Sinn von Modellprojekten in Deutschland

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airbeat
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Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von airbeat » Do 29. Mär 2018, 19:19

Hallo zuerst mal. Ich weiß der Betreff klingt vielleicht erst mal seltsam, aber ich hatte vor einigen Tagen einen Gedanken den ich gerne mal los werden bzw. diskutieren würde.

Natürlich ist mir voll und ganz klar welches Ziel mit den Modellprojekten verfolgt werden soll. Nun frage ich mich allerdings inzwischen ob Modellprojekte überhaupt noch notwendig sind. Seit nun mehr als 3 Jahren ist Cannabis in Colorado legal. Und jedes Jahr kommen mehr Staaten in den USA und Länder weltweit hinzu. Zahlen und Statistiken gibt es inzwischen genug um die Auswirkungen der Legalisierung zu belegen. Nun frage ich mich wieso deutsche Städte noch immer Modellprojekte durchführen wollen. Selbstverständlich ist nichts dagegen einzuwenden und erfreulich zu hören dass sich dafür eingesetzt wird, jedoch kommt mir der Aufwand doch etwas unnötig vor. Erwarten sie denn, dass sich die Ergebnisse in Deutschland grundlegend von den bisherigen Ergebnissen in anderen Ländern unterscheiden würden? Oder überzeugen nur Ergebnisse aus deutschen Städten auch deutsche Politiker?

Entschuldigt falls es die Diskussion schon gibt und/oder ich das hier im falschen Forum gepostet habe. Würde mich interessieren was ihr so darüber denkt!

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Martin Mainz
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von Martin Mainz » Fr 30. Mär 2018, 08:21

Ich würde meinen, es geht darum, Druck auf die Politik zu machen. Wenn mehrere große Städte offiziell Modellprojekte fordern und beantragen und das BfArM weiter ablehnt, wird das durch die Presse getrieben und erregt so Aufmerksamkeit.

Ansonsten gebe ich Dir recht, viel Neues wird so ein Modellprojekt, sollte mal eines zugelassen werden, nicht wirklich bringen. Aber man kann dann mit eigenen Augen und "zu hause" in Deutschland sehen und zeigen, daß es auch hier nicht zum Weltuntergang kommt.

DennisEF
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von DennisEF » Fr 30. Mär 2018, 09:37

Wenn es besser ist sich auf eigene Erfahrungen zu verlassen, sollte man ein Modellprojekt starten.
Aber da müsste man sich einigen welche Stadt es versucht, da müssten sich alle einig werden.
Eine Stadt muss die Verantwortung für dieses Projekt übernehmen. Welche Stadt ist denn besonders offen und interessiert an so einem Projekt? Das würde dann auch sicher von den Medien beobachtet werden.

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bushdoctor
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von bushdoctor » Fr 30. Mär 2018, 13:11

Ein "Modellprojekt" in der BRD ist sowieso immer nur ein Sandkastenspiel und hat kaum Hinweiskraft auf die Zustände, die entstehen werden, wenn Hanf WIRKLICH von den Fesseln der Kriminalisierung befreit würde...

Die real-existierende Rechtsordung (BtmG) macht ein Modellprojekt überaus schwierig und lässt nur einen begrenzten Teilnehmerkreis zu, denn JEDER Teilnehmer benötigt eine Ausnahmegenehmigung nach § 3 (2) BtmG von der Bundesopiumstelle, um überhaupt legal Hanf besitzen zu können.

...deswegen - glaube ich - wird es in der BRD keine Modellprojekte geben, sondern erst in ein paar Jahren dann gleich eine direkte zaghafte Liberalisierung (Entkriminalisierung).

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Martin Mainz
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von Martin Mainz » Fr 30. Mär 2018, 19:52

DennisEF hat geschrieben:Aber da müsste man sich einigen welche Stadt es versucht, da müssten sich alle einig werden.
Wie kommst Du jetzt darauf? Warum sollen nicht mehrere Städte das versuchen, wie es ja auch bereits passiert ist. Informiere Dich bitte hier im Forum zu Modellprojekten, es gab schon jede Menge Anträge.
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von DennisEF » Sa 31. Mär 2018, 04:58

Mir kommt es so vor als ob jede Stadt die erste sein will.
von den ganzen Anträgen kam keiner durch... warum nur?

