Cannabis und Depressionen

Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion » Sa 3. Nov 2018, 10:20

Ja, mal sehen wie es weitergeht. Grundsätzlich habe ich kein Problem, Cannabis zu verordnen. Ich tue das zu 90% für die Schmerztherapie.
Wenn ein Patient mit entsprechender Empfehlung eines behandelnden Psychologen/Psychiater kommt, würde ich das auch bei Depression tun mit entsprechenden umfangreicher Aufklärung über die Risiken.
In der Praxis ist es leider so, dass die Patienten grade bei Psychischen Erkrankungen oder ADHS erstmal selbst ausprobieren und dann mit recht fordernder Haltung zu mir kommen - ohne Befunde von Psychiatern, Neurologen oder ähnliches. Da tue ich mich sehr schwer. Aus Sicht des Arztes weiss ich dann auch nicht, was da noch alles eventuell im Spiel ist und wenn ich dann was verordne und Komplikationen auftreten, wäre das für mich sehr unangenehm.

Vom daher kann man nur empfehlen: wenn jemand von einem Arzt Cannabis möchte, sollte er sie in den sauren Apfel beißen und sich dem "folgsam" unterordnen, sonst wird jeder Arzt schnell die Finger davon lassen. Vorherige Beiträge in dieser Diskussion haben ja schon deutlich gezeigt, wie schnell man da massiven Gegenwind bekommt vom Leuten die sofort sagen: Der Arzt hat eh Keine Ahnung, es geht nur ums Geld und ich weiss es eh besser.
So kann man keine verantwortliche Arzt-Patienten-Beziehung aufbauen. Da ziehe ich mich als Arzt zurück - und oft merkt man das eben schnell bereits im ersten Gespräch, in Welche Richtung das ganze geht.

Gerion
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Gerion » Sa 3. Nov 2018, 10:25

Ps.: Dazu eine Anekdote aus der Praxis: Ich habe einer Patientin Cannabis verordnet und ein sehr behutsames Schema für die Eindosierung mitgegeben - tue ich immer. Am nächsten Morgen macht die Patientin Alarm, weil es ihr richtig schlecht geht - massive Nebenwirkungen. Auch die Hausärztin wird in Alarmbereitschaft versetzt und ruft mich ebenfalls mehrfach an. Es war Samstag. Am Ende kommt heraus, dass die Patientin - weil sie es ja besser weiss - nicht an mein Schema gehalten hat und fast das doppelte von dem genommen hat, was ich ihr empfohlen hatte. Tja, wie geht man mit sowas um? Ich habe ja immer noch eine Verantwortung für das ganze und kann nicht sagen - tja, Pech gehabt....jedenfalls tue ich das nicht, sondern muss dann viel zeit investieren, um das ganze wieder in normale Bahnen zu lenken. U
Spannend ist: Bei einer Blutdrucktablette würde niemand auf die Idee kommen, einfach mal das doppelte zu nehmen....

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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf » Sa 3. Nov 2018, 10:48

Gerion hat geschrieben:
Sa 3. Nov 2018, 10:25
(...)
Spannend ist: Bei einer Blutdrucktablette würde niemand auf die Idee kommen, einfach mal das doppelte zu nehmen....
Bist du dir sicher?

Und besser wäre es die Sache mit bspw. Schmerztabletten zu vergleichen:
Da bin ich mir ziemlich sicher, dass bspw. Paracetamol öfters schon überdosiert worden ist, bewusst oder unbewusst, wie die Todesfälle in England zeigen.

Und ja, es ist doof sich nicht an die Empfehlungen des Arztes zu halten, zumindest wenn man verordnete Dosis überschreiten will.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von mad » Sa 3. Nov 2018, 12:45

Der Vorteil bei einer Überdosierung von Cannabis ist, dass es normalerweise nicht langfristig schädlich ist. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass manche dann gerne noch etwas mehr probieren. Das passiert allerdings häufiger bei Sativex und co; also bei Cannabis, welches nicht verdampft / geraucht wird. Die Wirkung tritt hier nämlich stark verzögert ein, sodass man vielleicht nach 30 Minuten denkt: ach, wirkt ja gar nicht! Und dann nimmt man halt noch mal die gleiche oder doppelte Menge zusätzlich. Und dann muss man nur 1,5 Stunden warten, bis man es heftigst merkt. Bei mir ist es so, dass mein Körper mir beim Verdampfen klar zu verstehen gibt: es reicht. Das Verdampfen dauert ja auch eine gewisse Zeit; eine Überdosierung ist hier kaum möglich. Man würde schon während des Verdampfens so starke Nebenwirkungen haben, dass man automatisch aufhört.

