Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Entkriminalisierung und gemeinschaftlicher Anbau sind nur ein Zwischenschritt: aber wohin?
pepre
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

FraFraFrankenstein hat geschrieben: Do 16. Jun 2022, 13:53 Ich bin dafür, im Rahmen der Legalisierung von Cannabis, im gleichen Zug auch LSD, MDMA und Kokain in kleinen Mengen an Endverbraucher zu verkaufen.
Ach, wenn es so einfach wäre... :roll: Wie man jetzt schön beim Cannabis sieht ist die Herkunfts- und Qualitätskontrolle immens wichtig. Einfach nur "reiner Stoff" reicht eben nicht, sonst hast du ruckzuck wieder Ausbeutung, Schwarzmarkt und Drogenkartelle mit im Boot. Es muss jeder Schritt zertifiziert sein: Anbau, Herstellung, Veredelung, Transport und Vertrieb. Dann allerdings spricht nichts gegen die allgemeine Drogen-Legalisierung.

Parallel dazu: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung! Dieser Baustein ist der allerwichtigste. Es gibt quasi keine Kultur für den Umgang mit diesen Stoffen. Das will gelernt sein: Set und Setting, Wirkungsweise, Neben- und Nachwirkungen, Kontraindikationen, Dosis, Frequenz, Dauer, Erholungszeiten, usw usf... Und bitte für alle Drogen, auch die jetzt legalen.
Cannabis ist echt nichts für Apotheken. Die verkaufen ja auch keinen Rotwein.
Quatsch. Jede Apotheke, die das verkaufen WILL, sollte das auch können. - Ohne Apotheken als bestehende Infrastruktur wird man nach der Legalisierung den Vertrieb gar nicht so schnell wie erforderlich in die Fläche bringen können. Dann würden sich wieder Hotspots mit allen unangenehmen Seiteneffekten bilden. Das will kein Mensch, das wäre Gratis-Propaganda-Futter für die Prohibitionisten.
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FraFraFrankenstein
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von FraFraFrankenstein »

Na, da haben wir den Salat. Die Legalisierung hat gerade erst begonnen, und es wird schon um Marktanteile geschachert, als wären wir hier auf dem Bazaar. :x Für mich sind Apotheken kein Ort für Genusscannabis. Meine Meinung.

FraFra
Rauch gehört nicht in die Lunge. Rauchen ist die schlechteste Art Cannabis zu konsumieren. Vapen ist da wesentlich besser geeignet. Maximal 200°C
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

FraFraFrankenstein hat geschrieben: Sa 18. Jun 2022, 14:21 Na, da haben wir den Salat. Die Legalisierung hat gerade erst begonnen, und es wird schon um Marktanteile geschachert, als wären wir hier auf dem Bazaar.
Hum?! Wer schachert wo?
Für mich sind Apotheken kein Ort für Genusscannabis. Meine Meinung.
Ja, ok, niemand zwingt dich, kein Problem also. :lol: Aber Landbewohner zu zwingen 50km oder mehr in die nächste größere Stadt zu fahren, weil da der nächste Shop ist, wäre halt schon eines.

Es kristallisiert sich ja eh langsam aber sicher heraus, dass Apotheken - außer seeehr ambitionierte ;-) - eher ein einfaches Basis-Sortiment anbieten würden, that's all. Zuviel Aufwand sonst. (Zumindest, wenn man die ApothekerInnen selbst fragt und nicht irgendwelche Sprecher von irgendwelchen Verbänden, die immer gerne Luftschlösser bauen.)
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FraFraFrankenstein
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von FraFraFrankenstein »

Auf dem Land kann es meinetwegen der Metzger oder der Bäcker verkaufen. Zur Not kann es Sonderverkauf im Schützenverein oder bei der Freiwilligen Feuerwehr geben.
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Legalisierung aller Drogen

Beitrag von pepre »

Vape67 hat geschrieben: So 30. Apr 2023, 09:59... Kiffen ist für die Junge Generation kaum Interessant. Die geben sich mehr Speed, MDMA, Uppers Downers usw. ...
Ja, korrekt, das ist der Stand der Dinge. Zudem: wirklich viele Konsumenten sind polytox unterwegs. Bei den Jugendlichen wird unkritisch jede bunte Pille eingeworfen, die gerade zu haben und "angesagt" ist. Vielen ist es völlig wurst, was da genau drin ist. Durch die Kriminalisierung der Drogen schreckt man so gut wie niemanden ab.

