Sammlung Uruguay

Sabine
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Re: Sammlung "Cannabis Nachrichten Lateinamerika"

Beitrag von Sabine » Mo 23. Jan 2017, 08:11

Den noch, bevor die Chemo ruft ...

"Drei Jahre nach der Legalisierung
Uruguay wagt die freie Graswirtschaft

Der Staat als Dealer - in Uruguay ist das seit kurzem Realität. Dauerbreit sind die Einwohner des südamerikanischen Landes trotzdem nicht, ganz im Gegenteil: Mit dem Reiz des Verbotenen schwindet auch die Popularität."


http://www.n-tv.de/panorama/Uruguay-wag ... 53116.html

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Re: Sammlung "Cannabis Nachrichten Lateinamerika"

Beitrag von Sabine » Sa 8. Apr 2017, 05:25

"Uruguay: Regierung kündigt Verkauf von Marihuana in Apotheken an
...
Am Donnerstag (6.) gab die Regierung bekannt, dass „in den ersten Wochen des kommenden Juli der Verkauf von unter staatlicher Kontrolle produziertem Marihuana in Apotheken beginnt“(Cannabis-Konsumenten müssen sich ab dem 2. Mai offiziell registrieren). Das Medikament geht für 1,30 US-Dollar pro Gramm über den Ladentisch und jeder Verbraucher kann maximal 10 Gramm pro Woche kaufen."


http://latina-press.com/news/235871-uru ... theken-an/

Preise, die mir die Tränen in die Augen treiben, selbst wenn ich das ganze unter dem Aspekt des wahrscheinlich wesentlich niedrigen Durchschnittseinkommen betrachte.

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Re: Sammlung "Cannabis Nachrichten Lateinamerika"

Beitrag von Sabine » Mi 3. Mai 2017, 08:16

Video

"Gebt das Hanf frei! - Alfredo Pascual bei den SFL Jena

Der weltweite "War on Drugs" ist gescheitert. Es ist an der Zeit, nicht mehr zu fragen, ob Drogen legalisiert werden sollen, sondern wie. Das Beispiel Uruguays zeigt, dass die vollständige Legalisierung von Cannabis möglich ist. Was man von diesem Beispiel lernen kann erörterte Alfredo Pascual am 28.11.2016 bei den Students For Liberty Jena."


https://www.youtube.com/watch?v=IeAAGbC ... e=youtu.be

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Re: Sammlung "Cannabis Nachrichten Lateinamerika"

Beitrag von Sabine » So 14. Mai 2017, 19:14

"Willkommen im Kiffer-Paradies

In Uruguay beginnt bald der legale Verkauf von Cannabis. Er wird vom Staat organisiert und verwaltet. Nicht auf Rezept, sondern zum puren Genuss. Über einen neuen Weg gegen das organisierte Verbrechen.
...
Ende 2013 hat Uruguay als erstes Land der Welt die Produktion und den Konsum von Marihuana entkriminalisiert. Das Gesetz namens "19.172" erlaubt den kommerziellen Marihuana-Handel in Apotheken.
...
Hinter der Zahl 19.172 verbirgt sich eine kleine Revolution in einem kleinen Land, die von Kriminalexperten in aller Welt als vorbildlich begrüßt wurde. Sie folgt der Ansicht, dass illegale Drogengeschäfte und Drogenkriege mehr Schaden anrichten als der Konsum selbst.
...
Bisher existiert die Revolution aber nur in der Theorie. Die Uruguayer mussten in den vergangenen drei Jahren lernen, dass es gar nicht so einfach ist, ein Rauschmittel zu legalisieren. Wie soll das eigentlich funktionieren, wenn der Staat als Drogenproduzent und Dealer auftritt? Wer kümmert sich um den Anbau? Wer legt den Marktpreis fest? Je länger das Kifferglück auf sich warten ließ, umso länger wurde der Fragenkatalog. Die Uruguayer taten das, was sozialistische Länder in solchen Fällen am liebsten tun: Sie gründeten eine Behörde. Das "Institut zur Regulierung und Kontrolle von Cannabis", kurz IRCCA, hat nach drei Jahren nun offenbar alle Antworten gefunden. Im Juli ist Vertriebsstart.

