Cannabis und tetraplegie

phil_
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Cannabis und tetraplegie

Beitrag von phil_ » Mi 13. Dez 2017, 11:26

Hallo zusammen,

freue mich, das ich es endlich geschafft habe mich hier zu registrieren und hoffe hier auf einige Hilfestellungen im Bezug auf Cannabis als Medizin und regen Austausch mit anderen Patienten :).

Nur ganz kurz zu mir, ich bin 32 Jahre alt und leide an spastische tetraplegie und vor ca. 2 jahren kamm die zusätzliche Diagnose arthrose hinzu

Als "Therapie" wurde mir bis jetzt immer krankengymnastik, schwimmen massagen etc.. verschrieben.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich kenne mich mit Cannabis nicht aus und habe es bisher nicht/nie konsumiert. Die medizinischen Aspekte finde ich aber sehr spannend. Die Vorgeschichte erzähle ich um ein wenig meine Beweggründe zu erklären.

ist Cannabis als Ergänzung der Therapie in meinem fall hilfreich ? und wie stehen die chancen auf btm rezept für kassenpatient?
welche hürden gibt es und gibt es eine Vorgehensweise für...

ich würde mich riesig freuen, wenn ihr ein paar Tips für mich hättet und ich hoffe, dass ich als Novize nicht verjagt werde. ;)

Liebe Grüße
phil

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bushdoctor
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von bushdoctor » Mi 13. Dez 2017, 14:01

Wilkommen Phil,

aus meiner Sicht erfüllst Du mit Deiner Diagnose spastische Lähmung und Arthrose alle Vorraussetzungen, um es mit Cannabinoiden zumindest einmal zu probieren. Wie Du sicherlich schon recherchierst hast, wirkt natürliches Cannabis als Cannabinoid-Komplex krampflösend (anti-spastisch) und entzündungshemmend zugleich... damit könntest Du - sofern die Medikation bei Dir "anschlägt" - gegen beide Hauptdiagnosen (Tetraplegie, Arthrose) angehen...

Sofern Deine Spastiken auch schmerzhaft sind - wovon ich jetzt einfach mal ausgehe - kannst Du auch von den schmerzstillenden Wirkungen von Cannabis u.U. profitieren. Von der "Stimmungsaufhellung" mal ganz abgesehen...

Weil wir hier keine Ärzte sind, beststeht nun die größte Herausforderung darin, einen Arzt zu finden, der bereit ist, Dir Cannabis zu verschreiben...

Der Sachverhalt "Cannabis als Medizin" ist in der BRD recht schwierig in wenigen Worten zu beschreiben, so dass ich Dir erstmal empfehle im Forum hier mal den ein oder anderen Beitrag querzulesen...

Suche nach "Verschreibung" und "Kassenrezept" "Kostenübernahme"...

...fallst Du es Dir finanziell leisten kannst, dann ist es oftmals viel einfacher einen Arzt um ein Privatrezept zu bitten als erst die mühsame "Nummer mit der Krankenkasse" abzuziehen... vor allem, wenn es erstmal um das Probieren/Versuchen geht.

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bushdoctor
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von bushdoctor » Mi 13. Dez 2017, 14:11

Vielleicht ein guter Einstieg (ganz aktuell!)

viewtopic.php?f=22&t=7580&view=unread#p49867

Danke an littleganja!

phil_
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von phil_ » Mo 18. Dez 2017, 15:52

Hi bushdoctor

herzlichen Dank für deine Antwort

Die Lieferproblematik bei Med-cann ist mir bekannt ich habe bei mir 2 apotheken gefunden die Cannabis anbieten und beide haben mir die lieferengpässe auch bestätigt

mein Arzt ist auch bereit mir Cannabis auf kasse zu verschreiben

Wenn ich das richtig sehe gibt es 2 Arten

Cannabis in form von Blüten
cannabis in form von extracte (Sativex, Marinol oder Dronabinol)

muss bei beiden einen antrag auf kostenübernahme gestellt werden oder nur bei Blüten ?