Wenn man Wissenschaft und Volksgesundheit zusammenbringen will, dann bleibt faktisch nur die Option "Alle Drogen legalisieren". Denn nur dann hat man Klarheit über Dosis und Reinheit. Meinethalben könnte man die Konsumenten sogar monitoren, damit man problematisches Suchtverhalten frühzeitig entdeckt und Hilfe anbieten kann. Natürlich müsste diese Datenerhebung auf rein medizinische Zwecke beschränkt sein. Der Staat bekommt bestenfalls anonymisierte Statistiken. Damit hätte er jedoch genug Infos, um über den Markt zu regulieren und Aufklärung, Prävention und Hilfsangebote effizient gestalten zu können.

Aber solange die Politik im quasireligiösen Dogma "psychoaktive Drogen sind des Teufels" festhängt, wird das wohl nix mit der Vernunft.

PS: Liebe konservative Politiker! "Die gute alte Zeit" ist ein Hirngespinst. Der Rausch hat sich niemals nur auf bierseelige Feuerwehrfeste, Kirchweihen, Weinfeste oder "den guten Tropfen in geselliger Runde" beschränkt. Drogen aller Art ziehen sich wie ein roter Faden durch Kunst und Kultur der Zivilisation. Sie sind Teil der Welt und kein Verbot wird das jemals ändern. Es wird Zeit, dies einfach mal zu akzeptieren. Sorry, wenn das desillusionierend ist. - Das Einzige, was das Verbot tatsächlich bewirkt: hochwirksame Stoffgruppen sind aus der medizinische Forschung so gut wie verbannt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat das Tausenden von psychisch Erkrankten das Leben gekostet (s. z.B. Forschung Halluzinogene/Depression und MDMA/PTBS). Und noch viel mehr - ansonsten unbescholtenen - Menschen hat die Kriminalisierung ihre Existenz zerstört. Ist es wirklich und wahrhaftig alternativlos wegen eines populistischen Wahlkampfthemas buchstäblich über Leichen zu gehen?
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Re: Legalisierung aller Drogen

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: So 30. Apr 2023, 10:52Zudem: wirklich viele Konsumenten sind polytox unterwegs. Bei den Jugendlichen wird unkritisch jede bunte Pille eingeworfen, die gerade zu haben und "angesagt" ist. Vielen ist es völlig wurst, was da genau drin ist. Durch die Kriminalisierung der Drogen schreckt man so gut wie niemanden ab.
Oder das legal verfügbare wird exzessiv genutzt, wie Energy Drinks.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

Podcast: https://download.deutschlandfunk.de/fil ... c4045d.mp3
Mit Fentanyl weltweit im Geschäft

In den USA gibt es jährlich über 100.000 Drogentote. Die meisten sterben an einer Fentanyl-Überdosis. Mexikanische Kartelle verteilen es, die chemischen Bestandteile kommen aus China und Indien – das Netzwerk ist international.
Home of the brave: von Oxycodon über Heroin zu Fentanyl... :roll: :(

Meine Interpretation: der ganze "Krieg gegen Drogen" ist nicht zu gewinnen. Er schafft nur immer mehr Leid, Elend und Tod. Der Bericht zeigt das in aller Deutlichkeit auf. Wenn das Fentanyl nun auch noch als Streckmittel in Europa breit Fuß fasst, dann brennt die Hütte.

