Cannabis und Depressionen

Essener

Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Di 9. Sep 2014, 19:15

Moin.

Immer wieder lese ich, daß Cannabis unter anderem auch gut gegen Depressionen sei.

Daher mal ein paar Frage von meiner Seite an diejenigen, die genau das immer behaupten:

- Zum einen, wie kommt man darauf, daß dem so sei ?
- Seid Ihr eventuell selbst betroffen ?
- Wisst Ihr überhaupt, was wirklich ernstzunehmende Depressionen sind ?
- Wisst Ihr überhaupt, inwiefern sie sich äußern ?
- Wenn ja, habt Ihr Euch diese Diagnose auch mal ärztlich absegnen lassen ?
- Wenn ja, bekommt Ihr Medikamente, sprich Antidepressiva gegen Eure Beschwerden ?
- Wenn ja, wisst Ihr, was ein Antidepressivum, im Gegensatz zum Cannabis, im Gehirn bewirkt ?
- Wenn ja, warum seid Ihr dann der Meinung, Cannabis wäre ein guter Ersatz für Antidepressiva ?

Und so weiter, und so weiter …..

Über entsprechende Reaktionen von Euch würde ich mich sehr freuen. Bin seit fünfzehn Jahren mittlerweile nämlich selbst betroffen und weiß aus eigenen Erfahrungen nur zu genau, was es heißt, Cannabis zu sich zu nehmen, wenn man (ärztlich anerkannt(!)) an Depressionen erkrankt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Essener

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bushdoctor
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von bushdoctor » Di 9. Sep 2014, 20:31

Bin zwar nicht von "Depression" betroffen, kann aber zumindest der Seite cannabis-med.org unter "psychiatrische Symptome" folgendes entnehmen:
Wiederholt wurde in verschiedenen Studien als Nebeneffekt der Behandlung mit Dronabinol eine stimmungsaufhellende Wirkung bei reaktiver Depression beobachtet.
Dies lässt zumindest darauf schließen, dass es wissenschaftliche Belege für die von Dir wohl angezweifelte Behauptung, dass Cannabis bei Depression symptomverbessernd sein kann, gibt.

Mich würde aber DEIN Standpunkt zu diesem Thema interessieren...! Zwischen den Zeilen gelesen würde ich sagen, dass Du vollkommen anderer Meinung bist.

Für mich als Laien stellt sich der Zusammenhang relativ einfach dar: Anandamid als Endocannabinoid verstärkt "Glücksgefühle" und THC ist ein exogenes Mimetika von Anandamid... "Depressionen", die auf einen gestörten Anandamid -Stoffwechsel zurückzuführen sind, sollten sich also mit THC behandeln lassen.

Da wären wir aber schon bei der Definition von "Depression"... Wie immer bei "psychischen Erkrankungen" stochern die meisten Doktoren da im Dunkeln. Es ist sehr schwierig und oft Glückssache, da an den richtigen Arzt zu gelangen...

Fraagender
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Fraagender » Di 9. Sep 2014, 21:14

Nicht zu unterschätzen ist auch - welche "Sorte" man für Depressionen einsetzen würde.

Der Unterschied zwischen Indica und Sativa scheint von vielen als wichtig angesehen zu werden.

Während eine "Couch lock" Indica eher einfach nur sediert - ist eine "Up High" Sativa Sorte wohl besser für Depressionen geeignet.

Zumindest lese ich ständig von diesen Unterschieden.
Meine Beiträge sind rein informativ zu verstehen. Ich möchte niemanden zu keiner Zeit dazu auffordern gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Essener

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Mi 10. Sep 2014, 13:22

Hallo zusammen.

Ich will versuchen, es kurz zu machen.

Also, meine Fragen kommen deshalb auf, weil ich immer wieder feststellen muss, daß Nichtbetroffene immer glauben, Depressionen bestünden nur aus reinen Stimmungsschwankungen und mehr nicht. Und man bräuchte ihnen (den Betroffenen) nur Stimmungsaufhellende Substanzen zu verabreichen und alles ist gut.

