"Das Leben ist voller riskanter Dinge" deutschlandradiokult

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Sabine
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"Das Leben ist voller riskanter Dinge" deutschlandradiokult

Beitrag von Sabine » Di 7. Jul 2015, 18:32

"Im "Schildower Kreis" tummeln sich Juristen, Kriminologen, Psychotherapeuten, Juristen und Erziehungswissenschaftlern. Sie setzen sich gegen ein Cannabis-Verbot ein - das sei teuer, unverhältnismäßig und vor allem gescheitert.

Eine Cannabis-Legalisierung ist längst überfällig. Das finden zumindest die meisten Passanten in einem kleinen Park im Hamburger Schanzenviertel: ...


http://www.deutschlandradiokultur.de/st ... _id=324764

Scheerer: "Das sind Risiken wie in der Liebe, beim Sex, beim Alkoholtrinken, beim Autofahren. Das Leben ist voller riskanter Dinge. Und wenn man besonders sportlich ist, dann fährt man noch Ski. Und dann macht man noch Fallschirmspringen. Das sind alles Sachen, die riskant sind. Und die wollen gekonnt sein. Und die wollen gelernt sein. Aber ich möchte mir nicht eine Gesellschaft vorstellen, wo Herr Thomasius dann das Fallschirmspringen verbietet, das Skifahren und so weiter und so fort. Das würde ich dann doch gerne die Menschen selber entscheiden lassen."

Lumko
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"Das Leben ist voller riskanter Dinge" deutschlandradiokult

Beitrag von Lumko » Mi 8. Jul 2015, 18:23

Die intellektuellen welche alles besser wissen sollten den "einfachen" Bürgern endlich Drogenmündigkeit und Konsumkompetenz zumuten.
Wann darf das Volk endlich selber über ihre Handlungen entscheiden und mögliche Konsequenzen tragen?


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frihet
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Re: "Das Leben ist voller riskanter Dinge" deutschlandradio

Beitrag von frihet » Mi 8. Jul 2015, 18:52

Würde die allermeisten Prohibitionisten nicht gerade als Intellektuelle bezeichnen, im Gegenteil...

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overturn
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Re: "Das Leben ist voller riskanter Dinge" deutschlandradio

Beitrag von overturn » Fr 10. Jul 2015, 13:35

Der Sebastian wird plötzlich zum Wolfgang... ,) Thomasius nennt (erneut) ein mittlerweile sehr populäres "Gegenargument" (?!), dessen Wahrheitsgehalt weiterhin höchst diskutabel bleibt:

Und es droht nun, dass zu diesen zwei Problem-Substanzen sich eine dritte Substanz in massenhaftem Verhältnis verbreitet. Und das wiederum bedeutet, dass wir einen Zuwachs hätten an suchtkranken Menschen.

Zunächst folgt einer breiteren Verfügbarkeit nicht zwingend ein zunehmender Konsum. Zudem muss eine Zunahme des Konsums nicht bedeuten, dass es folglich auch tatsächlich mehr Probleme gibt (s. z.B. Barsch 2007). Dies ist eine nachvollziehbare, aber dennoch verkürzte und irrige Logik. So existieren zahlreiche Kulturen, die sehr hohe Mengen alkoholische Getränke konsumieren, zu diesen aber eine Form der Beziehung (Riten, Vorstellungen, Erwartungen, etc.) führen und diese unter Gegebenheiten konsumieren, die einen problematischen Konsum meist sogar verhindert oder zumindest abschwächt (Bales 1946). Ähnliches ist auch in der eigenen Gesellschaft beobachtbar und unter anderem als "sozialer Gradient" und in Form sozio-protektiver Faktoren beschreibbar (vgl. Granfield/Cloud 2001; Barsch 2007; Kastenbutt/Legnaro/Schmieder 2014).

Beste Grüße!

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Bales, R.F., 1946: Cultural differences in rates of alcoholism. S. 480-499 in: Quarterly Journal of Studies on Alcohol 6

Barsch, Gundula, 2007: Drogenkonsum und soziale Ungleichheit. S. 213-234 in: Bernd Dollinger und Henning Schmidt-Semisch (Hg.), Sozialwissenschaftliche Suchtforschung. Wiesbaden.

Granfield, Robert und William Cloud, 2001: Social context and "natural recovery": the role of social capital in the resolution of drug-associated problems. S. 1543-1570 in: Substance Use and Misuse 36; 11

Kastenbutt, Burkhard, Aldo Legnaro und Arnold Schmieder (Hg.), 2014: Soziale Ungleichheit und Sucht: Ursachen, Auswirkungen, Zusammenhänge. Berlin/München.
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