Murphhyy hat geschrieben: Mo 11. Mai 2020, 12:07
Hallo Forum,
Ich konsumiere jetzt nunmehr seit 10 Jahren Cannabis, was ich auch bereits im Vorstellungstread beschrieben habe. Nun aber denke ich, dass es vielleicht mal Zeit wäre für eine Änderung in meinem Leben.
Da ich gefühlt immer auf der Stelle bleibe und mich mit THC nur von meinen Problemen ablencke anstatt sie zu bekämpfen.
Daher möchte ich mit dem Konsum von THC aufhören. Ich möchte nur noch CBD zu mir nehmen. Es mag eine komische Frage sein, aber was haltet ihr davon?
Gerne auch kritische Beiträge
Die Unterstreichung im Vollzitat des Startpost stammt von mir, ist m.E. der Kern der Sache: "meine Probleme". Wie diese Probleme aussehen, können wir hier natürlich nicht wissen und es ist sehr legitim, die Natur dieser Probleme hier nicht "breitzutreten".
Aber von der Natur der Probleme hängt es ab, auf welche Weise man sie "zielführend" bekämpfen kann. Es gibt Probleme mit der Aussenwelt und Probleme in der Innenwelt der Psyche. Ein Freund von mir hatte zB massive Probleme mit der Aussenwelt aufgrund eines einzelnen Ereignisses, das sein ganzes Leben aus der Bahn geworfen hatte: er hatte seine Frau mit seinem damaligen besten Freund zusammen im Bett erwischt und seinem bis dahin besten Freund darob den Kiefer eingeschlagen. Behandlungskosten im oberen 5-stelligen Bereich, Ehescheidung, Notverkauf des gerade gekauften Hauses, Unterhalt für Frau und Kind ... trotz sehr guten Jobs lebte er ca 15 Jahre lang vom "Sozialhilfesatz" - das Cannabis hat ihm in dieser sehr langen, schwarzen Zeit geholfen, seelisch und auch sozial "über Wasser zu bleiben". Er ist nicht "abgeglitten" in die "Drogenszene", sondern hat im Gegenteil Zugang zur Kreisen gefunden, die ihn mit getragen haben in dieser seiner schwarzen Zeit, die allmählich doch zu einer "guten Zeit" für ihn wurde. Er ist an seinem Schicksal gewachsen und Cannabis war, bildlich gesprochen, ein Dünger für dieses Wachstum.
Ich selbst habe massive psychische Probleme, die "austherapiert" sind - aber "nur" gelindert werden konnten. Ich werde übermorgen 57 Jahre, da ist es eben fast unmöglich, pathologische "Routinen" innerhalb der Psyche, die auch schon ein halbes Jahrhundert alt sind, völlig aufzulösen. Mein Cannabis bekomme ich aus der Apotheke auf Rezept von meinem Psychiater. Trotzdem war meine Psychotherapie nicht umsonst - ohne die zentrale Psychoanalyse wäre ich heute wahrscheinlich schon tot. Wenn ich meine Lebenssituation zu Beginn der Therapie mit heute vergleiche, ist es mir immerhin gelungen, wieder eine recht hohe Lebensqualität zu erreichen.
Damit wollte ich nur 2 Beispiele geben, die Vielfalt der Probleme mit der Aussen- und Innenwelt ist enorm.
Probleme mit der Innenwelt der Psyche können "auf Rezept" und Kostenübernahme durch die GKV im Wege der Psychotherapie angegangen werden. Je jünger man ist, um so größer sind die Chancen auf eine vollständige Heilung.
Probleme mit der Aussenwelt, wie solch erdrückende Schulden in meinem obigen Beispiel, können unter Umständen auch durch entsprechende Fachleute aus dem Anwaltsstand gelöst werden - aber für die richtig massiven Probleme mit der Aussenwelt gibt es keine gesetzliche oder private Versicherung, der Betroffene muß den Fachmann selbst bezahlen und gute Anwälte sind sehr schwer zu finden und recht teuer. Je nach der "Natur der Probleme" können auch andere Fachleute in Frage kommen.
Ich glaube nicht, daß "Deine Probleme" einer Lösung alleine dadurch näher kommen, auf THC verzichten zu wollen, sondern meine, daß der Weg so aussehen sollte, daß "Deine Probleme" mit fachkundiger Hilfe 'analysiert' werden, ihre u.U. bislang unbekannte Ursache ermittelt und von daher eine Strategie zur "nachhaltigen" Lösung der "Probleme" entwickelt und umgesetzt wird. Das ist ein Prozess, der u.U. einige Jahre in Anspruch nimmt - aber es lohnt sich: am Ende steht zwar - leider - nicht die Gewissheit, aber die sehr große Chance, sein Leben wieder in die eigenen Hände zu bekommen.
THC-Cannabis ist sicherlich keine Lösung für ungelöste Probleme, aber eine Möglichkeit mit ungelösten Problemen "halbwegs leben zu können" - und kann auch dazu beitragen, die "nachhaltige" Lösung dieser Probleme erträglich zu halten, denn diese "nachhaltigen" Lösungen können auch sehr schmerzlich sein.
Ich würde daher anheimstellen wollen, die Frage "CBD statt THC" zurückzustellen und in ganz anderen Richtungen zu denken.