Vielleicht sollte die ganze Cannabiskompetenz in ein Modellprojekt gesteckt werden?

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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von DennisEF » Mo 17. Sep 2018, 09:13

Langsam tut sich was...
Die Legalisierung ist, meiner Meinung nach, nicht mehr weit.

Modellprojekte wären eine gute Idee, obwohl es genügend Beispiele im Ausland (siehe Colorado) gibt, die
ein solches Projekt überflüssig machen und sich dort genug abzuschauen gibt.

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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von andisoima » Mo 17. Sep 2018, 21:16

DennisEF hat geschrieben:
Mo 17. Sep 2018, 09:13
Langsam tut sich was...
Die Legalisierung ist, meiner Meinung nach, nicht mehr weit.
Wir waren heute wieder auf der Strasse und die Leute fragen sich echt, weshalb die Verantwortlichen nicht handeln. Voelliges Unverstaendnis. Auch Diejenigen, die skeptisch sind und dies auch sagten, nahmen sich Infomaterial und meinten, sich das doch mal anzuschauen, weil sich so sehr /bereits/ herumgesprochen hat, dass und wie gut Cannabis bei Vielem hilft.
DennisEF hat geschrieben:
Mo 17. Sep 2018, 09:13
Modellprojekte wären eine gute Idee, obwohl es genügend Beispiele im Ausland (siehe Colorado) gibt, die
ein solches Projekt überflüssig machen und sich dort genug abzuschauen gibt.
Da stimme ich dir zu! 8-)

resin breath jeff
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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von resin breath jeff » Di 18. Sep 2018, 09:19

Freiheit braucht kein Modelprojekt. Das Schwarzmarktexperiment muss schnellstmöglich beendet werden.

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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von Cookie » Di 18. Sep 2018, 09:49

resin breath jeff hat geschrieben:
Di 18. Sep 2018, 09:19
Freiheit braucht kein Modelprojekt. Das Schwarzmarktexperiment muss schnellstmöglich beendet werden.
Ja, volle Zustimmung. Aber glaubst Du ernsthaft, die Union / Konservativen ließe(n) sich so überzeugen? Seien wir froh, wenn wir sie auf diesem Weg mitnehmen können...
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resin breath jeff
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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von resin breath jeff » Di 18. Sep 2018, 12:07

Hast recht aber ich kanns mir schon vorstellen:
Modelprojekt wird zugestimmt für nächstes Jahr.
Modelprojekt Start verzögert sich nochmal um ein Jahr.
Eine Handvoll Bürger nehmen am Modelprojekt teil.
Nach 4 Jahren Modelprojekt sind die Ergebnisse noch nicht aussagekräftig genug, weitere 2 Jahre Modelprojekt.
Horrormeldungen Teilnehmer gibt Drogen weiter an andere Junkies.
Modelprojekt zeigt letztendlich auf dass Legalisierung nicht gut ist mittels Scheinargumenten.
Wir sind wieder am Anfang und haben 7 Jahre verloren.

Ich bin kein Fan von einem zugeworfenen Knochen der mich beruhigen soll.

Wir werden schon so lange veräppelt, ein Modelprojekt ist offensichtlich ein weiterer Witz. Wofür überhaupt Modellprojekte wenn es echte lebende Beispiele gibt?

Cookie
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Re: Öffnet sich die Union in Sachen Cannabis-Legalisierung?

Beitrag von Cookie » Di 18. Sep 2018, 12:50

Du hast ja recht... ich kann Dich verstehen. Die Horrormeldungen wären aber auch so denkbar ;).
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Martin Mainz
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von Martin Mainz » Do 20. Sep 2018, 22:22

Aufbauend aus den Meldungen zu SPD und CDU meldet sich nun auch die ABDA zu Wort:

ABDA: Apothekerschaft ist gegen eine Cannabis-Legalisierung

Dass es in Deutschland Modellprojekte geben könnte, in denen Apotheken zur Cannabis-Abgabestelle werden, ist durchaus denkbar. Schließlich erhöht derzeit nicht nur die SPD den Druck in dieser Sache, mit Erwin Rüddel (CDU) hat das auch erstmals ein Unionspolitiker gefordert. Was aber sagt die ABDA dazu? Wären die Apotheker bereit dafür? Auf Nachfrage von DAZ.online erklärt die Standesvertretung, dass sie gegen eine Legalisierung ist. Sollte es aber dazu kommen, will die ABDA zu einer Lösung beitragen.
...
"Derzeit wird öffentlich über die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken diskutiert. Aus fachlichen Gründen lehnt die Apothekerschaft unter Federführung der Bundesapothekerkammer die Legalisierung von Cannabis ab. Die politische Entscheidung muss allerdings gesellschaftlich getroffen werden. Falls es in Deutschland zu einem gesellschaftspolitischen Konsens kommen sollte, Cannabis für Genusszwecke zu legalisieren, dann würden die Apotheker zu einer Lösung beitragen, die den Besonderheiten von Cannabisprodukten unter Qualitäts- und Sicherheitsaspekten Rechnung trägt.“
...
Der Verbandschef äußerte zudem die folgenden Bedenken: „Man muss darüber nachdenken, ob uns Modellprojekte weiterhelfen oder ob nicht eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über die Legalisierung von Cannabis zielführender wäre. Was die Beteiligung der Apotheker betrifft, meine ich, dass man sich gut und gründlich überlegen sollte, ob Apotheken sich künftig von einer heilberuflichen Abgabe- und Beratungsstelle für Arzneimittel für kranke Menschen auch hin zu einer Abgabestelle für Genussmittel entwickeln sollen. Ich glaube das wäre der falsche Weg!“


Quelle: https://www.deutsche-apotheker-zeitung. ... /chapter:2
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resin breath jeff
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von resin breath jeff » Fr 21. Sep 2018, 09:11

Apothekenabgabe ist auf jeden Fall der falsche Weg. Die haben eigene Interessen wie den Verkauf von Produkten die mit Cannabis konkurrieren. Zudem kann ich mir vorstellen wie ihre "Lösung" eine "Rechnung trägt". :lol: Abgesehen davon gehören Genussmittel nicht in eine Apotheke sondern in den Supermarkt oder noch besser mit Alkohol und Tabak Fachgeschäfte.

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bushdoctor
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von bushdoctor » Sa 22. Sep 2018, 09:46

resin breath jeff hat geschrieben:
Fr 21. Sep 2018, 09:11
Abgesehen davon gehören Genussmittel nicht in eine Apotheke sondern in den Supermarkt oder noch besser mit Alkohol und Tabak Fachgeschäfte.
Hanf ist eine Pfanze... (Punkt)
Aufgrund der komplexen gesetzlichen Lage - auch ohne BtmG! - würde Hanf als "Naturprodukt" wohl in verschiedene Vertriebskanäle eingeordnet werden, falls man nicht spezielle Fachgeschäfte einführen möchte:
  • Nutzhanf (THC < 0,2%) wäre eine normaler Artikel und somit auch in Supermärkten erhältlich.
  • Bei Hanf mit hohem CBD-Gehalt wird irgendwann das Arzneimittelgesetz greifen und dieser wird dann vermutlich "apothekenpflichtig".
  • Hanf mit hohem THC-Gehalt fiehle dann auch zumindest erstmal unter die Apothekenpflicht... bei stärkeren Sorten sicherlich "rezeptpflichtig".
"Apothekenpflicht" heisst nicht, dass man ein Rezept vom Arzt braucht, sondern dass man es frei (aber nur in einer Apotheke) kaufen kann.

Cannabis IST nunmal ein Heilmittel und warum sollte man es nicht über die Apotheken vertreiben...? Zwischen den Jahren 1871 bis 1971 war das zumindest mal so bei uns in Deutschland.

