Kommunikationsstrategie

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PotPope
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Kommunikationsstrategie

Beitrag von PotPope » Do 15. Feb 2018, 13:10

Hi liebe Hanffreunde,

mir fällt in den letzten Wochen, besonders im Zusammenhang mit dem Medienecho um das Interview des BDK-Vorsitzenden und auch dem sternTv-Talk vermehrt auf, dass viel Ablehnung allein durch die Begrifflichkeit "Legalisierung" entsteht.

Für Leute die sich nicht hinreichend oder bisher gar nicht mit der aktuellen drogenpolitischen Diskussion beschäftigt haben klingt Legalisierung erstmal nach unregulierter Freigabe für alle.

Wir sind uns zum größtenteil wohl einig, dass dies nicht unserer Vorstellung einer modernen deutschen Drogenpolitik entspricht.
Niemand möchte unsere Kinder den großen Risiken des Konsums aussetzen.

Wenn man nun auf das Wort Legalisierung im Zusammenhang mit dem Hanfverband trifft, reagieren und blockieren konservativ eingestellte Menschen erstmal. Manche so sehr das sie für die weitere Diskussion und Argumente unzugänglich sind.
Außerdem gibt der Gebrauch des Wortes Legalisierung hierdurch bedingt eine große Angriffsfläche.
Und wir wissen alle das ein empörtes Interview auf einem großen Medium erstmal so vor sich steht und man sich hiergegen schlecht zur Wehr setzen kann.

Ich würde Vorschlagen, das wir versuchen in unserer Kommunikation das Wort Legalisierung durch Begriffe wie Regulierung, Regulierte Freigabe etc. zu ersetzen.
Statt Legalize, Regulate.

Das würde für Interesse sorgen von wegen, Wie Hanfverband will regulieren?.
Wohl auch in konservativen Kreisen.
Vor allem wären einige Leute für Argumente dann auch zugänglicher und es könnte das Argument "Legalisierung ist ein falsches Signal" ein Stück entkräften.

So können dann Leute wie Herr Dr Holm-Hadulla nicht mehr über die Legalisierung wettern.

Und ald Garnitur könnte man diese kommunikative "Neuaufstellung" in einer Pressemitteilung packen.
Wie ist eure Meinung? :)

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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cookie » Do 15. Feb 2018, 16:32

PotPope hat geschrieben:Wie ist eure Meinung? :)
Ich verstehe, was Du meinst, aber ich bin genau der gegenteiligen Meinung. Zum einen finde ich, dass man die Sache klar beim Namen nennen und nicht um den "heißen Brei" herum reden sollte. Zum anderen habe ich eher das Gefühl, dass die Ablehnung nicht dem Begriff an sich geschuldet ist, sondern der Tatsache, dass viele "Gehirngewaschene" den Konsum von Cannabis mit allem gleichsetzen, was auch wir hier für gefährlich halten (aber dennoch nicht bestrafen wollen!). Das heißt, es muss mehr Aufklärung her. Da hilft es nichts, von "Regulierung" zu sprechen, denn als z. B. die Grünen dies mit ihrem Cannabis Kontrollgesetz versuchten, kam dieselbe Reaktion aus den bekannten reaktionären Kreisen. Wer verbohrt ist, wird dies auch bleiben, wenn ich es "den berechtigten 'Wunsch' nach freier Persönlichkeitsentfaltung" nennen würde.

Hinzu kommt, dass nach meiner Erfahrung viele dieser Verbohrten auch tatsächlich davon überzeugt sind / zu sein scheinen (?), dass die Legalisierung von Cannabis oder sämtlicher Drogen mit der "Legalisierung von Mord und Totschlag" gleichzusetzen wäre. Dass es da ein paar wesentliche Unterschiede gibt, ist denen nicht beizubringen. Denn aus ihrer Sicht bedeutet "legal", dass etwas "gut und richtig" ist ("sonst wäre es ja illegal"), und dann bedeutet das Legalisieren einer oder aller Drogen natürlich auch, dass etwas Böses zum Guten gemacht werden soll! Hallo, denkt denn Niemand an die Kinder! :mrgreen:
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cebedäus » Do 15. Feb 2018, 17:54

Ich würde das Kind ja beim Namen nennen: ,,Entkriminalisierng" würde ich es nennen.
"Legalisierung" impliziert ja das es rechtens ist das es illegal ist!

Cookie
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cookie » Do 15. Feb 2018, 18:15

Das wäre aber der falsche Weg, "nur" die Entkriminalisierung zu fordern. Das wäre der erste Schritt, mit dem den Konsumenten schon teilweise geholfen wäre, aber ein legaler Markt / Handel wäre dann im nicht-medizinischen Bereich ebenfalls nicht möglich (oder zumindest "Grauzone"). Der Schwarzmarkt würde sich dadurch nicht beeindrucken lassen. Und daher ist die Legalisierung in einem regulierten Markt schon das Ziel, das wir verfolgen... und weiterhin so kommunizieren sollten.
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cebedäus » Do 15. Feb 2018, 19:18

Danke Cookie, was das Wort ,,Legalität" genau bedeutet, darüber habe ich bis vor kurzem noch gar nicht so nachgedacht. Aber es gibt ja Wikipedia:
Worterklärung
Das Wort „Legalität“ kommt aus dem Lateinischen (lateinisch lex, legis, legalitas) und bedeutet Gesetz/Gesetzmäßigkeit, in anderen Worten ein Gesetz ist eine Sammlung von allgemein verbindlichen Rechtsnormen, die in einem förmlichen Verfahren von dem dazu ermächtigten staatlichen Organ – dem Gesetzgeber – erlassen worden ist.
Hier noch wo ich es raus "geklaut" habe (Quellenangabe damit es eben nicht illegal ist):
https://de.wikipedia.org/wiki/Legalit%C3%A4t
Das sagt ja eigentlich das gleiche aus:
PotPope hat geschrieben:Ich würde Vorschlagen, das wir versuchen in unserer Kommunikation das Wort Legalisierung durch Begriffe wie Regulierung, Regulierte Freigabe etc. zu ersetzen.
Das eine lateinisch, das andere deutsch.