Seit vergangener Woche können sich die Uruguayer in 65 ausgewählten Postämtern als anerkannte Kiffer registrieren lassen. Mit Ausweis, digitalem Fingerabdruck und Wohnsitzbescheinigung. Beim Drogenkauf gilt die Residenzpflicht. Damit will die Regierung einen Cannabis-Tourismus nach holländischem Modell verhindern. Jeder erwachsene Staatsbürger kann in der Apotheke bis zu 40 Gramm Gras pro Monat erwerben. Ein Gramm kostet 1,30 US-Dollar. Der Preis ist so niedrig angesetzt, um für den Schwarzmarkt keine Gewinnmarge übrig zu lassen.

Uruguay hat zum Verkaufsstart angeblich rund 400 Kilogramm Marihuana auf Lager. Lange wird das nicht reichen. Das IRCCA schätzt die Nachfrage auf 26,5 Tonnen pro Jahr."


http://www.sueddeutsche.de/panorama/dro ... -1.3504544

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Re: Sammlung "Cannabis Nachrichten Lateinamerika"

Beitrag von Sabine » Do 18. Mai 2017, 12:18

"Cannabis für 1,30 Euro je Gramm für jeden

Uruguay startet ein einmaliges Experiment: Der Staat will Produktion und Abgabe von Marihuana steuern – und die Macht der Drogen-Clans brechen. Um nicht zum zweiten Holland zu werden, gibt es eine Einschränkung.
...
Die Produktionskosten belaufen sich nach Angaben auf etwa 0,60 Dollar pro Gramm. Der Staat zahlt den beiden Produzenten 0,90 Dollar.

Außerdem haben sich im Rahmen des Marihuana-Gesetzespakets bisher rund 6650 Menschen als private Hanfanbauer (nur für den eigenen Konsum) eingeschrieben. Es kann Kontrollen geben, wer mehr als die erlaubten sechs Pflanzen hat, muss mit Beschlagnahmungen rechnen.

Die dritte Möglichkeit ist die Registrierung für einen Cannabis-Klub, mit jeweils 15 bis 45 Mitgliedern. Diese Vereine dürfen bis zu 99 Pflanzen anbauen; pro Mitglied dürfen 480 Gramm im Jahr konsumiert werden. Aber Uruguay soll jetzt nicht dauerhaft unter einer Grasglocke liegen. An Arbeitsplätzen und auf öffentlichen Plätzen darf nicht gekifft werden, und unter Gras-Einfluss darf man nicht am Steuer sitzen. Zudem kann man sich nicht zugleich für den Kauf in Apotheken, den Anbau zu Hause oder einen Klub registrieren lassen.
...
Aber eines soll es nicht geben: ein Verkaufen an Touristen und Handel mit billigem Apotheken-Marihuana, das in Montevideo an Kiffer aus dem Ausland verkauft wird. "


https://www.welt.de/politik/ausland/art ... jeden.html

srjosi
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Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von srjosi » Do 18. Mai 2017, 20:24

Hallo,
Im Moment wird ja die Legalisierung in Uruguay breit durch die Medien behandelt. Interessant finde ich das der breiten Masse hierdurch bekannt wird das es möglich ist Cannabis für 1,30 Euro zu verkaufen. Was im Kontext zu der aktuellen Situation der deutschen Apotheken Preise doch den ein oder anderen zum Denken animiert. So hoffe ich.

Grüße Kalli
Zuletzt geändert von srjosi am Fr 19. Mai 2017, 19:42, insgesamt 1-mal geändert.

CBDManiaK
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Re: Uruguay

Beitrag von CBDManiaK » Fr 19. Mai 2017, 00:48

Das ist zwar besser als die Preise hier oder in NL, aber immernoch zu teuer.

In z.B. Albanien kostet das Kilo, direkt beim Hersteller (den Bauern) 300€, ja richtig gelesen: dreihundert!
Was einen Grammpreis von 30Cent ergibt.

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Re: Uruguay

Beitrag von Sabine » Fr 19. Mai 2017, 07:02

Das uns der Preis in Uruguay so niedrig vorkommt, hat ja auch mit diversen dortigen Kriterien wie Einkommensdurchschnitt, Strassenpreis, Anbaustandarts/Energiepreise etc. zu tun.

Mich würde daher eher interessieren, wie das Preisverhältnis Uruguay/Deutschland daher wirklich ausschaut.