Dem ist bei weitem nicht so. Wirkliche, ärztlich und medizinisch anerkannte Depressionen beinhalten auch jede Menge physische Beschwerden, wie zum Beispiel auch ständige und schwere, physische Erschöpfungszustände, um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Wer also zum Beispiel 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Stück, körperlich immer nur erschöpft ist, ohne, daß diesem Erschöpfungszustand ein bestimmter, oder überhaupt irgendein Grund vorangegangen ist, wird erkrankt sein. Meist entweder am Burnout, oder aber an Depressionen. Beide Krankheiten beinhalten ein und die selben Symptome. Sie nennen sich nur unterschiedlich.

Stellt Euch vor, Ihr seid 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Stück, körperlich so erschöpft, daß Ihr es noch nicht einmal mehr auf die Reihe bekommt, läppische vier Kilometer zu laufen, sprich einkaufen zu gehen, Freunde zu besuchen, Amtstermine warzunehmen, und so weiter, und so weiter. Auf Grund dieses Dauererschöpfungszustandes, der einfach nicht zu ertragen ist, ist das halbe, bis dreiviertel Leben lahmgelegt. Und das ist weiß Gott nicht schön.

Mit Cannabis gegen die verschiedensten psychischen und physischen Symptome vorgehen zu wollen, die von Depressionen ausgehen, halte ich für komplett falsch. Denn erfahrungsgemäß ist es so, daß Cannabis die entsprechenden Symptome verstärkt, nicht aber lindert. Da kann das „Material“ noch so gut sein, wie es will. Ob hoher oder niedriger THC/CBD-Gehalt, ob eher aufmunternde, oder ermüdende Wirkung hervorgerufen wird. Das ist dabei vollkommen egal.

Wenn jemanden unbegründete Schuldgefühle plagen, oder jemand aus seinem Gedankenchaos nicht mehr herauskommt und nur noch von Dauererschöpfung die Rede ist, so sind das alles Symptome, die sich mit Cannabis nicht beheben lassen, sondern verschlimmern. Und unbegründete Schuldgefühle und ein ebensolches Gedankenchaos, sowie schwere Erschöpfungszustände sind unter anderem vollkommen normale Symptome einer Depression.

Wer nur dann und wann mal schlechte Laune hat, oder einfach nur mal eine gewisse Zeit schlecht drauf ist, sollte anerkennen, daß das jeder mal hat und nicht gleich von Depressionen sprechen, die er/sie mit Cannabis behandeln möchte. Wer dennoch Zweifel hat, nicht doch an echten Depressionen erkrankt zu sein, sollte gefälligst sofort einen Arzt aufsuchen und es vorerst einmal mit der weitaus harmloseren Droge Namens Johanniskraut versuchen. Aber mit dem Johanniskraut aus der Apotheke, nicht aus dem Supermarkt. Denn das Johanniskraut aus dem Supermarkt ist nicht hoch genug dosiert.

Und so weiter, und so weiter …..

Sabine
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Sabine » Mi 10. Sep 2014, 13:56

Hast Du jetzt schon Cannabis gegen deine Depressionen ausprobiert oder sind das nur zusammen gesammelte Informationen ?

Und Obacht mit Johanniskraut, so ohne ist das nicht !!! Nicht unbedingt die Nebenwirkungen (z.B. die berühmt-berüchtigte Sonnensensibilität), sondern die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten :

http://gesundheit-zahlen-daten-fakten.b ... kraut.html

sind im unteren Bereich zu finden

Essener

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Mi 10. Sep 2014, 16:21

Hallo Aurora.

Nein, das sind keine gesammelten Informationen, sondern eigene Erfahrungen. Schließlich habe ich bis vor knapp sechs Jahren selber noch recht viel Haschisch und Marihuana geraucht. Und das über Jahre hinweg.

Was das Johanniskraut anbelangt, jedes Mittel, das eine Wirkung auf den menschlichen Körper ausübt, hat auch Nebenwirkungen. So zum Beispiel die von Dir erwähnte Sonnensensibilität, oder die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten, wobei das Johanniskraut die Wirkung der anderen Medikamente aufhebt. Das ist aber vollkommen normal und verhält sich bei anderen Medikamenten nicht anders.

Ich persönlich habe noch nie Johanniskraut genommen, da es für meine persönlichen Bedürfnisse nicht ausreicht. Habe es auch nur für Personen empfohlen, die mal hier und mal da eine schlechte Phase haben, aber mehr nicht. Was die Medikation bezüglich der Depressionen im allgemeinen anbelangt, sollte diese natürlich unbedingt mit dem Arzt abgesprochen werden, ist schon klar.

