Guten Tag zusammen, ich bin 27 Jahre alt und leide unter AD(H)S und Depressionen, ich denke mal eine leichte Sozialphobie kommt auch noch dazu. Die AD(H)S wurde in meiner Kindheit (8-9) festgestellt durch Auffälligkeiten wie fehlendes Konzentrations-/Aufmerksamkeitsvermögen, Impulsivität, leichte Reizbarkeit, verminderte Stresstoleranz und Vergesslichkeit. Die Schulischen Leistungen sahen in der Grundschule auch dementsprechend aus. Daraufhin wurde ich eine eine Tagesklinik eingewiesen und wurde auf Ritalin eingestellt, was aber leider mehr Schaden als Nutzen hatte, ich wurde viel Impulsiver und Wutausbrüche gehörten fast zur Tagesordnung, Nachts schlafen Fehlanzeige und die Konzentrations/Aufmerksamkeitsschwäche wurde nur leicht bis kaum abgeschwächt. Dieses Medikament hatte ich knapp 2 Jahre lang genommen und wurde danach auf Concerta umgestellt. Viel hat sich nicht dadurch geändert, außer das ich noch weniger schlafen konnte. Kurze Zeit später kam Strattera auf dem Markt und ich wurde daraufhin umgestellt auf dieses Medikament. Viel hat sich durch dieses neue Medi auch nicht geändert, ich konnte zwar etwas besser schlafen, war aber dafür den ganzen Tag nur müde und hatte oft Magen-/Darmkrämpfe wo ich mich nur noch hinlegen konnte und starke Schmerzen hatte, dies war meist nach 10-20 Minuten wieder vorbei. Nach mehreren Monaten bin ich dann auf Medikinet umgestiegen und habe die auch bis ich 15 war genommen. Wirklich geholfen hat es mir nie weil ich dadurch zu einer Tickenden Zeitbombe wurde (genau wie bei den anderen Medi´s). Ich konnte mich etwas besser Konzentrieren damit, ließ mich aber immer noch durch jeden scheiß aus der Konzentration reißen. Es hat gereicht wenn sich irgendwas in meinem Peripheren Sichtfeld bewegt hat und ich war raus und konnte mich kaum auf die Arbeit Fokussieren. Die Schlafstörungen waren natürlich auch nicht gerade leistungsfördernd. Naja soweit sogut, nachdem ich das Medikament abgesetzt hatte ging auch meine Reizbarkeit und Impulsivität wieder etwas runter, ich bin nicht mehr bei jeder Kleinigkeit abgedreht.Das schlafen wurde auch wieder besser. Diese Medikamente haben die Situation eher verschlechtert als verbessert. Was bringt es einem wenn man sich ein bisschen besser Konzentrieren kann aber eine tickende total übermüdete Zeitbombe ist.
Ich hatte ja auch geschrieben leichte Sozialphobie, aber das ist eher eine Vermutung als eine gefestigte Diagnose, weil ich starke Probleme habe mit mir unbekannten Personen in Kontakt zu treten, Panik kriege wenn ich im Mittelpunkt stehe, versuche Blickkontakt zu vermeiden solange es geht, Spreche so wenig wie möglich aus Angst mich zu blamieren. In der Stadt jemanden nach einer Wegbeschreibung zu fragen ist mit puren Stress verbunden und nur mit langen sich selber Mut zusprechen möglich.
Die depressive Grundstimmung hat sich langsam nach dem Absetzen des AD(H)S Medikaments manifestiert. Das ging ziemlich schleichend von statten. Ich habe mich immer weiter zurückgezogen und hatte oft Gedankenspiralen und keine Lust auf gar nichts mehr. Dazu kam auch noch das ich von fast der ganzen Schule gemobbt wurde.
Wegen den Depressionen hatte ich mich mit 19 in eine Klinik begeben um mich behandeln zu lassen. Bei der Aufnahme hab ich auch erwähnt das ich AD(H)S Diagnostiziert bin, was aber komplett nicht beachtet wurde. Naja, da wurde ich auf Sertralin eingestellt. Es hat zum Teil geholfen, die depressive Stimmung war abgemildert, die Sozialphobie auch etwas. Wären da nicht die Nebenwirkungen gewesen. Ich hab mich nicht als ich selbst gefühlt, war die ganze Zeit über hibbelig und sowas wie ein befriedigendes Sexualleben gab es auch nicht mehr. Es macht halt kein Spaß und zieht ein echt runter wenn man nach über einer stunde immer noch nicht fertig ist. Meiner damaligen Partnerin hat das auch ziemlich zu schaffen gemacht. Knapp ein Jahr habe ich es geschafft diese Tabletten zu nehmen, länger waren die Nebenwirkungen nicht zu ertragen. Ein Knappes Jahr später hatte ich mich wieder einweisen lassen und ein anderes AD bekommen. Venlafaxin... nach ein paar Tagen hatte ich mir den ganzen linken Arm blutig gekratzt und hatte nur noch Selbstmordgedanken. Daraufhin hatte ich wieder Sertralin genommen, aber auch nur maximal 6 Monate weil die Nebenwirkungen nicht Tragbar waren. Daraufhin habe ich mich etwas intensiver mit dem Thema AD beschäftigt und mir ist fast schlecht geworden als ich die Nebenwirkungen gegen die Wirkungen gestellt habe. Alleine schon die Körperliche Abhängigkeit die man nach einem längeren gebrauch entwickelt war es mir schon nicht wert. Danach war das Thema auch erstmal durch für mich.