Auf der anderen Seite wäre es so leicht: Abgabe von sauberer, dosierter Ware mit medizinischem (nicht staatlichem!) Monitoring.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Do 7. Sep 2023, 09:13 Home of the brave: von Oxycodon über Heroin zu Fentanyl... :roll: :(

Meine Interpretation: der ganze "Krieg gegen Drogen" ist nicht zu gewinnen. Er schafft nur immer mehr Leid, Elend und Tod. Der Bericht zeigt das in aller Deutlichkeit auf. Wenn das Fentanyl nun auch noch als Streckmittel in Europa breit Fuß fasst, dann brennt die Hütte.

Auf der anderen Seite wäre es so leicht: Abgabe von sauberer, dosierter Ware mit medizinischem (nicht staatlichem!) Monitoring.
100000 Tote, Landsleute, sind wohl noch zu wenig.

Nicht mal bei den Opfern durch von Ärzten verschriebenes habe ich von einer unkonventionellen praktikablen Lösung gehört.

Das ganze gehört unter das Thema Religion, ob man den "Krieg gegen Drogen" anzweifelt oder im Iran das Kopftuch für Frauen, bei beiden hat man es mit Hardlinern zu tun die bestehendes weiter machen.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.zeit.de/gesundheit/2023-09/ ... genpolitik
"Ich fordere die Legalisierung aller Drogen"
Interview mit Heino Stöver.

Stöver leitet das Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences und engagiert sich seit den Achtzigerjahren in der akzeptierenden Drogenarbeit. Er ist Mitglied im Schildower Kreis, einem Zusammenschluss von Experten und Forschenden, die eine Legalisierung von Drogen befürworten.
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Re: Legalisierung aller Drogen

Beitrag von Grüner Daumen »

Vape67 hat geschrieben: So 30. Apr 2023, 09:59... Kiffen ist für die Junge Generation kaum Interessant. Die geben sich mehr Speed, MDMA, Uppers Downers usw. ...


Lachgas scheint wohl durch einen tiktok Trend auch in Mode gekommen zu sein. Achtet mal darauf wenn ihr die typischen "ich bin der Checker-Teenies" mit Luftballons durch die Nacht streifen seht.

Frei erhältlich und da die Rauschwirkung nur einige Minuten anhält muss ständig und durchgehend nachdosiert werden. Gefahren bei Abusus? Ja sicher. Nervenschäden, welche bis zur Invalidität führen.
"Ich fordere die Legalisierung aller Drogen"

Im Prinzip ja bitte. Auch wenn der Shit-Storm jetzt losgeht. Nicht hier in Deutschland. Wir haben soziale Absicherungssysteme. Mir persönlich ist es sogar ein Dorn im Auge, dass die Solidargemeinschaft für den Nikotin/Alkohol Abusus und der daraus entstehenden Krankheiten zahlen muss.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.derstandard.at/story/300000 ... elfen-soll
Ein High, das der Psyche helfen soll ... Der Ecstasy-Wirkstoff MDMA kann die Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen unterstützen. Eine neue Studie bestätigt positive Erkenntnisse ...
Lesenswert, wenn auch nix Neues.

Zumindest hat das Totalverbot der Amphetamine/-Derivate die medizinische Forschung nicht ganz so krass zurück geworfen, wie bei Hanf und den Halluzinogenen. Und etliche Staaten hatten (und haben?) ja sowieso kein Problem damit ihre kämpfenden Truppen damit aufzuputschen. Doppelmoral halt, wie immer.