Gehörst Du denn auch zu denjenigen, die der Meinung sind, Cannabis sei gut gegen Depressionen ?
Und bist Du vielleicht auch selbst betroffen ?

Grüße

Sabine
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Sabine » Mi 10. Sep 2014, 17:19

Hi !

Nee, Depressionen hab ich nicht, mir langt mein Krebs :mrgreen: und alle anderen damit verbundenen körperlichen Auswirkungen/Krankheiten.

Wenn ich aber auf meine jugendlichen Erfahrungen mit Cannabis von vor über 30 Jahren zurückblicke, muss ich schon sagen, das Du nicht ganz unrecht hast. Kann mich vage erinnern, das, wenn ich eh schon schlecht drauf war, ein Joint diese Gefühle eher verstärkt hat.
Wie die Wirkungsmechnismen/die Chemie im Körper bei einer echten Depression bei Gebrauch von Cannabis verlaufen, kann ich als Laie nicht beurteilen. Das mag wie bei so vielen Dingen auch, von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.

Ich würde Cannabis als Mittel nicht gleich verurteilen, es kann gut sein, das es auch hilft.
Das ist ja mit anderen Medikamenten nicht anders... lebe seit 6 Jahren mit dem System Try and Error.Wobei ich sagen muss, meine Ärzte schiessen nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen, sondern eine gute Lebensqualität ist für sie genauso wichtig wie richtig eingesetzte Medikamente !

Essener

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Mi 10. Sep 2014, 18:56

Hi Aurora. Ja, was den Krebs anbelangt, da kann ich wiederum nicht mitreden. Außer, daß ich auf rein theoretischer Ebene weiß, daß das THC wohl tumorzerstörende Auswirkungen haben soll. Das ist zumindest das, was ich von dem Gelesenen noch in Erinnerung habe.

Verurteilen tue ich das Cannabis übrigens keines Wegs. Ich mag dieses göttliche Kraut. Auch wenn ich es schon lange nicht mehr zu mir nehme. Ich sage nur, daß es bezogen auf ECHTE Depressionen die falsche Medikation ist und daß man bei leichten Stimmungsschwankungen -sofern sie denn von Dauer sind- auch mit milderen Mitteln auskommen kann, anstatt sich direkt mittels Cannabis zuzudröhnen und zu glauben, jetzt wird alles gut.

Ich habe dieses Thema hier eigentlich auch nur mal angeschnitten, weil ich mittlerweile einfach nur noch Bluthochdruck bekomme, wenn ich lese, daß da irgendwer -wer auch immer- schreibt, mit Cannabis könne man erfolgreich Depressionen behandeln. Und es werden immer mehr, die von diesem angeblichen Phänomen berichten. Aber eben nur oberflächlich.

Auf Grund meiner Erkrankung habe ich schon so diverse Menschen mit Depressionen kennen gelernt. Und keiner dieser Leute kommt, im Zusammenhang mit seiner depressiven Erkrankung, auf Cannabis klar. Sofern sie denn mit Cannabis in Kontakt stehen, oder standen. Und so verhält es sich auch bei mir.

Diejenigen, die ständig davon berichten, daß Cannabis bei Depressionen helfen würde, beziehen sich immer nur auf die rein psychische Ebene dieser Erkrankung, wissen aber nicht, daß sie zu einem sehr großen Teil auch aus körperlichen Beschwerden besteht, von denen nie etwas erwähnt wird. Wie auch, wenn sie es nicht wissen.

Sprich es gibt nicht nur eine psychische, sondern auch eine physische Depressivität. Beide greifen ineinander und lassen sich mittels einer Selbstmedikation mit Cannabis nicht beseitigen.

Und so weiter, und so weiter …..

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overturn
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von overturn » Mi 10. Sep 2014, 23:35

Hallo, Essener!

Oftmals beziehen sich Befürworter speziell auf eine bipolare Störung. Ob etwas die "richtige" Medikation ist, sollte dabei letztendlich Entscheidung und Bewertung des einzelnen Konsumenten, und keine Sache von Fremdzuschreibungen sein. Dass Cannabis unter Umständen für einige Personen mit einer Depression hilfreich sein könnte, würde ich zumindest nicht komplett ausschließen wollen. Die zunehmende Darstellung als "Allheilmittel" sehe ich jedoch selbst eher kritisch, unabhängig davon, um welche Krankheit es sich im Einzelfall genau handelt.