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BUMMBUMM
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von BUMMBUMM » Fr 28. Sep 2018, 12:23

Zu den Apotheken:
@Bushdoktor du musst immer den direkten Vergleich suchen und nicht so abstrakt denken. Was hälst du denn von hochprozentigem Alkohol nur auf Rezept? Klingt schwachsinnig oder ^^

Also Mittel mit Potenzial zum Genuss haben nichts in ner Apotheke verloren, deswegen sind die ABDA auch gegen eine Legalisierung, weil jeder weitere Vertriebskanal würde Konkurrenz erzeugen. Langfristig bei höher werdenden Angebot und Fachgeschäften würde die Cannabis als Medizin Abgabe der Apotheken komplett wegfallen {*}. Cannabis ist kein Medikament, es ist Genussmittel mit medizinischer Wirkung, wie alle anderen Genussmittel auch! (Kaffe gegen Hypotonie, Zigaretten gegen ~Blutmangel?, Alkohol gegen Schüchternheit ^^).
Gibt es die anderen Genussmittel in der Apo, nein ausser vllt reiner Alkohol aber der is zu teuer zum saufen.
Gibt es Destillate und Reinformen der anderen Genussmittel in der Apo, ja Nikotinkaugummis, Koffein-Tabletten und eben den reinen Alkohol.

Also reines THC und CBD und Vollextrakte nur in der Apotheke? Absolut, aber der Rest hat da nix zu suchen.
Schon mal Niktoinkaugummis oder Koffeintabletten gekauft? Nun ich beides und wie Apotheker nun mal sind haltense einem dazu nen Vortrag über die gesundheitlichen Gefahren und Nebenwirkungen und dass es ja besser wäre wenn man diese Substanzen nicht konsumiert... Ätzend, das is wirklich kein Vortrag den ich jedes mal beim Gras kaufen hören will.


Zu einem Modellprojekt:
Ja auch ich vertrete die Meinung das Modellprojekte letztendlich nur die Legalisierung hinauszögern. Erst mal haben Modelle das systemische Problem nicht exakt die Realität abzubilden, sondern sie nur zu abstrahieren. Damit verliert jegliches Modell an Argumentationsaussagekraft. Der Modellversuch war nicht aufschlussreich genug? Wie wärs wenn man ihn dann länger macht oder einen besseren Modellversuch startet?
See where this is going? (Erkennst du in welche Richtung das läuft?)

Klar wenn man ein paar Grundlagen-Daten brauch dann is so ein Modellprojekt nicht verkehrt. Aber das ist beim Thema Cannabis Legalisierung überhaupt nicht der Fall. Die Grundlegenden Fakten sind alle bekannt:
  • Viele viele Leute konsumieren
  • viele viele Tonnen die der Schwarzmarkt ranschafft
  • und bugsieren so viele viele Euros am Fiskus vorbei
  • Prohibition ist Menschenunwürdig und teuer (bin gespannt auf die Zahlen im November https://cannabisnormal.de/ Die Konferenz)
  • Einfacher legaler Zugang erhöht kurzfristig die Konsumentenzahl *probier*, langfristig aber nur um die Substituierenden (Alkohol, Zigaretten und Härteres)
  • Vereinfacht Aufklärung, Prävention und verhindert Missbrauch bzw vereinfacht die Therapierung von missbräuchlichen Konsummustern aufgrund der geringeren Hemmschwelle
  • Mit zunehmender Verbreitung von THC-haltigen Lebensmittel steigt auch die Zahl der "Vergiftungen" daran {**}
  • Für den Straßenverkehr in Bezug auf Rauschfahrten ändert sich nichts, ausser dass weniger Leute ihren Führerschein verlieren wegen THC {***}
  • Es geht keiner mehr kaputt an Streckmittelscheiss und besser dosierbar wirds auch wenn man die Wirkstoffgehalte kennt {****}
  • und so weiter
Sooo nun stellen wir und mal vor, wir würden alle diese Fakten oder auch nur ein paar davon in einem Modellversuch verlässlich verifizieren und quantifizieren wollen. Wie müsste dann dieses Modell aussehen und welche monströsen Begleituntersuchungen müsste man dafür durchführen? ... ... ... Du ahnst es? Aufwand immens, kaum realisierbar, Aussagekraft bedingt.
So richtig durchführbar und verlässlich wird ein Modellversuch höchstens, wenn man sich auf ein einziges zu untersuchendes Thema beschränkt. Aber was wäre denn das wichtigste Thema das man vor einer Legalisierung elaborieren müsste? Mortalität? :lol:

Da ich jetzt die möglichen Schwächen von Modellen genannt habe, möchte ich hinzufügen, dass ich persönlich seeeehr vorsichtig bin wenn ein Legalisierungsgegner ein Modellprojekt vorschlägt. Denn alle Unzulänglichkeiten des Modells können letztendlich als Argument fürs Scheitern des Modellprojektes und gegen die Legalisierung verwendet werden. Getreu dem Motto, traue nur Statistiken die du selbst gefälscht hast.