Jedenfalls ist der private Gebrauch hoch. Das läßt sich schon allein daraus ableiten, dass die meisten Drug-Checking-Projekte primär die Pillen im Blick haben, die sich die Leute einpfeifen. Und in universitären Kreisen wird Amphetamin nicht selten als Lernhilfe vor Prüfungen und in den Prüfungen selbst als Angstlöser genutzt. Da wäre es ebenfalls immens hilfreich, wenn reine Substanzen und exakte Dosierungen verfügbar wären.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Grüner Daumen »

pepre hat geschrieben: Do 19. Okt 2023, 09:50 https://www.derstandard.at/story/300000 ... elfen-soll

Und in universitären Kreisen wird Amphetamin nicht selten als Lernhilfe vor Prüfungen und in den Prüfungen selbst als Angstlöser genutzt. Da wäre es ebenfalls immens hilfreich, wenn reine Substanzen und exakte Dosierungen verfügbar wären.
Bin ich damit alleine wenn ich schreibe dass dies ziemlich bedenklich ist? Sicherlich, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Aber ist das ein richtiges Signal an unsere Kinder/Heranwachsenden? Die Analogie zum Doping im Leistungssport ist naheliegend. Irgendwann geht es nicht mehr ohne und dann sind alle auf Droge.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

Grüner Daumen hat geschrieben: Do 19. Okt 2023, 10:28 Bin ich damit alleine wenn ich schreibe dass dies ziemlich bedenklich ist?
Nein. Die Frage ist halt: was geht schneller? Schutz der Konsumenten oder Abkehr von der Leistungsgesellschaft? ;)

Weiterhin: Ecstasy wird ja nicht nur als Leistungsdroge konsumiert.

Außerdem siehst du ja schon bei der CDSU/AfD-Argumentation: da wird quasi ausschließlich die Leistungsfähigkeit der Konsumenten, aka die Nützlichkeit der Menschen für den Wirtschaftsstandort, in den Blick genommen. Dieser ominöse Gehirnboost bei Jugendlichen, you know, da geht es nur um Leistungsfaktoren.

Das Bild der konservativen Prohibitionisten scheint zu sein: Drogenkonsumenten sind sabbernde Vollidioten, die völlig zugedröhnt auf dem Sofa in verschissener Unterhose vor der Glotze liegen, von der Stütze leben und sonst zu gar nichts nütze sind, falls sie nicht gerade mit Beschaffungskriminalität beschäftigt sind. — Kein Wunder: eben dieses Narrativ haben sie selbst jahrzehntelang verbreitet. Mittlerweile glauben sie selbst dogmatisch daran, allen Fakten zum Trotz.

Zudem gilt die Doppelmoral: selbst wenn die Politiker selbst Drogen konsumieren, dann immer unter der Wahrnehmung: "ICH habe kein Problem damit! Nur die anderen können nicht damit umgehen!". Ich erinnere an die legendäre Umfrage zum BGE:
  • "Wenn es ein BGE gäbe, würden sie dann noch arbeiten?" 95% antworten mit "Ja".
  • "Wenn es ein BGE gäbe, würde ihr Nachbar dann noch arbeiten?" 95% antworten mit "Nein".
Sich selbst positiv zu sehen ist halt die primäre Aufgabe der Psyche. Viele der "Entscheider" haben ihr Leben der "Karriere" gewidmet. Damit einher geht eine hohe Selbstdisziplin und Selbstkontrolle. Psychoaktive Drogen stehen dem diametral entgegen, weil sie einen temporären Kontrollverlust bewirken. Das ist schlicht ein Unding für Kontrollsüchtige.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.derstandard.at/story/300000 ... wemmt-wird
Wie Europa mit Koks überschwemmt wird
...
Sobald Behörden Kokafelder beschlagnahmen, werden die Pflanzen in der Nähe wieder angesetzt. Wissenschafter bezeichnen das als den "Ballon-Effekt": Drückt man bei einem Ballon die Luft heraus, verschwindet diese nicht, sondern bewegt sich an einen Ort mit weniger Widerstand. Damit herrscht sowohl in Südamerika als auch in Europa ein "nie endendes Katz-und-Maus-Spiel", wie ein spanischer Ermittler sagte.
...
Tja...
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.merkur.de/lokales/dachau/ka ... 58076.html
Toxikologe im Interview: „Alkohol ist gefährlicher als Cannabis“
...
Wenn man manche Drogen legalisieren würde und damit meine ich nicht, dass man es an der Supermarktkasse verkauft, hätten wir sehr, sehr viele Probleme reduziert oder gar beseitigt.
...
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.abendzeitung-muenchen.de/mu ... art-940404
Interview und Buchvorstellung, Historikerin Helena Barop
"Der große Rausch. Warum Drogen kriminalisiert werden"