Aus diesem Grund halte ich auch nichts von den Fertigarzneimitteln. Die Dosierung über das eigene Körpergefühlt ist einfach nicht möglich.

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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf » Sa 3. Nov 2018, 18:19

mad hat geschrieben:
Sa 3. Nov 2018, 12:45
Der Vorteil bei einer Überdosierung von Cannabis ist, dass es normalerweise nicht langfristig schädlich ist. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass manche dann gerne noch etwas mehr probieren. Das passiert allerdings häufiger bei Sativex und co; also bei Cannabis, welches nicht verdampft / geraucht wird. Die Wirkung tritt hier nämlich stark verzögert ein, sodass man vielleicht nach 30 Minuten denkt: ach, wirkt ja gar nicht! Und dann nimmt man halt noch mal die gleiche oder doppelte Menge zusätzlich. Und dann muss man nur 1,5 Stunden warten, bis man es heftigst merkt. Bei mir ist es so, dass mein Körper mir beim Verdampfen klar zu verstehen gibt: es reicht. Das Verdampfen dauert ja auch eine gewisse Zeit; eine Überdosierung ist hier kaum möglich. Man würde schon während des Verdampfens so starke Nebenwirkungen haben, dass man automatisch aufhört.

Aus diesem Grund halte ich auch nichts von den Fertigarzneimitteln. Die Dosierung über das eigene Körpergefühlt ist einfach nicht möglich.
Das mit Sativex finde ich interessant. Ich würde nie auf die Idee kommen davon mehr nehmen zu wollen als vom Arzt verschrieben. Das schmeckt ekelig, macht einen dauerfaulen Geschmack im Mund und ist für mich schwierig zu dosieren. Wenn man so wie von dir beschrieben Blüten zu sich nimmt, komme ich so gut wie nie in irgendwelche Überdosierungen. Ich hätte kein Problem damit Tabletten zu mir zu nehmen, aber die Dosierbarkeit ist echt schwierig.
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Re: Pedanios 22-1 / 4 Dosen geöffnet je 0,2 Gramm weniger! Video

Beitrag von Lisa8686 » Mo 19. Nov 2018, 08:17

Hallo erstmal, bin neu hier und freue mich, dass es dieses Forum gibt.
Zu meiner Problematik, ich leider seit ca.4 Jahren an Depressionen, seit ca. 1Jahr auch wirklich schlimm..bekomme Antidepressiva verschrieben..ich habe schon vor einiger Zeit von einem Leidensgenossen gehört, dass er Abtidepressiva abgesetzt und stattdessen auf Pedanius 22/1 Medizinisches Marijuana ungestiegen sei und nur positives davon berichten kann..gerade im Hinblick auf Nebenwirkungen sei dies die deutlich bessere Wahl..mein Arzt will mir jedoch partou kein Pedanius verschreiben wegen Suchtgefahr und weil es eher bei chronischen Schmerzen bzw deren Linderung eingesetzt wird. Kurz und knapp..ich würde gerne über diesen Weg an Pedanius kommen..kann mir hier jmd weiterhelfen? Gerne auch Pm an lisa8686@ok.de
Lg aus Berlin, Lisa

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Martin Mainz
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Re: Pedanios 22-1 / 4 Dosen geöffnet je 0,2 Gramm weniger! Video

Beitrag von Martin Mainz » Mo 19. Nov 2018, 12:52

Lisa8686 hat geschrieben:
Mo 19. Nov 2018, 08:17
...ich würde gerne über diesen Weg an Pedanius kommen..kann mir hier jmd weiterhelfen?
Hallo Lisa und willkommen im Forum!