Und Albanien finde ich auch einen schlechten Vergleich : für das wenige Geld bekommt man einen Haufen Pestizide, Düngemittel etc. mitgeliefert. Dann lieber einen etwas höheren Preis!

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Re: Uruguay

Beitrag von studenmuenster » Fr 19. Mai 2017, 08:30

Sabine hat geschrieben:Das uns der Preis in Uruguay so niedrig vorkommt, hat ja auch mit diversen dortigen Kriterien wie Einkommensdurchschnitt, Strassenpreis, Anbaustandarts/Energiepreise etc. zu tun.

Mich würde daher eher interessieren, wie das Preisverhältnis Uruguay/Deutschland daher wirklich ausschaut.

Und Albanien finde ich auch einen schlechten Vergleich : für das wenige Geld bekommt man einen Haufen Pestizide, Düngemittel etc. mitgeliefert. Dann lieber einen etwas höheren Preis!
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP/GDP) 2015 pro Kopf in US$ sieht so aus.

Germany 2015 US$ 41,686
Uruguay 2015 US$ 15,574

Quelle: https://unstats.un.org/unsd/snaama/selbasicFast.asp (Deutschland und Uruguay, GDP, Per Capita GDP - US Dollars, 2015)

Das gibt einen Anhaltspunkt für einen Vergleich, aber wie du schon richtig sagst, Standards, Produktionskosten etc. pp. fließen da auch noch mit rein. Außerdem gibt es noch klimatische Unterschiede, die da eine Rolle bei den Kosten spielen könnten.

Aber die deutschen Apothekenpreise sind einfach zu hoch :(

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » So 18. Jun 2017, 04:51

"Besondere strafrechtliche Vorschriften

Das Gesetz Nr. 19172 zur Regulierung des Anbaus, Vertriebs und der kontrollierten Abgabe von Marihuana vom 10. Dezember 2013 erlaubt Privatpersonen unter bestimmten Voraussetzungen den Besitz von Cannabispflanzen und ihren Früchten. Der Handel mit Marihuana, wie auch der mit anderen Rausch- und Betäubungsmitteln- bleibt jedoch grundsätzlich verboten; der Polizei obliegt im Einzelfall die Entscheidung, ob sie den Besitz einer bestimmten Menge von Marihuana, mit der eine Person angetroffen wird, als Eigenbedarf ansieht oder zur Strafanzeige bringt.

Der Drogenhandel in Uruguay ist illegal. Der Anwendungsbereich des neuen Gesetzes zur Regulierung des Anbaus, Vertriebs und der kontrollierten Abgabe von Marihuana ist auf Personen mit rechtmäßigem gewöhnlichen Wohnsitz in Uruguay beschränkt und gilt nicht für Touristen."


http://www.auswaertiges-amt.de/sid_B956 ... rheit.html

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Martin Mainz » So 2. Jul 2017, 09:48

Dieses Land ist der erste legale Drogenproduzent der Erde

https://www.welt.de/politik/ausland/art ... -Erde.html

"Ein Staat wird zum Dealer. In einem südamerikanischen Land gibt es bald Marihuana aus der Apotheke - für 1,15 Euro pro Gramm. Damit soll Drogenkartellen die Geschäftsgrundlage entzogen werden. Der Ausgang des Experiments: offen.
...
Ab Anfang Juli will Uruguays Regierung kräftig am Marihuanakonsum mitverdienen. Erstmals wird damit weltweit ein Staat selbst zum Drogenproduzenten. Wenn Manuel Martin künftig seine Joints anzündet, klingelt es in der Staatskasse. Diese Entscheidung klingt auf den ersten Blick überzeugend: Laut Schätzungen der staatlichen Behörden gibt es in dem Land am Rio de la Plata etwa 160.000 Marihuanakonsumenten. Sie bedienen sich bislang auf dem Schwarzmarkt, der von der Drogenmafia beliefert wird.
...
Ein Durchbruch im Kampf gegen die Mafia, sagen die Befürworter, ein gefährliches Experiment mit der Sucht, die Kritiker. Während in den USA, dem weltgrößten Drogenmarkt, in einzelnen Bundesstaaten wie Colorado oder New York der Cannabiskonsum in kleinen Mengen straffrei ist, geht Uruguay noch einen Schritt weiter. Der Staat übernimmt auch die Kontrolle über die Produktion des Stoffs.
"