Beste Grüße!
"Never doubt that a small group of thoughtful, committed citizens can change the world. Indeed, it is the only thing that ever has."

Essener

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Do 11. Sep 2014, 11:05

Hallo Leute.

Nun gut, belassen wir es dabei, daß jeder für sich selbst entscheiden muss, welche Medikation die beste für ihn/sie ist. Ich wollte dieses Thema auch nur mal angekratzt haben, da ich mittlerweile einfach nur noch zuviel kriege, wenn ich solche Behauptungen lese.

Also, möge sich jeder, der an Depressionen bzw. am Burnout erkrankt ist sein eigenes Urteil bilden, seine eigenen Erfahrungen mit Cannabis und diesen Erkrankungen machen und seine Konsequenzen daraus ziehen, solang er/sie es möchte.

In diesem Sinne mit hanfigen Grüßen vom Essener :D

(Ich stelle immer wieder fest, daß ich mir einen total bescheuerten Namen hier für das Forum zugelegt habe. Aber egal …..)

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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von crappy » Fr 19. Sep 2014, 03:41

Hallo Essener,

ich hab mich jetzt mal registriert da ich selber betroffen bin und zu diesem Thema etwas beitragen möchte.

Ich leide selber seit etlichen Jahren unter schweren Depressionen gepaart mit PTBS, Dysthymie, Double Depressions usw... Das gab dann einen Schwerbehindertenausweis mit einem GDB von 100 und eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Ich bin also nicht nur "schlecht drauf".

Ein Hauptmerkmal dieser Erkrankungen wird auf einen Mangel diverser Neurotransmitter im Synatptischen Spalt zurückgeführt. Serotonin, Noradrenalin, Histamin, Dopamin etc..

Nun bin ich nicht gerade ein Mensch der Ahnung hat wie man sich Cannabis besorgt. Ok, ich könte nach Holland fahren. Ist mir derzeit krankheitsbedingt nicht wirklich möglich und illegal ist auch nicht mein Ding.

Das ist aber auch gar nicht das Thema. Was ich erzählen wollte ist das ich vor ca. 2 Jahren eine Nachbarin hatte die "Kiffer" war. Ich habe damals einen Selbstversuch gemacht und über einen Zeitraum von ca. 4 Monaten habe ich wieder sowas wie Lust am Leben gespürt. Ich konnte wieder unter Menschen gehen ohne das ich Hyperventiliert habe! Das war eine deutliche Verbesserung meines Lebens.

Falls deine Depression erst durch den Konsum von Cannabis eingetreten ist bzw. beeinflusst kann dir das natürlich nicht helfen. In dem Fall würde ich ein SSRI ausprobieren welches den Serotoninspiegel und nicht den Dopaminspiegel beeinflusst. Mir hat Cannabis jedenfalls sehr geholfen bzw die Wirkung auf die Dopaminkonzentration im Synapsenspalt.

Essener

Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Essener » Fr 19. Sep 2014, 10:11

Hallo Crappy.

Nein, meine Depression ist nicht DURCH den Cannabiskonsum entstanden, sondern hat ganz andere Gründe. Aber ich werde einen Teufel tun, diese hier öffentlich Preis zu geben. Freut mich aber zu lesen, daß es Dir zu helfen scheint. :D

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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Sibannac » Sa 30. Apr 2016, 23:27

Hallo,

Depression ist nicht gleich Depression, deshalb muss man den Einzelfall prüfen damit man über den Nutzen von Cannabis als Medikament urteilen kann.
Ich leide an einer emotional instabilen Persönlichkeitsakzentuierung und Depressionen.
Ich habe nun schon alle für mich möglichen Substanzgruppen an üblichen Antidepressiva durch und habe bei allen das Problem, dass der erhöhte Blutspiegel von Nonadrenalin und Seretonin eine Stressreaktion auslöst und so meine Anspannungsproblematik, die von der emotinal instabilen Persönlichkeitsakzentuierung verursacht wird, verstärkt.
Ich bin gerade dabei eine Ausnahmegenemigung durchzuboxen, da leglich Cannabis eine Minderung meiner Depression, sowie auch meiner Anspannungsproblematik ermöglichte.
Natürlich kann man nicht jedem depressiven Patienten leichtsinnig empfehlen eine Cannabistherapie zu beginnen. Patienten mit psychotischen Anteilen ist von Cannabiskonsum strengstens abzuraten.
Leider ist der Fachbereich der Psychiatrie sehr voreingenommen zum Thema Cannabis als Medizin, was zu einer Entschleunigung der Studienlage führt.
Fakt ist aber, dass eine psychoaktive Substanz mit einer solch guten Verträglichkeit ,ein weites Einsatzspektrum in der Psychiatrie finden könnte.