So jetzt kommen wir zum Kiffen. Das erste mal hab ich mit 15 etwas mitgeraucht, habe aber außer Übelkeit und erbrechen keine Wirkung gehabt. Mit 18 hatte ich dann das nächste mal bei jemanden mitgeraucht und war auch ziemlich Stoned. Hat mir natürlich gut gefallen, ich hatte endlich ein Gefühl von Ruhe, konnte lachen und grinsen und die depressive Stimmung war auch wie weggeblasen. Das ist mir aber erst Rückwirkung so aufgefallen. Damals hatte mich nur das "high" interessiert und das ich abschalten konnte. Hab dann bis ich 21 war jede paar Monate mal ein mitgeraucht wenn sich die Gelegenheit geboten hat. Dann hatte ich das erste mal Kontakt zu einem "Apotheker" (jetzt weiß ich auch warum ich meine Dealer immer so genannt habe

) Naja wie man es sich denken kann ist es dann zum Regelmäßigen Konsum gekommen. Ich hatte immer 1-2 Monate lang geraucht und wenn die Wirkung nachgelassen hat 4-6 Wochen Pause eingelegt, ich wollte einfach nur high sein und abschalten können. Das ging etwas über ein Jahr so in der ich mal Phasen hatte wo es mir super ging, ich mich lange konzentrieren und fokussieren konnte, nicht mehr so impulsive war und meine Gefühle besser kontrollieren konnte. Nach diesen Jahre hatte ich 4 Jahre lang nicht mehr konsumiert. Dann hab ich eines Tages wieder angefangen, erstmal immer wieder ab und zu und nach einer Zeit wieder Täglich und diesmal ohne Pausen einzulegen. Nach ca. 3-4 Monaten des Täglichen Konsums sind mir dann nach und nach die Verbesserung meiner Lebensqualität aufgefallen. Ich war insgesamt Entspannter, konnte meine Gefühle besser kontrollieren die Impulsivität ist zurückgegangen, depressive Stimmungen kannte ich nicht mehr und meine Konzentrationsfähigkeit hat sich verbessert. Ich konnte auch endlich mal länger mein Fokus auf Aufgaben legen und ließ mich nicht mehr so schnell ablenken. Ich konnte auch das erste mal in mein Leben in mich gehen und über meine Gedanken und Gefühle nachdenken ohne direkt abzuschweifen. Selbstreflexion, das kannte/konnte ich vorher gar nicht.
Das erste AHA-Erlebnis hat eingesetzt. Kann es etwa sein das Kiffen!? mir hilft? Ich natürlich direkt Google bemüht und die ersten Ergebnisse waren Ernüchternd. Ich hatte kaum Information zu AD(H)S und Cannabis gefunden, meistens halt nur die Standart Prohibitions Gehirnwäsche. Nach und nach aber habe ich immer öfters Evidenzen gefunden das Cannabis bei AD(H)S helfen kann und sich das auch mit meinen Erfahrungen deckt.
Vor 2 Wochen dann hab ich mal die Eier gehabt mit meiner Großmutter und Tante über Cannabis als Medizin zu sprechen. Wie man es sich vorstellen kann waren die nicht wirklich begeistert von der Idee. Das ich "ab und zu" was rauche wussten die ja, aber "bekifft" hatten die mich nie kennengelernt. Naja, ein paar YT Videos, Patienten- und Fallberichten später waren die von der Idee einer Cannabis Therapie nicht mehr gänzlich abgeneigt. Am Nächsten Tag habe ich mich "high" mit denen zusammengesetzt hatten wieder über das Thema gesprochen. Nach nicht mal 5 Min fragt meine Tante ob ich was genommen hätte, ich könnte viel offener mit ihr reden, Augenkontakt halten und nicht mehr so Desinteressiert wirken und nicht so oft abschweifen. Sie waren überzeugt und haben mir ihre Unterstützung zugesichert.
Jetzt aber kommt der Knackpunkt, ein Arzt zu finden der das unterstützt und ein nicht direkt in ein Suchtprogramm stecken will. Da ich von Harz4 lebe fallen leider die über das Internet auffindbaren Ärzte aus weil ich es mir nicht leisten kann durch halb Deutschland zu fahren. Deshalb meine Frage, hätte jemand ein Arzt Tipp im Umkreis Herne/Bochum/Gelsenkirchen der ein nicht direkt in die Suchtberatung schicken will? Ein ticken weiter im Umkreis geht auch wenn ich meine Tante frage ob sie mich fährt.
Ich bedanke mich schon mal im voraus für jeden Tipp und Entschuldigung für diese Wall of Text