Kann man nur hoffen, daß die Apotheken hierzulande die Gelegenheit nutzen und auch von dort importieren um die aktuellen Engpässe zu umgehen.
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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » So 2. Jul 2017, 11:52

"Marihuana per Fingerabdruck in der Apotheke

Ab Juli verkauft in Uruguay der Staat Drogen. In der Praxis stößt die weltweit einzigartige Regelung auf erbitterte Widerstände
...
Fast vier Jahre haben 15.000 registrierte Konsumenten und Hanfanbauer auf diesen letzten Schritt bei der Legalisierung der Droge gewartet. Wer sich registriert hat und selbst nicht anbaut, kauft nun gegen Fingerabdruck legal eine auf 40 Gramm im Monat begrenzte Menge der Droge in der Apotheke – zu staatlich festgesetzten Preisen mit Qualitätsgarantie. Jedenfalls theoretisch. Das weltweit einzigartige Gesetz, mit dem Uruguay der Mafia den Boden unter den Füßen wegziehen will, stößt auf harte Widerstände: praktische bei der Umsetzung, aber auch ideologische, obwohl in Uruguay der Marihuanakonsum seit Jahrzehnten gesellschaftlich toleriert ist.
...
Als Präsident José Mujica 2013 mit der Legalisierung die Welt überraschte, glaubten nur wenige daran. Im Kongress gab es erbitterten Widerstand der bürgerlichen Parteien, selbst Mujicas linker Parteigenosse und Nachfolger im Präsidentenamt, Tabaré Vázquez, war von der Idee nicht angetan. Auch Apotheken wehrten sich. Sie würden ja auch keine Zigaretten und Alkohol verkaufen, hieß es. Andere bangten, Zielscheibe von Überfällen der Mafia zu werden. Nur 20 registrierten sich bis Juni. Im Landesinneren dürfte es schwierig werden, sich legal zu versorgen. Das Gesundheitsministerium hat Garat zufolge bisher kein einziges Medikament auf Basis von Cannabis zugelassen, publiziere auch keine Jahresberichte zur Umsetzung des Gesetzes. Die dafür geschaffene Kontrollbehörde IRCCA sei unterfinanziert und personell mager ausgestattet. "


http://derstandard.at/2000060603471/Mar ... r-Apotheke

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » So 2. Jul 2017, 11:56

Martin Mainz hat geschrieben: Kann man nur hoffen, daß die Apotheken hierzulande die Gelegenheit nutzen und auch von dort importieren um die aktuellen Engpässe zu umgehen.

Nicht nur von dort, es würden sich doch auch noch näher liegende Staaten eignen : z.B. Israel dürfte doch gut eingedeckt sein. Wäre auch wegen der Entfernung sinnvoller und nicht um die halbe Erde geschippert/geflogen.

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Martin Mainz
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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Martin Mainz » So 2. Jul 2017, 17:57

Sabine hat geschrieben:Nicht nur von dort, es würden sich doch auch noch näher liegende Staaten eignen : z.B. Israel dürfte doch gut eingedeckt sein. Wäre auch wegen der Entfernung sinnvoller und nicht um die halbe Erde geschippert/geflogen.
Stimmt natürlich. Wo immer man kann.
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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » So 2. Jul 2017, 18:35

"Jetzt wird der Staat zum Dealer
Uruguay wagt das Experiment: Als erstes Land weltweit verkauft es nun selbst angebautes Cannabis – in Apotheken an Freizeitkiffer. Das gefällt natürlich nicht jedem.
...
Um das uruguayische Cannabisgesetz zu verstehen, sagt Julio Calzada, müsse man zuerst das Land verstehen. Der ehemalige Generalsekretär des Nationalen Rats für Drogen der Regierung sitzt in einem Café in Montevideo und wirkt ziemlich entspannt. Er sagt: "Wir haben ein soziales Modell für die Drogenpolitik etabliert." Bis 2015 war Calzada im Amt, er ist der strategische Kopf hinter der Legalisierung.

Uruguay sei immer schon progressiv gewesen, sagt Calzada, fortschrittlicher als andere Länder Südamerikas. Früh durften die Frauen hier wählen, sich scheiden lassen, abtreiben – Letzteres ist bis heute beispielsweise in Chile verboten. In Uruguay finden es die Menschen laut Umfragen gut, dass der Staat einen großen Einfluss auf ihr Leben hat. Vom Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit über die Prostitution bis zur Wirtschaft ist vieles umfangreich geregelt – nun halt auch der beliebte Hanf.