... Der Richtungswechsel ist historisch gesehen interessant. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts haben wir in der westlichen Welt einen Konsens, wie wir mit Drogen umgehen: das Verbot. Seit den 90ern und Nullerjahren entsteht hier eine Unsicherheit. Erste Länder haben mit der Dekriminalisierung von Cannabis begonnen. Der Konsens bröckelt. Deutschland ist nicht das erste Land. Wir tun es, nachdem wir internationale Beispiele kennen wie Portugal oder die USA. Diese Gesellschaften sind nicht zusammengebrochen und es hat auch nicht dazu geführt, dass die Menschen nur noch in der Ecke liegen und kiffen. Es gibt sehr moderate Anstiege der Konsumzahlen in diesen Ländern. Im Prinzip ändert sich an den Konsumgruppen nichts, stattdessen hat man sich aber Geld in der Strafverfolgung gespart. Ich finde es unverhältnismäßig, dass wir an den Konzepten festhalten, obwohl wir wissen, dass sich Konsumenten von den Verboten nicht abhalten lassen. Stichwort: Schwarzmarkt. ...
Zumindest ist es ein Plädoyer für einen rationaleren Umgang mit allen Drogen.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

https://www.tagesschau.de/inland/innenp ... l-100.html
Faeser plant schärferes Vorgehen gegen Drogenhandel

Wann begreifen die endlich, dass der "Krieg gegen Drogen" nicht zu gewinnen ist? :roll:

Hat denn die ganze Diskussion um den Hanf gar keine generellen Erkenntnisse gebracht? Mehr Polizei, Militär, usw erreicht nur eines: die organisierte Kriminalität rüstet ebenfalls auf. Wer den Schwarzmarkt eliminieren will, der muss legalisieren. Um Schäden bei Konsumenten zu minimieren bietet sich ein medizinisches (!) Monitoring an. Was soll dieses "unsere Bürger sollen nüchtern sein" eigentlich bezwecken? Auf welcher Moral- oder Glaubensvorstellung¹ beruht das? Man man man...

---
¹ Selbst die Kirchen hatten lange Zeit Hanf und Mohn in den Klostergärten stehen. Und mit den Klosterbrauereien scheffelten sie im Mittelalter satt Gewinne in ihre Kassen. "Gottgewollt" kann es also nicht sein.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Rafa1974 »

Christian Rätsch (R.I.P.) hat mal in einem Video gesagt:" In meiner Welt gibt es keine illegalen Drogen.."

Mehr gibt es nicht zu sagen.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Mo 22. Jan 2024, 07:20 Wann begreifen die endlich, dass der "Krieg gegen Drogen" nicht zu gewinnen ist? :roll:
Du erwartest das von denen die diesen Krieg seit Jahrzehnten führen? "Entschuldigung, wir haben uns geirrt!"?

Wenn ein Krieg geführt wird bei dem Verachtete, Subversive, Fremde betroffen sind ..... wer von den Kriegsführenden sollte da alles "begreifen" wenn dieser Krieg nicht zu gewinnen sein soll? Die Opfer in der eigenen Bevölkerung waren offensichtlich Jahrzehnte kein Grund den Krieg zu beenden.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

Parade hat geschrieben: Mo 22. Jan 2024, 22:53 Du erwartest das von denen die diesen Krieg seit Jahrzehnten führen?
Ich erwarte rationale Einsicht. Selbst in der Politik ist das nicht zuviel erwartet und sollte eigentlich Standard sein. - Defätismus jedenfalls führt nirgendwo hin. Zudem: die medizinische Forschung stellt gerade die Weichen um psychoaktive Substanzen neu zu bewerten. Die Rede ist gar von Game-Changern. Und das völlig zu Recht.