Was meinst Du denn "über diesen Weg"? Über das Forum kannst Du leider kein Cannabis beziehen.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Lisa8686 » Mo 19. Nov 2018, 15:33

Das mir hier jmd vllt sagen kann wo ich ein Rezept dafür bekomme, weil ich möchte kein Marijuana von der Strasse oder sonstwo beziehen..es muss schon medizintechnisch einwandrei sein..sber anscheinend wird es bei Depressionen nicht verwendet..zumindest in Berlin nicht..meine Frage ist, wie ich an ein Rezept komme ob wer einen guten Arzt kennt der Depressionen statt mit Antidepressiva mit med Marijuana behandelt.

Umbrella-Man
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Umbrella-Man » Mo 19. Nov 2018, 15:49

Hey - natürlich wird es gegen Depressionen genommen/verschrieben WENN es hilft.

Das ist Arztsache - und wenn der Arzt es abtut mit "das wird normalerweise bei Schmerzen verschrieben" - dann erzählt er einfach die Halbwahrheit. Mag sein dass es bisher relativ oft gegen Schmerzen verschrieben wurde und nicht so häufig bei Depressionen - das hat ja aber nichts damit zu tun - dass es nicht auch bei Depressionen eingesetzt werden kann.

CannabisPatient123
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von CannabisPatient123 » Mo 19. Nov 2018, 16:37

Cannabis nur bei Depressionen zu bekommen, zu mindest hier in DE ist sehr sehr schwer/unwarscheinlich.

Und ich finde auch Cannabis hilft nicht bei wirklich schweren Depressionen. Ich selbst leider nämlich schon lange an schweren Depressionen und habe diese Zustände so gut wie jeden Tag.
Wenn ich in diesen down Zuständen etwas konsumiere, wird es zu 95% nur noch schlimmer. Der Grund dafür ist ganz einfach, Cannabis verstärkt die aktuellen Gefühle und Sinne.
Glaubt mir, wenn ihr gerade ne richtige down Phase habt wollt ihr kein Gras rauchen.

Was ich damit sagen will, wenn ihr "nur" das Problem Depressionen habt und wollt was haben was euch dagegen hilft ist Cannabis in akuten Zuständen keine Hilfe.

Trotzdessen konsumiere ich täglich, aber nur wenn es mir von der psyche her gut geht. Ihr könnt es ja einfach mal testen. Ich wollte es am Anfang auch nicht wahr haben, aber leider ist es so.

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Hans Dampf
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Hans Dampf » Mo 19. Nov 2018, 16:59

CannabisPatient123 hat geschrieben:
Mo 19. Nov 2018, 16:37
Cannabis nur bei Depressionen zu bekommen, zu mindest hier in DE ist sehr sehr schwer/unwarscheinlich.

Und ich finde auch Cannabis hilft nicht bei wirklich schweren Depressionen. Ich selbst leider nämlich schon lange an schweren Depressionen und habe diese Zustände so gut wie jeden Tag.
Wenn ich in diesen down Zuständen etwas konsumiere, wird es zu 95% nur noch schlimmer. Der Grund dafür ist ganz einfach, Cannabis verstärkt die aktuellen Gefühle und Sinne.
Glaubt mir, wenn ihr gerade ne richtige down Phase habt wollt ihr kein Gras rauchen.

Was ich damit sagen will, wenn ihr "nur" das Problem Depressionen habt und wollt was haben was euch dagegen hilft ist Cannabis in akuten Zuständen keine Hilfe.

Trotzdessen konsumiere ich täglich, aber nur wenn es mir von der psyche her gut geht. Ihr könnt es ja einfach mal testen. Ich wollte es am Anfang auch nicht wahr haben, aber leider ist es so.
Ist bei mir anders. Ich komme eigentlich seitdem ich durchgängig mit Cannabis therapiert werde, kaum mehr in eine echte Depression. Mache allerdings auch vieles, was auch gegen Depressionen helfen kann (Sport, Vitamin D, etc.), zusätzlich. Arbeite viel an mir um die Ursachen der Depris zu ergründen und lösen.
Persönlich glaube ich eh, das zumindest in meinem Fall die Depris immer eher ein Hinweis waren, etwas im Leben zu ändern.

Deswegen wäre ich sehr vorsichtig irgendetwas zum Thema Depressionen zu Verallgemeinern. Das ist hoch individuell vom Typ und Krankheitsbild abhängig.