"Ich lege Wert darauf, dass wir den Cannabiskonsum nicht freigeben", sagt Calzada. "Das Gegenteil ist der Fall: Es handelt sich um ein Modell der streng regulierten Abgabe, in dem Preis, Menge und Qualität der Droge in staatlicher Hand sind." Das sei auch der Unterschied zu den Niederlanden, wo das Marihuana für die Coffeeshops weiter vom Schwarzmarkt kommt – mit allen Qualitätseinbußen und Gefahren, die das haben könne. Mit giftigen Stoffen gestrecktes Cannabis oder minderwertige Blüten sollen in Uruguay nicht über den Apothekentisch gehen. Staatlich geprüfte und garantierte Cannabisqualität? Das gibt es nicht einmal in den USA, wo private Firmen untereinander um Preis, Menge und den Gehalt des Hanf-Wirkstoffs THC konkurrieren. Nach Calzadas Überzeugung fördere das den Drogenkonsum noch.
...
Jeder Kiffer, das war der umstrittenste Punkt des Gesetzes, muss sich beim Staat registrieren. In der Apotheke identifiziert sich der Käufer per Fingerabdruck. "Der Apotheker sieht auf seinem Display nur ein OK, keinen Namen", erzählt Calzada, "die Daten sind sicher und verschlüsselt." Ein Massenabgriff der Daten soll nicht möglich sein, auch nicht die Weitergabe an Einwanderungs- und Zollbehörden anderer Länder oder den eigenen Arbeitgeber.

4.200 Uruguayer haben sich schon für den Weg über die Apotheke registriert, weitere 10.000 sind als Selbstanbauer oder Cannabisclub-Mitglied eingetragen. Das ist rund ein Viertel der 55.200 regelmäßigen Konsumenten im Land.

Nur Touristen sollen in der Apotheke leer ausgehen, auch weil Uruguay keine Probleme mit den Nachbarländern Argentinien und Brasilien bekommen will. "
...
So locker sehen die Legalisierung nicht alle. Vor allem unter den Apothekern regt sich Widerstand. "Wir müssen uns vor Überfällen schützen. Deshalb werden wir ganz sicher kein Marihuana verkaufen", sagt Beatrice. ... Wer ein von Drogen gezeichnetes Gesicht habe, den lasse sie nicht rein.
...
Beatrice hat für die Idee, Drogen in Apotheken anzubieten, nur Verachtung übrig: "Wir werden daran nichts verdienen und nur Probleme bekommen", sagt sie. "Wir werden draußen ein Schild anbringen, damit die Crackköpfe und die anderen schon vorher wissen, dass wir nichts im Lager haben." Nur 20 der 120 Apotheken im Land haben sich für einen Verkauf von Cannabisblüten gemeldet, auch wenn sie ein Drittel der Einnahmen behalten dürfen sollen. ...
Während die Freigabe in anderen Staaten von Graswurzelbewegungen gefordert und ermuntert wurde, hat die linke Regierung in Uruguay ihr Vorhaben von oben und zunächst gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. "


http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/20 ... l-apotheke

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » Mi 19. Jul 2017, 22:20

"STRACK-ZIMMERMANN: Uruguay hat vernünftige Drogenpolitik verstanden
...
„Im Gegensatz zur Bundesregierung und zur Drogenbeauftragten Marlene Mortler hat Uruguay verstanden, wie vernünftige Drogenpolitik funktioniert. Statt durch ein Cannabisverbot den Schwarzmarkt und illegalen Drogenhandel zu befeuern, würde kriminellen Drogenbanden durch eine Legalisierung das lukrative Geschäft entzogen werden.

Gleichzeitig würde mit einer Legalisierung von Cannabis ein verbesserter Jugendschutz einhergehen. Der kontrollierte Verkauf von Cannabis an erwachsene Personen in Apotheken würde zu einer Austrocknung des Schwarzmarktes führen und verhindern, dass Konsumenten über diesen mit harten Drogen in Kontakt kommen.