Deswegen sage ich: lieber gleich aufs Ganze gehen und Legalisieren, dann hat man kein Modell mehr sondern Realität. Falls das dann nicht so gut laufen sollten, verschlimmbessern kann man immer, das tun die im Bundestag sowieso die ganze Zeit.

TLDR: Nein zu Modellprojekten :^P

hf BUMM

__________________________________________________________________________________
{*} Anderes Thema Legalisierung&Know-how-Ballung in Fachgeschäften ausserdem Unterschied zwischen Lebensmittelanbau und Medizinischem Anbau (Spoiler: Minimal ;>)

{**} Dümmliche Kleinkinder fressen Zigaretten und Kaffee und trinken Alkohol wenn der rumsteht, das mit dem Vergiften schaffen aber auch dümmliche Erwachsene. Die Gesellschaft oder der Gesetzgeber kann das letztendlich nicht ganz verhindern, da sind ausnahmsweise mal die Eltern gefragt :roll:

{***} Bei konstanten Konsumentenzahlen vor und nach der Legalisierung kann man auch von einer konstanten Zahl von Rauschfahrten ausgehen. Die "Fahren unter BTM-Einfluss"-Zahl ist in den vergangenen Jahren bloß aufgrund von vermehrten Kontrollen in diese Richtung gestiegen. Mit der Legalisierung muss dann auch endlich mal die THC-Rausch Klassifizierung angegangen werden. Einfach Grenzwert funktioniert nicht, bei THC klafft das individuell viel zu weit auseinander als das bei Alkohol der Fall ist. Mein Tipp wäre ja Dosis-Steigerungs-Tests mit gleichzeitiger Fahrprüfung, ob dann als Zusatzvermerk im FS oder als extra Befähigungszeugnis ka, würde jedenfalls den Safer-Use im Straßenverkehr befeuern, wenn jeder seine Grenze kennt. Is aber auch anderes Thema.

{****} auf ex 1 Liter 5vol% machbar, auf ex 1 Liter 40vol% *spei*
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bushdoctor
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von bushdoctor » Mo 1. Okt 2018, 13:54

BUMMBUMM hat geschrieben:
Fr 28. Sep 2018, 12:23
Zu den Apotheken:
@Bushdoktor du musst immer den direkten Vergleich suchen und nicht so abstrakt denken. Was hälst du denn von hochprozentigem Alkohol nur auf Rezept? Klingt schwachsinnig oder ^^
Alkohol steht ja auch nicht auf der Liste der Arzneimittel (Arzneimittelgesetz).

Cannabidiol ist dort seit Oktober 2017 als "rezeptpflichtig" aufgelistet und THC würde dann wohl bei einer "Legalisierung" ebenfalls dort aufgenommen werden...
THC ist - das kann drehen und wenden - zumindest ein "arzneimittelähnlicher Stoff".

Da heißt aber nicht, dass Hanf ausschließlich in der Apotheke verkauft werden sollte. Auch meiner Sicht ist es aber auch nicht unwahrscheinlich, dass die Apotheken ein Teil des (rezeptfreien) Vertriebsweges sein werden.

Für Hanf bräuchte es wirklich ein eigenes Gesetz, wie es z.B. die GRÜNEN vorgeschlagen haben ...

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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von BUMMBUMM » Mo 1. Okt 2018, 16:38

Diese Bevormundungskultur dass zu Sachen der Zugang erschwert wird nur weil sie ein höheres "Mißbrauchs-" Potenzial haben is Schwachsinn und davon sollte man sich im zuge der Legalisierung auch verabschieden.
Genau von diesem Standpunkt der Bevormundung aus, ist die Prohibition ja überhaupt erst entstanden.
Die Verantwortung über die eigene Gesundheit ist eine Freiheit die ich jedem Menschen zugestehen würde. Volksgesundheit am Arsch. (Wenn das ein Argument wäre, würde keiner Saufen und Rauchen dürfen)


Du kannst dich mit allem möglichen rezeptfreien aus der Apotheke vergiften, auch mit koffein-tabletten, es macht bloß nicht soviel Spass. Also wenn die Leute reines THC schnupfen wollen wieso nicht. Vergiftet man sich zumindest nicht so schnell mit.