Liebe Grüße,

Sibannac

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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von bushdoctor » Mo 27. Jun 2016, 21:12

naturepraxis hat geschrieben:Ich habe das Original Rick Simpson unter behördlicher Beobachtung hergestellt und arbeite an einer Studie in Zusammenarbeit mit der Universität in Köln.
Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen...

...ausserdem "stört" mich der Werbecharakter dieses Beitrags, der noch dazu in fünf wortgleichen Beiträgen hier im Medizinbereich des Forums gleichzeitig gepostet wurde.

Ich rate jedem, der Kontakt mit "naturepraxis" aufnehmen möchte, zur Vorsicht.

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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Ernst Berlin » Di 28. Jun 2016, 09:58

Noch dazu findet man auf der Homepage der Kölner Uni zwar Berichte über Cannabis, aber kein einziger zu RSO oder in zusammenhang mit Krebs. Ich glaube dir naturepraxis kein Wort.
Privat Sponsor des DHV seit 06.10.2009... Wann machst du mit? :D

Zelter
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Zelter » Do 30. Jun 2016, 16:01

Eine alte Geschichte, das mit Canabis und Depression bzw. deren Bekämpfung. Bis jetzt noch nicht bewiesen. Es gibt immer neue Vorschläge dazu, wie man Depression bekämpfen soll, bis jetzt wagt es aber keine Studie zu behaupten, das Canabis bei Depri-Bekämpfung nützlich sei. Inzwischen verspricht man sich Wundewr von anderen Mitteln, das Netz ist voll damit.

Testschreiber
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Testschreiber » Do 30. Jun 2016, 20:31

Also ich kann schon behaupten, dass cannabis gegen Depressionen hilft. Ich hatte selbst starke depressionen, welche nach dem Konsumeindeutig weg gingen. Dadurch haben sich die Depressionen insgesamt reduziert. Ich möchte jetzt nicht sagen, dass das bei jedem der Fall ist, aber bei mir 100% schon.

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overturn
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von overturn » Sa 2. Jul 2016, 01:15

Hier möchte ich gerne auch auf "Das erschöpfte Selbst" (2008) vom französischen Soziologen Alain Ehrenberg hinweisen, der dort die (bzw. eine) Geschichte der "Depression" und die Erfindung der Psychopharmaka skizziert (s. auch Moncrieff 2008: The Myth of the Chemical Cure).

Es ist unbestritten, dass Menschen mit sog. "psychischen Erkrankungen" vermehrt einen Substanzkonsum aufweisen - derart, dass man nicht mehr von einem bloßen Zufall sprechen möchte (die bekannte [statistische] Signifikanz). Hier lässt sich meines Erachtens aus der gegenwärtigen Forschungslage recht deutlich ableiten, dass gerade im Beispiel Cannabis und "Depressionen" größtenteils eine sog. "Selektions-", bzw. "Selbstmedikationshypothese" greift.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von wiseguy77192 » Mo 4. Jul 2016, 21:21