Ich fordere die Bundesregierung auf, sich endlich der Realität zu stellen und eine Legalisierung von Cannabis zu beschließen. Und so nicht nur für einen besseren Jugendschutz zu sorgen, sondern auch dringend notwendige Kapazitäten bei der Polizei freizumachen, die bisher noch durch Bagatelldelikte unnötig blockiert werden.“"


https://www.liberale.de/content/strack- ... verstanden

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » Sa 22. Jul 2017, 16:19

Ist ja schon ne kleine Mogelpackung mit der Legalisierung in Uruguay, zumindest was das in Apotheken verkaufte Cannabis angeht :

beide Sorten enthalten nur 2% THC (und 6,5 bzw. 7% CBD), wie man hier im Artikel (Bild 2) auf den Packungen sehen kann.

http://derstandard.at/2000061548072/Uru ... r-Apotheke

Zumindest mit dem Apothekencannabis wird man so den Drogenhandel nicht eindämmen können.


Auf Infos, welche Sorten angebaut werden dürfen, bin ich leider bisher noch nicht gestossen.

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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » So 23. Jul 2017, 06:45

"Morgens Mate, abends Marihuana

Uruguay in Südamerika ist der erste Staat der Welt, der Marihuana komplett legalisiert hat. Seitdem wird es nicht unbedingt mehr konsumiert, aber sichtbarer. Viele junge Leute bauen Cannabis selber an, beschäftigen sich mit der Heilwirkung der Pflanze - und erfinden neue Produkte.
...
Mehrheit der Uruguayer sieht Legalisierung skeptisch

Jugendliche fühlen sich ausgeschlossen, weil sie nicht kiffen. Auch wegen solcher Folgen sieht die Mehrheit der Uruguayer die Legalisierung laut Umfragen skeptisch. Allerdings geben die Statistiken bisher keinen Grund, Alarm zu schlagen. Der Konsum ist in den letzten vier Jahren nicht bedeutend gestiegen. Es wird nur offener konsumiert. Der würzige Duft von Marihuana liegt in Montevideo häufig in der Luft: im Fußballstadion, am Strand, im Café. Da der legale Verkauf erst in diesen Tagen beginnt, haben viele Uruguayer in den letzten Jahren angefangen, sich selbst zu versorgen - wie Federico Moleri.

Federico will sein Extrakt seinem Opa verabreichen. Der hat Parkinson. Marihuana soll da beruhigen und das Zittern stoppen.
...
Bienen hat er schon – und natürlich Cannabis. Dabei geht es ihm beim Marihuana nicht nur um den Rausch, sondern auch um den Anbau an sich.
...
In einem anderen Glas hat Federico Marihuana in Olivenöl eingelegt. Das wird er mit Bienenwachs mischen. Am Ende hat er dann eine Salbe, die könnte vielleicht der Großtante seiner Freundin helfen, die an starken Rückenschmerzen leidet. Do-It-Yourself – Möbel bauen, gärtnern, einwecken – das ist ein weltweiter Trend. In Uruguay ist oft Cannabis mit im Spiel.
...
"Es ist in Uruguay gerade wirklich sehr in Mode, sich mit Marihuana zu beschäftigen. Die Neugierde ist groß und es kursieren viele Informationen im Netz. Wir zeigen hier im Kurs, dass man die Pflanze mit Sorgfalt nutzen muss. Das ist wichtig für die Sicherheit der Leute."
...
Einige Uruguayer hoffen, dass aus dem Trend bald auch eine Chance für das Land wird – Marihuana-Produkte als Exportschlager. Der Direktor des Cannabis-Museums, Eduardo Blasina, selber Landwirt und Cannabis-Bauer, beobachtet die Entwicklung genau:

"Mein Traum ist, dass Uruguay in fünf Jahren Südamerika mit Marihuana-Medikamenten versorgt. Und ich hoffe, dass wir viele Dinge erfinden, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Bekannte von mir stellen Cannabis-Pasta her. Sehr lecker. Ein Winzer aus Argentinien hat angefangen, Champanabis herzustellen – Sekt mit Cannabis."