Das etwas arzneimittelähnlich ist kannste von vielen Sachen sagen, ich finde einfach das Gesundheitssystem darf sich das Naturprodukt nicht monopolisieren und sagen: "ihr dürft damit jetzt nicht mehr ohne weiteres hantieren weil eeeh, steht auf ner Liste :P "

Das CBD auf dieser Liste steht ist schon ne Frechheit, das hat keinerlei schwerwiegende Nebenwirkungen, so als würde man Baldrian rezeptpflichtig machen -.-
Das dieses ganze Konzept fehlerhaft ist siehst du auch gut an dem Beispiel der Medikamente deren Rezeptpflicht vom Wirkstoffgehalt abhängig ist.
..."Wir haben fast jeden Tag einen Paracetamol-Fall", klagte der Leiter des Erfurter Giftnotrufzentrums, Helmut Hentschel, vor kurzem. Er spricht sich dafür aus, das Mittel komplett unter Rezeptpflicht zu stellen. Denn die Zahl der Überdosierungen habe sich seit Einführung der Teil-Rezeptpflicht von 2009 kaum verringert. Alle deutschen Giftnotrufzentralen zusammen registrieren jährlich etwa 4000 Dosisüberschreitungen. Ein Teil geht auf versuchte Selbsttötungen zurück, häufiger aber führt Unkenntnis zu versehentlichen Überdosierungen....
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ ... -1.1291725
...Der enorme Preisunterschied zwischen IBU 400mg und IBU 600mg hängt damit zusammen, dass es IBU 600mg nur auf Rezept gibt. Es ist verschreibungspflichtig. Aus diesem Grund wird davon ausgegangen, dass auch der Beratungsaufwand für den Apotheker höher ist. Das ist in diesem speziellen Fall aber Quatsch.

Der einzige Gewinner bei der verschreibungspflichtigen Variante ist die Apotheke....
http://www.implantate-berlin.de/warum-i ... -unsinnig/

Zusammengefasst Rezeptpflicht führt zu Vergiftungen weil aufgrund der geringeren Wirkstoffgehalte die Leute eher versucht sind nachzudosieren oder Bevormundung und die Apotheken verdienen mehr Geld.
Denk mal darüber nach, welchen Zweck du dir von einer Rezeptpflicht erhoffst...
Ich bleib jedenfalls dabei, Cannabis ist ein Naturprodukt und Genussmittel und sollte allen in allen Formen gegen Bezahlung zugänglich sein!(natürlich mit Ausnahme der Patienten und Minderjährigen)

Für ein eventuelles Modellprojekt würde dann auch gelten Regulierung ja, Einschränkung nein, gebt ihnen was sie wollen, soviel sie wollen und dann mal gucken wieviele sich vergiften. Das wären interessante Daten!
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andisoima
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Re: Sinn von Modellprojekten in Deutschland

Beitrag von andisoima » Mo 1. Okt 2018, 21:27

BUMMBUMM hat geschrieben:
Mo 1. Okt 2018, 16:38
Diese Bevormundungskultur dass zu Sachen der Zugang erschwert wird nur weil sie ein höheres "Mißbrauchs-" Potenzial haben is Schwachsinn und davon sollte man sich im zuge der Legalisierung auch verabschieden.
...
Ich bleib jedenfalls dabei, Cannabis ist ein Naturprodukt und Genussmittel und sollte allen in allen Formen gegen Bezahlung zugänglich sein!(natürlich mit Ausnahme der Patienten und Minderjährigen)
...
Volle Zustimmung.
Nur *gegen Bezahlung* moechte ich da raus nehmen und den Eigenanbau von mind. 5 Pflanzen dafuer einsetzen. Weil dann keine Benachteiligung durch fehlende Geld/Tauschmittel besteht.

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