Ich weiß, ich weiß, es ist ein 2 Jahre alte Thema. Dennoch gebe ich als betroffenen mein Senf dazu. Mich plagt PTBS gekoppelt mit Depressionen und auch noch ein lang zurück liegenden (20 Jahre her) Kokainabhängigkeit. Ja Cannabis hilft, jedenfalls mehr als die Pharma-Mist der in meinem Fall alles schlimmer machte! Suizidgedanken kammen bei mir erst mit SSRIs und SNRIs. Darüberhinaus haben diesen Medikamente der Verlangen noch kokain und Amphetamine, trotz der Tatsache das ich sie seit mehr als 20 Jahre nicht angefasst habe, der Art verstärkt das es mir nahe zu in dem Wahnsinn trieb. Cannabis hat mein arsch buchstäblich vor dem Rückfall und dem selbstmord gerettet. Aber! Wichtig ist sowohl der Sorte als auch der Dosis. Die meisten Indicas sind kontraproduktiv aber nicht jede Sativa ist effektiv. Hört bitte auf Cannabis nur als THC Träger zu betrachten, es ist weit mehr als nur THC. Bei Cannabis macht der Mischung der Medizin. Suche noch Sorten mit ein Hohe limonene anteil aber wenig CBN. Schaut in die Amerikanische Datenbanken leafly und cannasos noch geeignete Sorten. Amnesia Haze, Jack herer, Lemon Haze sind alle drei bei PTBS und Depressionen Lebensretter. Für die Nacht kann ich K-Train empfehlen. Auch die Dosis beachten! 1-3 Zug von ein vaporiser reichen völlig. Fängt langsam an. Wenn ein Zug nach 20 Minuten nicht reicht nimm ein 2te. Dann nochmal 20 Minuten warten. Cannabis besteht aus viel mehr als nur THC und es wird Zeit das auch in Deutschland die anderen cannabinoiden und terpenen gewürdigt werden.

Zelter
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Zelter » Do 11. Aug 2016, 13:37

Ich würde gerne das Thema hier noch mal aufgreifen. Die derzeitige Forschung mit Wirkstoffen aus Cannabis ist hauptsächlich auf die Linderung von Schmerzen, Entzündungen, Krebsleiden und Appetitlosigkeit sowie Schizophrenie (CBD) konzentriert.

CBD entkoppelt von anderen Wirkstoffen wie THC könnte eventuell auch bei Depressionen bzw. Ängsten und Panickattacken von Interesse sein. Die Forschung ist aber bisher wirklich stark auf das Tiermodel beschränkt. Dabei wirkt CBD wahrscheinlich über den 5-HT1A Serotoninrezeptor und induziert eine anxiolytische (angstlösende), antidepressive und anti-anhedonische Wirkung.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023732
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26711860

Ich würde aber nicht unbedingt behaupten, dass Cannabis (nicht pures CBD) an sich wirklich das optimale Mittel der Wahl wäre um beispielsweise einer depressivbedingten Motivationslosigkeit, Müdigkeit und Unlust entgegenzuwirken. Ich habe gelesen, dass manche CBD sehr gerne mit 5-HTP verwenden als Alternativbehandlung, aber auch hier ist die Forschungslage nicht gerade pro 5-HTP bzw. die Beweislage bewegt sich auf recht dünnem Eis von einer einzigen Studie:
https://www.inutro.com/hydroxytryptophan-5-htp

Außerdem sollte man bedenken, dass die derzeitige Konzentration in der Forschung andere Signalwege als die Cannabinoid Rezeptoren aufgreift, vor allem den überaktiven NMDA-Rezeptor Weg, der wiederum vom Medikament (und Droge) Ketamin unterdrückt wird, welches im Gegensatz zu Cannabis bereits mehrere klinische Studien hinter sich hat und seine Wirksamkeit deutlicher bewiesen hat.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27489070

Selbst der Wirkstoff Psilocybin aus den Magic Mushrooms wird derzeit für diese Zwecke untersucht, da es angstlösend und antidepressiv über den 5HT2A Serotoninrezeptor wirkt. Kürzlich kam eine Studie raus mit Menschen, die lange an schweren Depressionen leiden und sozusagen als behandlungsresistent gelten, hier erzielte eine einzige Behandlung gepaart mit psychologischer Behandlung bereits eine positive Antwort:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27210031

Auch hier liegt wieder mehr klinische Forschung als mit Cannabis vor. Dank der gesetzlichen Beschränkungen und Regularien werden aber gerade diese Wirkstoffe mal wieder schwer haben Fuß zu fassen, es sei denn jemand macht es wieder patentierbar etc. :!: Was ich nur sagen will: Ich möchte nicht die persönlichen und positiven Erfahrungen jener niedermachen, die mit Cannabis bei Depressionen Erfolge erzielt haben, doch ich glaube dass wahrscheinlich andere Wirkstoffe interessanter sind, jedoch auch noch durch mehr Forschung belegt werden müssen.

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