Vom uruguayischen Staat bekommen solche Initiativen allerdings kaum Unterstützung. Der aktuelle Präsident Tabaré Vázquez ist ein Gegner der Cannabis-Legalisierung, die sein Vorgänger José Mujica beschlossen hat. Initiativen, um medizinisches Cannabis im großen Stil herzustellen, haben die Behörden bisher gestoppt. Und auch die Hersteller der Marihuana-Mate warten immer noch auf ein OK der Gesundheitsbehörden, um es zu verkaufen."


http://www.deutschlandfunk.de/cannabis- ... _id=391742

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Martin Mainz
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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Martin Mainz » So 20. Aug 2017, 21:35

Apotheken in Uruguay werden aufgrund legalen Hanfhandels von Banken verschmäht

https://hanfjournal.de/2017/08/18/apoth ... rschmaeht/

"Nachdem man in Uruguay fortschrittliche Wege einschlug, um die eigene Bevölkerung von Schwarzmarkthändlern illegaler Substanzen fernzuhalten, scheinen sich unerwartete Hürden im ersten Land der Re-Legalisierung von Cannabis aufzutun. Die Apotheken in Uruguay werden aufgrund legalen Hanfhandels von Banken verschmäht und müssen um ihre bisher gepflegten Geldkonten bangen. Entweder der Cannabisverkauf würde eingestellt, oder man verzichte auf den ehemals geschätzten Kunden, heißt es aufseiten der Geldinstitute.
...
Selbst wenn die Regierung in Uruguay keine strafrechtliche Verfolgung für den öffentlich stattfindenden Handel mit Cannabis vorsieht – sogar hinter dem staatlichen Vertrieb steht – fühlen die Banken des mutigen Landes ihre Hände an das international geltende Recht gebunden.
"

Selbes Problem wie in den USA - da haben wir endlich mal einen Punkt, der bei uns besser klappt. Die Banken zieren sich hierzulande nicht, das Geld von Apotheken anzunehmen - auch wenn die aktuell ja nix in der Richtung zu verkaufen haben.
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Re: Effekte der Legalisierung in Uruguay

Beitrag von Sabine » Mo 28. Aug 2017, 07:35

Hier ist das mit den Banken noch etwas ausführlicher dargestellt :

"Probleme beim Marihuana-Verkauf in Uruguay
Der legale Verkauf von Cannabisprodukten durch Apotheken wird von den Banken boykottiert. Sie drohen mit der Sperrung von Konten
...
In Uruguay selbst haben die Banken damit keine rechtlichen Probleme, da ihre Kunden dort aufgrund des Cannabis-Vertriebs nicht verfolgt werden, aber international, vor allem bei Geschäften in den USA. Diesem Widerspruch begegnet Jorge Polgar, Präsident der staatlichen Banco de la República eindeutig: "Wir werden keine Beziehung zu den Apotheken aufnehmen, die Genehmigungen zum Marihuana-Vertrieb erhalten haben, um eine internationale Isolierung der Bank zu vermeiden", erklärte er.
...
Neben technischen und juristischen Problemen gibt es politisch und auf gesellschaftlicher Ebene rund um die Frage teils heftige Auseinandersetzungen. Im populären Lifestyle-Magazin "Vice" wird Uruguay als die Cannabis-Republik mit Vorbildcharakter gepriesen. Der Ex-Präsident und aktuelle Senator José Pepe Mujica gilt als Held und Vorreiter für die weltweite Legalisierungsbewegung. In Uruguay selbst ist sein Ansatz, dem Drogenhandel durch Legalisierung entgegenzutreten, jedoch umstritten, zudem sehen viele – vor allem Datenschützer – die Privatsphäre der Cannabiskonsumenten bedroht. Vor der weitreichenden neuen Gesetzgebung wären die Konsumenten liberaler behandelt worden, konstatiert ein Blogger.

"Es stört mich, dass ein Experiment, das weltweite Anerkennung genießt, sterben gelassen werden soll", erklärte Mujica, als er von der Banksperre erfuhr. Und er holte noch weiter aus, sieht gar die Demokratie bedroht und bezeichnet die Banken als Handlanger der Drogenhändler. "Wenn der Verkauf gestoppt wird, wird das die komplette Parlamentsarbeit lahmlegen", sagte der 82-jährige.
...
Unterdessen hat die Regierung versprochen, sich in dieser Woche mit den Apotheken zusammenzusetzen, um eine Lösung zu finden."


https://amerika21.de/2017/08/183602/pro ... uf-uruguay

Könnten unsere Banken hier auch auf die Idee kommen ? :?

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