LG

Lesmo
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von Lesmo » Mo 18. Dez 2017, 16:54

phil_ hat geschrieben:
muss bei beiden einen antrag auf kostenübernahme gestellt werden oder nur bei Blüten ?


LG

Du musst einen Antrag auf Kostenübernahme von Cannabinoiden stellen, darin ist dann alles enthalten.
Du bist, was du denkst !

phil_
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von phil_ » Mo 18. Dez 2017, 18:42

Danke

gibt es einenen formular antrag dafür? konnte auf der TK Hompage nichts finden :roll:

Lesmo
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von Lesmo » Di 19. Dez 2017, 09:34

phil_ hat geschrieben:Danke

gibt es einenen formular antrag dafür? konnte auf der TK Hompage nichts finden :roll:
Soweit ich weiß, bezieht die TK ihre Kostenübernahmen automatisch auf Cannabinoide, zumindest in meinem Fall war es so.
Du bist, was du denkst !

moepens
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Re: Cannabis und tetraplegie

Beitrag von moepens » Di 19. Dez 2017, 10:29

Lesmo hat geschrieben:Soweit ich weiß, bezieht die TK ihre Kostenübernahmen automatisch auf Cannabinoide, zumindest in meinem Fall war es so.
Bei mir genauso.

phil_
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Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von phil_ » Mo 22. Jan 2018, 12:45

Hi

ich suche einem gerichtlichen Aktenzeichen/urteil von 2010 wo ein Patient mit Tetraspastik eine Ausnahmegenehmigungen für den Erwerb von Cannabisblüten von der BfArM erhalten hat.

http://alternative-drogenpolitik.de/201 ... diagnosen/

LG

littleganja

Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von littleganja » Mo 22. Jan 2018, 13:11

Für was brauchst du das? Die Ausnahmeerlaubnis gibt es nicht mehr.

Zumal die Ausnahmeerlaubnis nicht über das Gericht vergeben wurde sondern über die Bfarm.

Häufig:

• chronische Schmerzen
• Multiple Sklerose
• Tourette-Syndrom
• depressive Störungen
• ADHS

Außerdem:

• Allergische Diathese
• Angststörung
• Appetitlosigkeit und Abmagerung
• Armplexusparese
• Arthrose
• Asthma
• Autismus
• Barrett-Ösophagus
• Blasenkrämpfe
• Blepharospasmus
• Borderline-Störung
• Borreliose
• Chronische Polyarthritis
• Chronisches Müdigkeitssyndrom
• Schmerzsyndrom nach Polytrauma
• Chronisches Wirbelsäulensyndrom
• Cluster-Kopfschmerzen
• Colitis ulcerosa
• Epilepsie
• Failed-back-surgery-Syndrom
• Fibromyalgie
• Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie mit Schmerzzuständen und Spasmen
• HIV-Infektion
• HWS- und LWS-Syndrom
• Hyperhidrosis
• Kopfschmerzen
• Lumbalgie
• Lupus erythematodes
• Migraine accompagnée
• Migräne
• Mitochondropathie
• Morbus Bechterew
• Morbus Crohn
• Morbus Scheuermann
• Morbus Still
• Morbus Sudeck
• Neurodermitis
• Paroxysmale nonkinesiogene Dyskinese (PNKD)
• Polyneuropathie
• Posner-Schlossmann-Syndrom
• Posttraumatische Belastungsstörung
• Psoriasis (Schuppenflechte)
• Reizdarm
• Rheuma (rheumatoide Arthritis)
• Sarkoidose
• Schlafstörungen
• Schmerzhafte Spastik bei Syringomyelie
• Systemische Sklerodermie
:arrow: • Tetraspastik nach infantiler Cerebralparese :!:
• Thalamussyndrom
• Thrombangitis obliterans
• Tics
• Tinnitus
• Trichotillomanie
• Urtikaria unklarer Genese
• Zervikobrachialgie
• Folgen von Schädel-Hirn-Trauma
• Zwangsstörung
(Quelle: https://hanfverband.de/faq/bei-welchen- ... det-werden)

