sie eine Perspektive angerissen, die zwingend weitere Fragen, auch im hier und jetzt in den Mittelpunkt rückt.

Ja, wie soll es denn nun aussehen dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel einmal sagen sollen: unser Land? Ist es ein freies Land? Ja mehr noch, ist es ein freiheitlicher Rechtsstaat, in dem die Freiheit des Einzelnen nicht nur in der Verfassung steht, sondern Gültigkeit für jeden Bürger hat! Oder sollte die derzeit praktizierte repressive Willkür des Staates für eine bestimmte Gruppe von Bürgern in diesem Land immer so weiter gehen?

Sollen Menschen, deren Handeln unmöglich in einem freiheitlichen Rechtsstaat zur Straftat erklärt werden kann weiterhin mit dem Strafrecht von diesem Staat bedroht, verfolgt und diskriminiert werden? Jeder Tag, jede Begegnung mit der Staatsmacht bringt für Cannabiskonsumenten eine Fülle neuer Ängste hervor und Sorgen.

Viele fragen sich, was ist das eigentlich für ein Leben, was ist das für eine Freiheit in diesem Land, in der man Menschen, die ein Genussmittel wie Cannabis, das weit weniger gesundheitsgefährdend ist, als die in diesem Land legal und frei verfügbaren Genussmittel Tabak und Alkohol, Kriminellen wie Dieben, Betrügern und Vergewaltigern gleichsetzt und gegen sie mit dem Strafrecht vorgeht?

Sie sagen, dass Ihr Lebensthema die Freiheit ist und das macht vielen Betroffenen Hoffnung. Als Bürgerrechtler in einem Unrechtsstaat, wie es die DDR war, dürfte Ihnen bekannt sein, was es heißt, wenn ein Staat das Strafrecht dazu missbraucht, um seine Bürger in ihren legitimen Freiheitsrechten zu beschneiden. Hören des Westsenders oder Republikflucht sind hier ebenso zu nennen, wie das Gesetz der „Rassenschande“, das interessanter Weise auch mit dem schwammigen Argument ‚Schutz der Volksgesundheit’ (hier durch Rassereinheit) begründet wurde.

Allerdings hat unser Staat, dem Sie nun als Staatsoberhaupt dienen, einen solchen Missbrauch des Strafrechtes als gängige Praxis, indem er den Bürger für den Genuss von Cannabis gegen alle heute zur Verfügung stehende wissenschaftliche Erkenntnis mit dem Strafrecht bedroht, ihn einschüchtert und ängstig dafür, dass er eine freie Entscheidung in seinem Genussverhalten trifft, mit der er weder Leben, Gesundheit, Ansehen oder Eigentum eines Anderen Schaden zufügt.

Und es handelt sich hier um einen nicht unerheblichen Teil, geschätzte 4 Millionen Menschen. Wie Sie zu Recht sagen, „Ängste vermindern unseren Mut wie unser Selbstvertrauen - und manchmal so entscheidend, dass wir beides ganz und gar verlieren können, bis wir gar Feigheit für Tugend halten und Flucht für eine legitime Haltung im politischen Raum.“ Diesen Eindruck habe ich derzeit von unseren Politikern bezüglich der Cannabispolitik.

Nachdem Sie sich eine lebendige Erinnerung auch an das, was in unserem Land nach all den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur, nach den Greueln des Krieges gelungen ist, wünschen, wohl mit der Absicht, solchen Zustände für die Zukunft unseres Landes entschlossen zu begegnen und ihnen keinen Raum zu geben, sollten Sie in Ihrem Amt auch aktiv gegen das derzeitige Bestehen von staatlicher Willkür bei der strafrechtlichen Verfolgung erwachsener Menschen wegen des Umgangs mit Cannabis eintreten.