Fazit: Cannabis kann sehr wohl helfen (bei manchen) oder auch nicht (bei anderen) oder sogar kontrainduziert sein (bei ganz anderen). Es kommt mMn noch mehr auf das Individuum an als eh schon sonst bei Cannabispatienten.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von CannabisPatient123 » Mo 19. Nov 2018, 17:04

Hans Dampf hat geschrieben:
Mo 19. Nov 2018, 16:59
CannabisPatient123 hat geschrieben:
Mo 19. Nov 2018, 16:37
Cannabis nur bei Depressionen zu bekommen, zu mindest hier in DE ist sehr sehr schwer/unwarscheinlich.

Und ich finde auch Cannabis hilft nicht bei wirklich schweren Depressionen. Ich selbst leider nämlich schon lange an schweren Depressionen und habe diese Zustände so gut wie jeden Tag.
Wenn ich in diesen down Zuständen etwas konsumiere, wird es zu 95% nur noch schlimmer. Der Grund dafür ist ganz einfach, Cannabis verstärkt die aktuellen Gefühle und Sinne.
Glaubt mir, wenn ihr gerade ne richtige down Phase habt wollt ihr kein Gras rauchen.

Was ich damit sagen will, wenn ihr "nur" das Problem Depressionen habt und wollt was haben was euch dagegen hilft ist Cannabis in akuten Zuständen keine Hilfe.

Trotzdessen konsumiere ich täglich, aber nur wenn es mir von der psyche her gut geht. Ihr könnt es ja einfach mal testen. Ich wollte es am Anfang auch nicht wahr haben, aber leider ist es so.
Ist bei mir anders. Ich komme eigentlich seitdem ich durchgängig mit Cannabis therapiert werde, kaum mehr in eine echte Depression. Mache allerdings auch vieles, was auch gegen Depressionen helfen kann (Sport, Vitamin D, etc.), zusätzlich. Arbeite viel an mir um die Ursachen der Depris zu ergründen und lösen.
Persönlich glaube ich eh, das zumindest in meinem Fall die Depris immer eher ein Hinweis waren, etwas im Leben zu ändern.

Deswegen wäre ich sehr vorsichtig irgendetwas zum Thema Depressionen zu Verallgemeinern. Das ist hoch individuell vom Typ und Krankheitsbild abhängig.

Fazit: Cannabis kann sehr wohl helfen (bei manchen) oder auch nicht (bei anderen) oder sogar kontrainduziert sein (bei ganz anderen). Es kommt mMn noch mehr auf das Individuum an als eh schon sonst bei Cannabispatienten.
Ja, deswegen habe ich ja auch geschrieben, das man es ja einfach mal austesten kann.

Aber wie gesagt ich kann mir schwer vorstellen das einem Cannabis hilft wenn man gerade nen Depressions Schub bekommt, der so schlimm ist, das man fast schon Selbstmordgedanken hat weil man nicht weiß was man dagegen tun kann. Allgemein geht es mir ja dadurch auch besser. Warscheinlich habe ich dadurch auch weniger von diesen Downphasen, das kann schon sein. Ich meinte aber die Momenten wenn man gerade in dieses Loch fällt. Ich konsumiere seit über 7 Jahren Cannabis und will auf keinen Fall irgendwas verallgemeinern sondern nur meine Erfahrungen teilen. Gerade in der letzten Zeit merke ich das das Cannabis bei meinen Depressionen eher kontraproduktiv ist und ich deshalb weniger konsumiere. Und trotzdem ist es ein Fakt das Cannabis die aktuellen Gefühle verstärkt, deswegen hilft es auch nicht bei Panikattacken etc. sondern macht diese nur noch schlimmer bzw. können diese sogar durch den Konsum ausgelöst werden, da brauchen wir uns nichts vor machen.

Ostring
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Ostring » So 30. Dez 2018, 18:46

Hallo,

anscheinend kann ich noch keinen eigenen Thread erstellen, da ich erst vor kurzem hier beigetreten bin. Meine Frage gehört aber zu dem Thema Cannabis und Depression. Ich hoffe, dass mir einer weiterhelfen kann.