Beim Hanf sehen wir ja schon die ersten, sachten Erkenntnisse heraufdämmern, dass der "Krieg gegen Drogen" verloren ist: er nutzt nur der organisierten Kriminalität und korrupten Machthabern, die durch die Prohibition immer mehr Macht und Geld akkumulieren, während die Gewalt eskaliert, die Bauern sklavenartig ausgebeutet werden und die Konsumenten üblen Dreck in der Ware haben.

Im Prinzip ist das Ganze - mittlerweile global - ein Kulturkampf zwischen Traditionalisten und Progressiven. Dummerweise stehen die Reichen auf der Seite der Traditionalisten; was klar ist, die wollen ja ihre Privilegien behalten. Deshalb fechten sie mit harter medialer Propaganda und massiver Einflussnahme via Lobbyisten in die Politik. Das ist der eigentliche Krieg, der geführt wird. Das, was wir davon erfahren und sehen, sind nur die Auswirkungen dieses Krieges.

Der Krieg gegen Drogen erfüllt mehrere Zwecke:
  • er destabilisiert die Erzeugerstaaten (macht sie leichter manipulierbar)
  • er schafft innere Feindbilder (divide et impera)
  • er kriminalisiert progressive Teile der Bevölkerung
  • er stützt die Pharmaindustrie (hochwirksame Arznei, die quasi überall wächst, schmälert die Umsätze)
  • er ist äußerst lukrativ für die Großhändler, quasi eine Gelddruckmaschine
Verkauft wird das Ganze mit "Volksgesundheit" (für die Rationalisten) und einem "gottesfürchtigen Gebot zur Nüchternheit" (für die Moralisten).

Zudem - und da gebe ich dir völlig Recht - sind die Beharrungskräfte aus Uneinsichtigkeit und Eitelkeit, wie auch die Angst vor Veränderung generell, natürlich riesig. Aber die sterben ja langsam aber sicher weg. ;-)
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Di 23. Jan 2024, 07:25Beim Hanf sehen wir ja schon die ersten, sachten Erkenntnisse heraufdämmern, dass der "Krieg gegen Drogen" verloren ist: er nutzt nur der organisierten Kriminalität und korrupten Machthabern, die durch die Prohibition immer mehr Macht und Geld akkumulieren, während die Gewalt eskaliert, die Bauern sklavenartig ausgebeutet werden und die Konsumenten üblen Dreck in der Ware haben.
Für dich ein Video, englisch, USA Ende 70er oder 80er?
https://www.youtube.com/watch?v=nLsCC0LZxkY

In dem Punkt hat man nicht auf den Mann gehört...

Nur um zu zeigen das es kritische Stimmen zum "Krieg gegen Drogen" auch schon damals gab.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

Parade hat geschrieben: Di 23. Jan 2024, 08:53 Nur um zu zeigen das es kritische Stimmen zum "Krieg gegen Drogen" auch schon damals gab.
Das ist mir alles klar.

Die Frage an dich war eher: was soll es bringen dauernd nur "Alles Sch…e! Und es wird sich nichts ändern! Völlig hoffnungslos!" zu rufen? (Oben kurz als "Defätismus" zusammengefasst.) Gebraucht wird konstruktive Kritik!

Ich weiß, dass der Zeitgeist gerade eher auf "Nieder mit X! X muss weg!" steht. Diese Kritikform ist jedoch nur destruktiv. Realistische Lösungsvorschläge findet man dort nicht; nur Bashing und Gejammer.

Von daher kann man das CanG durchaus als Lichtblick betrachten, - auch wenn die Liste der Unsinnigkeiten in diesem Gesetz ein wirklich erschreckendes Ausmaß hat. Aber es ist immerhin besser als nichts und somit ein winziger Schritt in die richtige Richtung.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Parade »

pepre hat geschrieben: Di 23. Jan 2024, 10:00Die Frage an dich war eher: was soll es bringen dauernd nur "Alles Sch…e! Und es wird sich nichts ändern! Völlig hoffnungslos!" zu rufen? (Oben kurz als "Defätismus" zusammengefasst.) Gebraucht wird konstruktive Kritik!