Das sind die Krankheiten die von der Bfarm bei Antrag ggf. eine Ausnahmeerlaubnis bekommen haben, ich hatte meine seit 2016 :mrgreen:

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Gunter_H
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Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von Gunter_H » Di 23. Jan 2018, 09:37

Oben teilt littleganja die Fälle mit, für die eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde.
Diese Ausnahme Genehmigungen wurden – wie oben beschrieben - inzwischen „zurückgezogen“ und alles richtet sich nun nach dem Gesetz vom März 2017

Trotzdem kann man m.E. in der Argumentation von Krankheitsbildern (was ist eine „schwere Krankheit“ ) durchaus für den einzelnen Fall die o.g. Statistik ins Feld führen.....
Als Anhaltspunkte können sie m.E. sicher dienen!

Hier noch eine weitere Aufschlüsselung:
Bei 1061 Patienten mit „Ausnahmegenehmigungen“ lagen folgende Indikationen vor:

Schmerz ca 57%
ADHS ca 14%
Spastik (unterschiedlicher Genese) ca 10%
Depression ca 7%
Inappetenz/Kachexie ca 5%
Tourette-Syndrom ca 4%
Darmerkrankungen ca 3%
Epilepsie ca 2 %
Sonstige Psychiatrie ca 2%

Quelle:
Antwort der Bundesregierung in
Bundestagsdrucksache 18/11701 vom 27.03.2017
*** seit wann sind Pflanzen illegal ? ***

littleganja

Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von littleganja » Di 23. Jan 2018, 11:45

Der will doch irgendein Urteil aus 2010, keine Ahnung auf was sich die Klage beziehen soll????

Die Ausnahmeerlaubnis gab es ja erst Ende 2009, Günter Weiglein war der erste, dann kamen Patienten nach aber von einem Gerichtsverfahren gegen die Bfarm 2010 ist mir nichts bekannt?!?! Google spuckt auch nix aus.

Dann frage ich mich was soll dass Urteil von damals heute für ein nutzen haben??? Die Gesetze um Cannabis verordnet zu bekommen wurden ja gegenüber 2010 total aufgeweicht. Damals musste man der Bfarm alles beweisen, jeden Scheiß gegen die Krankheit genommen haben.

Daher bitte ich um Aufklärung was der Verfasser mit dem Urteil anstellen will, Danke :)

phil_
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Arzt / Neurologe gesucht

Beitrag von phil_ » Di 23. Jan 2018, 13:37

Hallo,

Bin langsam am verzweifeln bei der Suche nach einen Arzt im Raum Castrop-Rauxel, Dortmund, Bochum etc.. der mich bei der Behandlung mit Cannabinoide unterstützen kann.

Mein Hausarzt ist dem zwar nicht ganz abgeneigt, jetzt hat mir aber eine überweisung zum neurologen gegeben und ich soll das jetzt mit ihm besprechen!

nun weiß ich nicht ob er sich damit absichern will, Er sich aus der Verantwortung stehlen will ? oder er einfach nur Angst vor Repression hat?

Ich hoffe jetzt das mir hier vllt jemand weiterhelfen kann der im Raum Castrop-Rauxel, Dortmund, Bochum in Behandlung ist.

Weiß echt langsam nicht mehr weiter.

Wäre so Dankbar wenn sich bei mir jemand über PN melden würde.

Mit freundlichen Grüßen

phil_
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Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von phil_ » Di 23. Jan 2018, 13:51

Hallo
vielen lieben Dank für eure Antwort!

@littleganja
ich dachte man kann es als Argument nehmen (wenn es schon mal dafür eine Ausnahmeerlaubnis erteilt wurde, müsste man es jetzt genehmigt bekommen) so meine idee.