Die strafrechtliche Gesetzesregelung dürfte bei sachlicher Bewertung aller Gegebenheiten, die in dem „Dialog über Deutschland“, den unsere Kanzlerin, Frau Merkel, im Internet initiiert hat, sehr ausführlich von engagierten Bürgern erörtert wurden, eine Situation darstellen, die zu den Grundlagen unseres Rechtsstaates in diametralem Widerspruch steht; leider wird dies von den Medien ebenso in unserem Land bisher weitgehend totgeschwiegen.

Herr Bundespräsident, bringen Sie dieses Unrecht zur Sprache, setzen Sie ein Zeichen für Freiheit und Rechtsstaat! Fordern Sie die öffentliche Diskussion der Politik zu Cannabis, verlangen Sie die Einhaltung der rechtsstaatlichen Grundsätze unserer Verfassung, zeigen Sie, dass die Freiheit und das Recht für alle Bürger zu gelten hat und nicht leere Formeln eines in seinem Handeln unglaubwürdigen Anscheinsrechtsstaates sind.

In diesem Sinn hoffe ich auf Ihr Engagement als Bundespräsident zum Wohle Deutschlands und seiner Bürger.

In Erwartung Ihrer Antwort und Ihres Konkreten Handelns verbleibe ich

Mit freundlichen Grüßen

klartext,
oder jeder andere Bürger, der diesen Text in Teilen oder als Ganzes verwenden, ausdrucken, vervielfältigen, verbreiten oder direkt auch an Herrn Gauck schicken möchte.

Dieser Text steht ohne jegliches Copyright jedem Bürger, der ihn für sinnvoll oder hilfreich erachtet zur Verfügung!



Vielen Dank!
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon His Master's Voice am Di 27. Mär 2012, 19:20

Zuallererst mal von mir ein ausdrückliches Dankeschön an groooveman und klartext. Ist nicht leicht die richtigen Worte zu finden. In beiden Briefen steckt einiges an Arbeit.

@groooveman
Ich finde Deinen Brief gut, aber ich würde sagen, der Brief von klartext ist schon runder. Er sagt im Grunde das gleiche wie Dein Brief und geht noch ein bisschen darüber hinaus. Ich hatte erst noch den Gedanken, die von Dir angesprochenen 150.000 Menschen mit Anzeige usw. noch in den klartext-Brief mit rein zu nehmen, aber je länger ich es mir anschaue, desto mehr denke ich, dass mehr Fakten dem Statement auch nicht mehr Gewicht verleihen.

Alles in allem würde ich sagen wir haben unseren Brief. :D

Bleibt für mich die Frage der Präsentation. Was denkt Ihr bezüglich einer Unterschriftenaktion? Ein bisschen Zeit ist ja noch bis zum Ende des Bürgerdialogs. Oder doch sofort abschicken? Und: Gemeinsam? Oder jeder für sich?
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Re: Brief an den Bundespräsidenten

Beitragvon Der Auswanderer am Di 27. Mär 2012, 19:35

Bleibt für mich die Frage der Präsentation. Was denkt Ihr bezüglich einer Unterschriftenaktion? Ein bisschen Zeit ist ja noch bis zum Ende des Bürgerdialogs. Oder doch sofort abschicken? Und: Gemeinsam? Oder jeder für sich?


Ich wuerde nur zu gerne meine Unterschrift anbieten aber ich denke der Weg von Dænemark hin und zurueck ist nur in Kauf zu nehmen
wenn das wirklich vom DHV geregelt wird. Ansonsten bin ich natuerlich gerne bereit einen Brief direkt zu verschicken.

Selbst wenn eine Email heut zu tage was feines ist, wenn 1000 Briefe ankommen kønnte das schon mehr Eindruck schinden als
1000 Mails die vielleicht noch im Spammfilter landen.

Was ich allerdings definitiv machen werde ist den DHV mit Geld zu unterstuetzen.
Hab mir das Formular schon ausgedruck, weiss allerdings nicht ob der DHV das Recht hat von einem dænischen Konto das Geld ein zu ziehen.
Ansonsten hab ich ja paypal :-)
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