Ich weiß, dass der Zeitgeist gerade eher auf "Nieder mit X! X muss weg!" steht. Diese Kritikform ist jedoch nur destruktiv. Realistische Lösungsvorschläge findet man dort nicht; nur Bashing und Gejammer.
Ich hab hier schon mal geschrieben das ich kein Konsument bin, das ganze nur crazy finde - und das ich die Prohibition in einem Punkt sogar vermissen würde, denn mit nichts kann man Leuten besser anschaulich erklären wie eine Religion entsteht und erhalten bleibt und man denen dabei auch noch zuschauen kann, das ist wie Geschichtsunterricht zum anfassen, Mittelalter live.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von Cexpert »

Tatsächlich macht langfristig eine reine Legalisierung von Cannabis nicht viel Sinn. Es müssen letztendlich alle Drogen legalisiert werden. Alle? Alle!
Dabei werden wir jedoch um eine strenge Regulierung nicht herumkommmen, schon alleine zum Schutz unserer Kinder.
Wenn wir schon dabei sind: Gleich Alkohol (und evtl. Tabak) mit regulieren.
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Re: Sammlung - Warum alle Drogen legalisiert werden sollten

Beitrag von pepre »

Cexpert hat geschrieben: So 28. Jan 2024, 00:06 Dabei werden wir jedoch um eine strenge Regulierung nicht herumkommmen, schon alleine zum Schutz unserer Kinder.
"Warum denkt niemand an die Kinder?!?!" :lol:

Lass dir gesagt sein: die Kids machen eh, was sie wollen. "Strenge Regulierungen" wirken da nur wie Verbote: sie triggern die Rebellion.

"Alle Drogen legalisieren" macht Sinn, aber es braucht einen kulturellen Kontext, damit das nicht aus dem Ruder läuft. Der ließe sich so herstellen:
  • Jede Substanz unterliegt einer Qualitätskontrolle
  • Verkauf der Substanzen nur mit personalisierter Mengenerfassung (Fachgeschäfte, medizinisches¹ Monitoring)
  • "Führerschein" zum Umgang mit den Substanzen (Dosierung, Wirkung, Gefahren)
  • die kostenlose Abgabe geringer Mengen im Freundeskreis ist möglich
  • Klein(st)produzenten erhalten unkomplizierten Zugang in den Vertrieb durch Fachgeschäfte
  • Möglichkeiten für begleiteten Konsum (Set und Setting, ggf Notfallmanagement) schaffen
Den größten Widerstand erwarte ich idF von den Freunden des Alkohols und Nikotins: wenn jeder Verkauf auf die Monitoring-Karte gebucht werden muss, dann ist das zwar keine logistische Herausforderung, aber es wäre gegen alle Gewohnheit. Und nicht Wenige würden beim nächsten Arztbesuch feststellen, dass ihr Doc ihnen empfiehlt den Konsum doch etwas einzuschränken. ;)

Es wird wohl nicht ohne eine Altersbeschränkung gehen, das ist gesellschaftlich einfach nicht machbar. Wenn Minderjährige dennoch beim Konsum ertappt werden, so kann man sie erst mal zum "Führerschein" verdonnern (damit sie wissen, was sie da tun) und ins medizinische Monitoring aufnehmen. — Ja, idF hätten wir minderjährige Konsumenten, die jedoch aufgrund des Führerscheins eine Genehmigung zum Konsum haben. Aber: medizinische Kontrolle ist alldieweil besser als komplette Ahnungslosigkeit.

---
¹ Das darf auf keinen Fall eine staatliche Überwachung werden. Es geht den Staat schlicht nichts an, wer, was und wieviel konsumiert. Der Staat bekommt statistische, anonymisierte Daten. Die wird er aber wohl brauchen.
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