Soo ich war gestern in "Welche Droge passt zu mir" und ich muss sagen ich bin wirklich begeistert.
Ich habe mir davor keine Kritik oder Artikel dazu durchgelesen und konnte mir wirklich gar nicht vorstellen was mich erwartet.
An sich ist es ein Monolog, also ein Stück mit einer Schauspielerin.
Sie spielt die Rolle einer 38 jährigen Hausfrau, die von ihren Erfahrungen erzählt die sie in den letzten paar Jahren gemacht hat. Ihre Erfahrungen rund um Drogen. Davor nie Drogen konsumiert, dann bekommt sie eine XTC von einem der Handwerker, die das Dach in ihrer Wohnung reparieren. Damit beginnt für sie mit ihren Worten "Der Schritt über eine Schelle, zu einem neuen Pfad"
Das alles klingt so jetzt vllt erstmal ziemlich öde. Es war jedoch meiner Meinung nach eine schauspielerische Meisterleistung diese Rolle so genial umzusetzen.
Zum Anfang des Stücks bekommt man den Eindruck die Frau sei eine bodenständige Person, die einen sehr sachlichen Vortrag ihrer Erlebnisse präsentieren möchte. Gleichzeitig bekommt man aber auch ein wenig das Gefühl, die Frau sei ein wenig skurril, vllt. sogar verrückt. Sie erzählt viel vom menschlichen Geist, Überwindung von Schritten die einem schwer erscheinen und Charakterstärke. Immer wieder von Zitaten von dem Philosoph Seneca untermauert. (Siehe z.B. die Beschreibung des Stücks auf der Seite des Ulmer Theaters)
Alles auf einem schmalen Grad zwischen Glaubwürdigkeit und Übertreibung. Auch das trägt dazu bei, die Person nicht richtig einschätzen zu können. Und gerade das macht es so interessant.
Gegen Mitte des Stück merkt man deutlich, wie die Hausfrau (Man erfährt keinen Namen) immer euphorischer wird in ihren Erzählungen. Gerade wenn sie von ihren Liebesgefühlen unter XTC, ihrem Mut und ihr Selbstbewusstsein unter Kokain oder ihren Tatendrang unter Speed erzählt, werden ihre Erzählungen laut, ein wenig hektisch und voller Euphorie.
Letztendlich merkt sie dann jedes Mal wenn Sie zu weit geht und "aus ihrer Haut fährt". Sie wird wieder ernst und sachlich. Diese Umschwünge kommen einem fast schon ein wenig "schizophren" vor und sind natürlich ziemlich lustig.
Nun ja, ich könnte noch ewig drüber schreiben, weil in diesem Stück viel Ironie und Stoff zum Nachdenken vermittelt wird.
Letztendlich würde ich aber sagen das Stück ist definitiv nur "Pro Drogen"
Das geniale daran: Jeder der nicht viel mit der Thematik zu tun hat und sich dieses Stück ansieht wird sich höchstwahrscheinlich danach denken dass sie im Allgemeinen mit allem Recht hat und Drogen wohl nicht so schlimm sind wie vllt. angenommen. Es kristallisiert sich klar heraus, dass Drogen nicht nur Leben zerstören, sondern auch helfen können und nützlich sind um Gedanken zu entknoten oder Gefühle zu zeigen die sonst vllt. nicht möglich sind.
Gleichzeitig denkt sich vermutlich aber auch jeder: "Wenn ich so werde wie diese Frau, dann ja wohl lieber nicht!"
Das alles strahlt eine wahnsinnige Ironie aus, da die "Pro Drogen" Seite über die Erzählung der Frau vermittelt wird und die Contra Seite durch den Charakter der Frau.
Ich weiß nicht ob man mit dieser Beschreibung überhaupt einen Eindruck vom Stück bekommen kann, aber ich kanns nicht besser erklären. Vllt. weil ich mir auch selber immer noch nicht sicher bin ob ich alles richtig aufgefasst habe.
Jedenfalls ein toller Abend, und mal etwas komplett anderes. Hatte ich bisher so noch nie erlebt.
PS: Cannabis wird so nicht erwähnt und auch nicht in der Geschichte der Hausfrau einzeln behandelt (Nur Alkohol, Medikamente, XTC, Kokain, Speed und LSD werden einzeln angesprochen).