Ich leide seit Jahren unter massiven depressiven Phasen, Angstzuständen und Pannikanfällen. Aufgrund persönlicher Umstände wurde ich nie behandelt und habe auch nie einen Therapeuten besucht. Leider sind die Symptome im letzten Jahr nochmal deutlich schlimmer geworden, sodass mich nun dazu überwinden möchte mit einem Experten zu sprechen. Ich weiss, dass eine Therapie langfristig die einzige Möglichkeit ist, die helfen kann. Allerdings benötige ich auch kurzfristige Hilfe, die ich in Form von Antidepressiva suche. Allerdings ist meine Angst vor pharmazeutischen Medikamenten extrem hoch, sodass ich eine Alternative suche, die ich mir in Form von Cannabis erhoffe.
Lange Rede kurzer Sinn: Kann mir jemand *seriöse* Quellen empfehlen, mit denen ich und mein Hausarzt uns über das Thema medizinisches Cannabis für Depressionen/Angstzustände/Pannikattacken/chronische Unruhe und Zerstreutheit informieren kann? Vielleicht sogar Print? Ich frage hier in diesem Forum nach, da meiner Meinung nach viele Fachärztliche Magazine und Krankenkassenberichte sehr einseitig und unbefriedigend sind.
Leider hat selbst die TK in einem Bericht nur die Antwort gegeben: "Nein es hilft nicht, aber eigentlich schon, also nicht" (sorry, dieser schlechte Zwei-Satz-Bericht hat mich wütend gemacht. Man benötigt Hilfe und bekommt noch nicht einmal eine vernünftige Erklärung). Mein Hausarzt ist sehr liberal gegenüber alternativen Behandlungsmethoden und kennt die Gründe für meine Angst vor Medikamenten. Entsprechend würde ich gerne mit ihm über dieses Thema sprechen. Wenn ich hier falsch bin, tuts mir Leid.

Liebe Grüsse!

MedUser
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von MedUser » So 30. Dez 2018, 20:22

Guten Abend Ostring,

ich denke, dass die Frage schwer zu beantworten ist, da es bei Cannabis gravierende unterschiede in der Wirkung gibt. Das hängt vor allem von der Person ab, die das Cannabis konsumiert. Dann gibt es noch dazu die Frage, welche Sorte bei dir am besten anschlägt. Ich bin selbst Patient aufgrund von Depressionen und Neurosen und konnte bisher die Sorte Argyle testen.

Diese Sorte hat nämlich einen moderaten THC Gehalt mit einem 1:1 Verhältnis von CBD. Hohe Mengen THC können nämlich genau das Gegenteil von "Angstlösend" hervorrufen. CBD hingegen lindert die psychoaktive Wirkung von THC, aber arbeitet bei Argyle z. B trotzdem Hand in Hand. Der Effekt der hier erzielt wird, zumindest bei mir, ist: leichte Entspannung der Muskulatur, leichtes anheben der Stimmung, klarer Kopf.

Der Effekt hält allerdings bei mir nicht länger als maximal 2 Stunden. Die Sorte ist aber gut geeignet um trotzdem am Alltag teilnehmen zu können. Auch für patienten, die vorher noch nie mit Cannabis zu tun hatten eine sehr gute Eingewöhnungssorte.

Als nächstes werde ich die Sorte Orange No 1 testen. Hier ist der THC Gehalt bei 13,5 - 17% (Bei Argyle 5,6%) und der CBD Gehalt bei 0,07% (Bei Argyle 5,8%). Da sich die Depression und Angstzustände auf die Psyche beziehen (Serotonin aufnahme im Gehirn) ist es nämlich definitv besser, mit einem etwas höheren THC Gehalt zu arbeiten, da THC sich eben stärker auf die Psyche auswirkt als CBD. CBD arbeitet selbstverständlich auch in mehreren Regionen im Hirn und kann Angstzustände und Depressionen lindern. Ein wichtiger Punkt sind vor allem Terpene. Terpene wie Myrcene hilft zu entspannen und wirkt Angsthemmend. Es gibt noch weitere Terpene, die ähnliche Effekte haben.

Alles in einem ist der aktuelle Stand in der Medizin, zumindest in Deutschland, sehr schwarz-weiß gedacht. Ich kann dir letztendlich nur sagen, dass du probieren musst. Fang am Anfang mit einer leichten Sorte an, am besten Indica. Es gibt auch reine CBD Öle (die übrigens in Deutschland legal sind) mit denen du erstmal arbeiten kannst, falls dich THC doch erstmal nicht ansprechen sollte. Des Weiteren gibt es aktuell noch Lieferengpässe was die Blüten in den Apotheken betrifft. Es gibt nicht alle Sorten die ausgeschrieben sind und die Wartezeiten sind teilweise sehr lang bis unvorhersehbar.