Leider hat sich meine Situation nicht verbessert, sie ist sogar noch komplizierter geworden... :(

viewtopic.php?f=22&t=8263

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Gunter_H
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Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von Gunter_H » Di 23. Jan 2018, 15:57

phil_ hat geschrieben:Hallo
vielen lieben Dank für eure Antwort!

@littleganja
ich dachte man kann es als Argument nehmen (wenn es schon mal dafür eine Ausnahmeerlaubnis erteilt wurde, müsste man es jetzt genehmigt bekommen) so meine idee.

Leider hat sich meine Situation nicht verbessert, sie ist sogar noch komplizierter geworden... :(

viewtopic.php?f=22&t=8263
Deine Idee ist schon richtig ,auch wenn das Anwenden von Parallelen von den GKV z.T. heftig bestritten wird.
Würde man als GKV z.B. Schmerz immer anerkennen, hätte man es mit z.B. ca 15 Mio Schmerzpatienten (manche sprechen von noch höheren Zahlen) zu tun.
Wenn da nur die Hälfte von Morphin und Co endlich weg wollten... Kann man sich weitere Zahlen leicht ausrechnen....
*** seit wann sind Pflanzen illegal ? ***

littleganja

Re: Brauche Hilfe: aktenzeichen gerichtsurteil für Ausnahme

Beitrag von littleganja » Di 23. Jan 2018, 21:28

phil_ hat geschrieben:Hallo
vielen lieben Dank für eure Antwort!

@littleganja
ich dachte man kann es als Argument nehmen (wenn es schon mal dafür eine Ausnahmeerlaubnis erteilt wurde, müsste man es jetzt genehmigt bekommen) so meine idee.

Leider hat sich meine Situation nicht verbessert, sie ist sogar noch komplizierter geworden... :(

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Es wurde doch laut der Liste früher per Ausnahmeerlaubnis genehmigt, die Liste ist vom BfArM!

phil_
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Re: Arzt / Neurologe gesucht

Beitrag von phil_ » Fr 26. Jan 2018, 12:49

ich push das thema nochmal ;)
(Sorry, aber das ist mir wirklich grad extrem wichtig).
kann denn wirklich keiner helfen?

littleganja

Re: Arzt / Neurologe gesucht

Beitrag von littleganja » Fr 26. Jan 2018, 13:25

Im Prinzip kann du zu jedem Arzt bei dir in der Umgebung gehen (ausgenommen Zahn und Tierärzte), du musst halt mit den Ärzten reden und deine Problematik schildern.

Ich persönlich kenne bei dir im Umkreis niemand, Sorry.

Kleiner Tipp noch schau mal nach Ärzten die zusätzlich zur "normalen" Medizin auch noch Naturheilkunde anbieten und/oder Suchtärzte (Substitution Ärzte) sind. Mehr kann ich dir leider nicht mit auf den Weg geben....

Viel Glück!

phil_
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Re: Arzt / Neurologe gesucht

Beitrag von phil_ » Fr 26. Jan 2018, 18:08

Danke littleganja

Für weitere Tipps und Empfehlungen bin ich sehr dankbar

Graucho1962
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Re: Arzt / Neurologe gesucht

Beitrag von Graucho1962 » Fr 26. Jan 2018, 22:23

phil_ hat geschrieben:Für weitere Tipps und Empfehlungen bin ich sehr dankbar


Moin phil,

ich hatte das selbe Problem mit meinem Hausarzt, er hat mich dann auch zu einem Neurochirurgen überwiesen.
Der hat dann ohne Problem für mich einen Antrag für Kosten Übernahme bei meiner KK gestellt.
Leider muss ich jetzt weiter mit der KK kämpfen um mein recht zu bekommen, habe alles einem Anwalt übergeben.
Was ich eigentlich sagen will, ist das dein Hausarzt eventuell ganz genau weiß das dieser Neurochirurg auch mit Cannabis behandelt kann oder darf es dir aber nicht direkt sagen.
Wünsche dir viel Erfolg.

Gruß

Graucho1962
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