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Martin Mainz
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Martin Mainz » Do 15. Feb 2018, 20:23

Cookie hat geschrieben:Denn aus ihrer Sicht bedeutet "legal", dass etwas "gut und richtig" ist ("sonst wäre es ja illegal"), und dann bedeutet das Legalisieren einer oder aller Drogen natürlich auch, dass etwas Böses zum Guten gemacht werden soll! Hallo, denkt denn Niemand an die Kinder! :mrgreen:
Aber damit gibts Du ja PotPope recht, der weg vom Wort Legalisierung und hin zu Regulierung will.

Ich halte das auch für den richtigen Weg und benutze das Wort in Diskussionen, wann immer ich dran denke.


PS: Thread ins Forum Diskussionen verschoben

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Beitrag von Cebedäus » Do 15. Feb 2018, 21:48

Vielleicht ist das aber nur Wortklauberei. Es geht doch eher um die Sache, die Intention, nicht wie es heißt. Aber vielleicht kann man manche Menschen auch besser erreichen wenn man deutsch und nicht lateinisch mit ihnen redet.
Ach Intention ist ja auch lateinisch. Kann man den Menschen, die gegen die Cannabislegalisierung sind, nicht einfach sagen das einem es am Herzen liegt, weil man es sehr ungerecht & unangemessen findet, selbst wenn es jemandem nicht gut tut sollte zu kiffen, hat der Mensch Probleme, soll man ihn dafür auch noch bestrafen?

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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Hanfkraut » Fr 16. Feb 2018, 05:57

Ist ja schon schlimm genug das alles schleppend bis gar nicht anläuft.
Ich bleib bei der Legalisierung!

Gerade gelesen das die Alkohol Industrie schon nal angst um ihre Umsätze hatt.

Soll heißen das dann auf lange sicht auch die todes fälle abnehmen!
Ärzte weigern sich!
Das cannabis Medizin Gesetzt hat versagt! Apotheken liefern nicht ! Kassen zahlen nicht!
Cannabis aus vernunft SOFORT legalisieren!
https://utopia.de/0/blog/fairessen-fair ... f-verboten

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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cookie » Fr 16. Feb 2018, 09:53

@Martin: Ja und nein. Sicherlich sind manche Begriffe für gewisse Kreise problematischer als andere, aber vielleicht sollte es uns eher zu verstärkten Bemühungen in Richtung Aufklärung anregen (um dieses Problem zu minimieren) anstatt Wortklauberei zu betreiben. Natürlich sollte man es nicht nur bei der Forderung "Legalisierung" belassen, sondern diese mit weiterem Inhalt füllen, also z. B. auch deutlich machen, dass wir eine "Regulierung des Marktes" anstreben. Aber genau das findet ja auch statt.

Zudem kann die alleinige Forderung einer Regulierung / eines regulierten Marktes auch Nachteile für uns bringen, nämlich dass der private Anbau weiterhin verboten bleiben könnte (das wäre ja mehr oder weniger unreguliert, aber kein "Markt"). Und das wollen wir ganz sicher nicht!
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Martin Mainz » Fr 16. Feb 2018, 12:29

Cookie hat geschrieben:Zudem kann die alleinige Forderung einer Regulierung / eines regulierten Marktes auch Nachteile für uns bringen, nämlich dass der private Anbau weiterhin verboten bleiben könnte (das wäre ja mehr oder weniger unreguliert, aber kein "Markt"). Und das wollen wir ganz sicher nicht!
Das wäre aber ein erster Schritt, der für mich in Ordnung wäre. Kommt jedenfalls immer gut an, wenn ich wutentbrannt die Regulierung von Cannabis zum Schutz der Kinder fordere. Alle nicken erst mal und fragen sich erst dann, was ich damit eigentlich meine. Und so kommt man gut ins Gespräch.
:mrgreen:
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von Cookie » Fr 16. Feb 2018, 12:58

Um diesen ersten Schritt zu tun (mit dem sicher Viele erst mal leben könnten), ist aber der "nullte" Schritt von Nöten, also zumindest eine "Teillegalisierung". Insofern beißt sich die Katze in den Schwanz... wenn Deiner Erfahrung nach aber der Einstieg in ein aufklärendes Gespräch mit den von mir "verbohrt" genannten eher klappt, dann nur weiter so - ich glaube aber, dass Du diese Leute auch damit nicht erreichst, sondern maximal diejenigen, welche nur noch zu wenig aufgeklärt, aber grundsätzlich "open minded" sind.
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Re: Kommunikationsstrategie

Beitrag von bushdoctor » Di 20. Feb 2018, 16:43

Zu diesem Thema gab´s schonmal ne interessante Diskussion vor ein paar Jahren:
viewtopic.php?f=11&t=1221&p=13366&hilit ... ung#p13366

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