Falls Du dich dafür entscheidest, dir ein Rezept ausstellen zu lassen, informiere dich erstmal in einer Apotheke in deiner Nähe ob und was sie liefern können. Für den Anfang empfehle ich dir auch Argyle. Sollte sogar lieferbar sein. Dann kannst du dich herantasten und dich dann steigern.

Ich hoffe, ich habe dich nicht erschlagen mit der Antwort.

Alles gute weiterhin und den Kopf oben halten :)

Ostring
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Ostring » Mo 31. Dez 2018, 05:21

Hi MedUser,

vielen Dank für deine ausführliche Nachricht! Es ist wohl eine Wissenschaft für sich. Klingt aber so, als wenn die Antwort "es hilft auf keinem Fall" genauso falsch ist wie "es wird dir hundertprozentig helfen". Grau ist im Leben alle Theorie.

Ich habe zudem eine Datenbank gefunden, die sich mit den Wirkstoffen und Zusammensetzung von medizinischem Cannabis beschäftigt. leafly.com. Hier decken sich auch deine Aussage zu Argyle in fast exakt gleicher Beschreibung der Zusammensetzung und Auswirkung. Ich werde im neuen Jahr das alles mal mit meinem Arzt besprechen.

Vielen Dank nochmal! Das hilft schon mal etwas! Keep on going!
Btw meine komischen Beitragszeiten sind bedingt durch einen momentanen Auslandsaufenthalt mit enormer Zeitverschiebung ;)

Erstmal für immer
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Erstmal für immer » Di 1. Jan 2019, 20:55

Hmm...wirklich interresant. Hallo, ich habe mich hier ganz neu angemeldet. Ich habe ganz bewusst nach diesem Thema gesucht, da es mich ebenfalls betrifft. Ich hab mir hier alles durchgelesen und war positiv überrascht von der Tiefe dieser Diskussion. Trotz allem ist es auch hier spürbar, wie Sensibel das Thema ist. Schnell fühlt sich eine Seite angegriffen. Ich befinde mich zur Zeit in einer Phase der Depression. Diese ist aber noch nicht festgestellt worden. Da ich hier noch kein Fass aufmachen wollte. Bin noch bei keinem Arzt gewesen. Ich möchte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, dass ich gar nicht mehr kiffen kann. Das ist für mich ein grosses Problem. Vor allem habe ich schon einschlägige Diagnosen wegen psychischen und substanzlichen Dingen...auf jeden Fall ist mir aufgefallen, dass es schlimmer Wird, wenn ich das Cannabis rauchen sein lasse. Also wärend ich mich richtig beschossen fühle, konsumiere ich eh nicht. Aber wenn ich mich besser fühle, dann schon. Und das sorgt dann eben für eine bessere Grundstimmung. Ich Fall dann auch nicht so tief, bis zum gedanklichen Selbstsuizid- Szenario. Ich konsumiere gerade sehr wenig aufgrund meiner Psyche. Allerdings hat mir meine Frau quasi verboten zu konsumieren, da ich auch Kinder habe und dies aus dem Grund nicht tragbar ist. Ich brauche Rat. Was denkt ihr darüber?

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Martin Mainz
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Martin Mainz » Mi 2. Jan 2019, 07:23

Hallo Erstmal für immer und herzlich willkommen im Forum!

Da stellt Dich Deine Freundin wohl eher vor vollendete Tatsachen, als ein Arzt. Wenn Du Dich mit einer Diagnose besser fühlst, mach den Besuch und schau halt mal, was der Arzt Dir rät. Verbieten kann auch er Dir das kiffen nicht, aber vielleicht hat er ja tatsächlich sinnvolle Alternativen anzubieten.

Wie hier im Strang schon mehrfach beschrieben, hilft manchen das Cannabis. Andere Mittel mach eher Probleme mit den Nebenwirkungen und das sieht dann vielleicht auch Deine Frau ein.
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von patient23 » Do 3. Jan 2019, 11:04

Erstmal für immer hat geschrieben:
Di 1. Jan 2019, 20:55
Hmm...wirklich interresant. Hallo, ich habe mich hier ganz neu angemeldet. Ich habe ganz bewusst nach diesem Thema gesucht, da es mich ebenfalls betrifft. Ich hab mir hier alles durchgelesen und war positiv überrascht von der Tiefe dieser Diskussion. Trotz allem ist es auch hier spürbar, wie Sensibel das Thema ist. Schnell fühlt sich eine Seite angegriffen. Ich befinde mich zur Zeit in einer Phase der Depression. Diese ist aber noch nicht festgestellt worden. Da ich hier noch kein Fass aufmachen wollte. Bin noch bei keinem Arzt gewesen. Ich möchte nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden, dass ich gar nicht mehr kiffen kann. Das ist für mich ein grosses Problem. Vor allem habe ich schon einschlägige Diagnosen wegen psychischen und substanzlichen Dingen...auf jeden Fall ist mir aufgefallen, dass es schlimmer Wird, wenn ich das Cannabis rauchen sein lasse. Also wärend ich mich richtig beschossen fühle, konsumiere ich eh nicht. Aber wenn ich mich besser fühle, dann schon. Und das sorgt dann eben für eine bessere Grundstimmung. Ich Fall dann auch nicht so tief, bis zum gedanklichen Selbstsuizid- Szenario. Ich konsumiere gerade sehr wenig aufgrund meiner Psyche. Allerdings hat mir meine Frau quasi verboten zu konsumieren, da ich auch Kinder habe und dies aus dem Grund nicht tragbar ist. Ich brauche Rat. Was denkt ihr darüber?
Komplizierte Situation, andererseits aber auch alles andere als unüblich. Ich kenne einige Männer, die in einer sehr ähnlichen Situation wie du sind oder waren. Grundsätzlich ist meine Erfahrung: eine Beziehung leidet oft darunter, wenn nur ein Partner Cannabis konsumiert. Noch schwieriger wird es, wenn der andere Partner Cannabis kategorisch ablehnt.
Lebst du in einem nicht-legalisierten Land (also z.B. in DE) ist es natürlich noch schwieriger, weil dann für den Nicht-konsumierenden Partner auch die Hemmschwelle, es überhaupt einmal auszuprobieren, noch höher ist. Also unabhängig von einer Depression, alleine der Cannabis-Konsum an sich führt in vielen Ehen zu einem grundlegenden Problem, wenn einer der Partner Cannabis ablehnt.
Ich denke, du solltest dir professionelle Unterstützung suchen. Z.B. in Form eines Psychologen / Psychotherapeuten / Psychiaters, der dich 100% versteht und dir auf deinem Weg helfen kann. Im besten Fall wäre ein kurzfristiger Step, dass ein Arzt dir bestätigt "ich befürworte, dass Herr XY Cannabis zu medizinischen Zwecken einnimmt in dieser und jener Dosierung, weil das seinen psychischen Zustand nachhaltig verbessert und stabilisiert". Hättest du ein derartiges Attest, hättest du auch nochmals eine ganz andere Gesprächsgrundlage, um mit deiner Frau zu "verhandeln".
Und dann wäre der nächste Step, den Konsum so verträglich wie möglich für deine gesamte Familie zu gestalten. Also z.B. durch Vaporisieren in Abwesenheit aller anderer Familienmitglieder. So dass sich niemand beschwert, du stinkst nach Rauch oder fällst sonstwie negativ auf. Auch die Dosierung muss dann so sein, dass du in keine extreme verfällst, weder ins extreme Couch Locking noch ins extreme "Yippiie.. ich bin frei wie ein Vogel...Schalalala!".
Das muss dann wirklich nachvollziehbar und belegbar medizinisch ablaufen, so dass alle Beteiligten, der Arzt und deine Familie bestätigen können "OK - mit dieser Therapie ist Herr XY nachweisbar stabiler und gesünder - und sein gesamtes Umfeld profitiert davon".

Die mittel- und langfristige Variante muss natürlich sein, an die Ursache der Depression zu gehen. Cannabis kann nur ein Hilfsmittel und nie die Lösung sein. Und Cannabis ist dabei nur eines vieler möglicher Mittel, wir wissen heute, dass z.B. Sport ganz enorm positive Auswirkungen bei Depressionen hat. Das kann zwar auch schon fast zur "Sucht" werden, aber Sport ist da natürlich eine sehr positive Suchtvariante, die wiederum deinem Umfeld sehr positiv auffällt. Auch Dinge wie Meditation oder auch deine Ernährung an sich spielen eine bedeutende Rolle. Ernährung spielt sogar eine sehr große Rolle meiner Erfahrung nach und hat auch wissenschaftlich belegt eine große Auswirkung auf dein mentales Befinden.
Meiner Meinung nach sollte jeder, der lange unter schweren Depressionen leidet, seinen kompletten Lebenswandel in Frage stellen und genau analysieren, was er optimieren kann - und es dann auch machen.

Also ich habe viel Erfahrung mit Depressionen in meinem gesamten Umfeld, sowohl diagnostizierte als auch undiagnostizierte Fälle. Und langfristig geht es immer darum, sein Leben positiv zu ordnen und sich auf den Weg zu machen. Dein Ziel muss sein, dich zu improven und ein besserer Mensch zu werden, das Beste aus dir selbst rauszuholen. Und sobald deine Frau das spürt und direkt mitverfolgen kann, auch dass es dabei nicht ausschließlich um Cannabis-Konsum, sondern um die Verbesserung deiner grundlegenden Verfassung geht, wird sie das hoffentlich auch mehr akzeptieren können, dass Cannabis ein Teil des Ganzen sein kann.

So ein Selbstoptimierungsprozess kann am Ende auch dazu führen, dass man sich trennt - auch das habe ich schon mehrfach beobachtet. Das aber nur als Randhinweis, das muss ja nicht dein Weg sein.

Das wichtigste ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich die passenden Helfer zu holen. Und der erste Step wäre da wie gesagt meiner Meinung nach der richtige psychologische Berater, der dich versteht und dich unterstützen will auf deinem Weg.

Sonderbar1986
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Sonderbar1986 » Do 3. Jan 2019, 15:01

Halli hallo erstmal.
Ich habe mich gerade erst angemeldet und mich direkt durch diesen ganzen thread gelesen.
Ich selber leide auch schon sehr lange an immer wiederkehrenden depressiven phasen, die aufgrund verschiedener Faktoren, wie massive Schlafstörungen, nicht kontrollierbare grübelattacken, angststörungen, Zwänge, ständige Kopfschmerzen, Rücken und Nacken schmerzen durch Verspannungen, immer wieder auftreten. Nicht zuletzt auch Stress.
Mir werden ständig neue Medikamente verschrieben, wie verschiedene Antidepressiva, Schlaftabletten, etc. Ständig bloppen neue Nebenwirkungen auf, die mir das Leben zur Hölle machen.
Ich kann einfach nicht mehr und möchte zum Cannabis Rezept kommen.
Ich habe mir in den letzten Jahren auch immer wieder mal selbst Cannabis besorgt, um meine Leiden zu lindern, habe aber große Angst vor Unreinheiten oder strafverfolgung. Deshalb habe ich dann auch die Finger von gelassen.
Ich habe auch schon versucht, meinen Hausarzt in diese Richtung zu lenken, allerdings ohne Erfolg. Es heißt einfach, das machen wir nicht.
Ich habe ziemliche Hemmungen davor, jetzt Arzt für Arzt abzuklappern und mir "anschiss" abzuholen. Ich bin zur Zeit einfach sehr labil und kann nicht mehr. Möchte aber auch nicht aufgeben, weil ich darin einen Weg sehe.
Kann mir irgendjemand noch ein zwei Tipps mit auf den Weg geben und oder vielleicht einen Ärzte Tipp im Raum Mainz?
Würde mich sehr freuen.

Erstmal für immer
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Re: Cannabis und Depressionen

Beitrag von Erstmal für immer » Sa 5. Jan 2019, 15:22

Also erstmal ein riesen Dank für die ausführlichen Antworten. Meine Frau konsumiert auch. Das allerdings nur abends. Sie hat einfach ein Problem damit, wenn ich das Tagsüber mache. Wegen den Kids. Und natürlich habe ich andere Karten, wenn ich jemanden habe, der mir den Rücken stärkt. Da muss ich jetzt selber schauen ob es jemanden in Würzburg gibt, der es mit mir versucht. Vielleicht meldet sich ja hier jemand. Vielen Dank nochmal.

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