Ich bin seit ca. 3 Jahren DHV Sponsor, und genauso wie ich Geld spende habe ich auch bisher meine Arbeit als Spende betrachtet. Ich möchte die Legalisierung in Deutschland voranbringen und ich bin froh, das mir hier eine Möglichkeit dazu geboten wurde. Da ich in zwei sehr unterschiedlichen Berufen mit hoher zeitlicher Flexibilität arbeite, konnte ich mir häufiger Zeit für diese Arbeit nehmen und habe das auch meistens sehr gerne gemacht.
Jetzt befinde ich mich grade zum zweiten Mal zu einer Art Praktikum hier in Berlin im DHV Büro, und wir diskutieren ein bißchen die Zukunft. Es ist klar das hier im Büro jetzt schon mehr Arbeit anfällt als erledigt werden kann, und weil Georg sehr schlecht darin ist Menschen knallhart auszubeuten
Zum 1.4. beginnt mein Arbeitsvertrag , bis dahin bin ich weiterhin privat hier unterwegs. Vorerst natürlich befristet, damit wir das ganze problemlos wieder beenden können wenn es nicht funktioniert...
Ich muss sagen: Ich habe mich mit dem Gedanken relativ schwer getan. Vor allen Dingen weil ich schon lange DHV Sponsor bin und ich mir immer im Klaren war das hier Input von meiner Seite gefordert ist. Das ich hier nicht etwas rausziehen kann, sondern das ich reinstecken muss. Ich muss zugeben ich habe früher das ganze Konzept von professioneller, bezahlter Arbeit auch nur teilweise akzeptieren können, ich war immer in dem Gedanken festgehangen das in der deutschen Hanfszene kein Geld dafür ist, und viel mehr über ehrenamtliche Arbeit abgewickelt werden sollte.
Mittlerweile sehe ich das anders. Bezahlte Arbeitskräfte arbeiten kontinuierlich und man kann Erwartungen an sie stellen. Sie sind verlässlich und langfristig motiviert, und entwickeln ihre Fähigkeiten im Laufe der Zeit weiter. Man kann ihnen vertrauen, sie sind im Bedarfsfall verfügbar und stehen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis zum Arbeitgeber.
Ehrenamtler dagegen sind selbst bei allerhöchster Motivation immer volatil und haben die Möglichkeit von ihren Arbeitszusagen zurückzutreten oder diese schleifen zu lassen. Sie entwickeln sich zwar weiter in ihrer Arbeit, aber auf Grund der geringen Stundenzahl eher langsam. Man kann ihnen zwar vertrauen wenn man sie lange genug kennt, aber ihre Motivationslage kann sich jederzeit ändern.
Es gibt natürlich durchaus viele Arbeitsfelder wo der DHV ehrenamtliche Arbeitskräfte einsetzen kann und wird, aber es gibt auch einen realen und steigenden Bedarf an täglicher, konsequenter und professioneller Arbeit. So sind wir also im Moment an dem Punkt, das ich sehr wahrscheinlich zu Beginn des zweiten Quartals 2014 nach Berlin ziehen werde und hier anfange im DHV mein Geld zu verdienen.
Ich sehe das ganz klar nicht als Belohnung für die Dinge die ich in den letzten Jahren gemacht habe, sondern als Auftrag und als Verpflichtung fleißig und aktiv zu arbeiten um diesen Verband und die Sache an sich weiterzubringen.
Denn: Ich glaube an diesen Verband. Ich habe natürlich auch schon viel Kritik gehört und es gibt auch immer wieder Detailfragen die natürlich Diskussions- und Kritikwürdig sind, aber letztendlich bin ich überzeugt das wir in Deutschland einen starken DHV brauchen. Einen starken zentralen Verband, der als Ansprechpartner für Medien und Politiker fungiert und der auch in 10 Jahren noch da sein wird, unabhängig von der Motivation einzelner.
Und ich bin überzeugt das der DHV in den letzten Jahren eine ganz starke Leistung gezeigt hat, die wenig andere Verbände mit einem so kleinen Budget schaffen. Von Cannabispetition, Merkel bei YouTube über den Zukunftsdialog hin zu den lokalen Petitionen waren da doch einige Sachen dabei, die es wirklich geschafft haben Menschen zu erreichen, zu mobilisieren und zu überzeugen. Und die viele Hintergrund und Lobbyarbeit bekommt man ja von außen gar nicht mit, sie ist aber trotzdem da und hochgradig spannend.
Deswegen ist es tatsächlich irgendwie eine Ehre für mich hier mitarbeiten zu können, und das besonders in einer Epoche in der die hanfpolitischen Veränderungen weltweit gigantisch sind, und endlich wirklich ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Einen schöneren Zeitpunkt könnte man sich eigentlich kaum aussuchen, nach dem letzten Jahrzehnt voller Frust und Leid geht es jetzt langsam richtig los mit der weltweiten Legalisierungsdebatte und das wird für uns alle noch sehr sehr spannend.
Ich glaube aber nicht nur an diesen Verband sondern auch an ehrenamtlichen Aktivismus und die Kraft der Straße. Ich habe immer an außerparlamentarische, politische Aktionen geglaubt. Und deswegen wird auch hier ein Schwerpunkt meiner weiteren Arbeit sein: Die Ausweitung und Betreuung von ehrenamtlichen Aktivitäten unter dem Logo des DHV. Denn wenn wir uns NORML in den USA mal genau anschauen gibt es dort hunderte regionale Chapters, die teilweise völlig unseriös und provokativ agieren, allerdings mit sehr geringer Reichweite. Dazu gibt es dann die bundesweite Organisation, die mit einer viel höheren Professionalität und finanziellen Ausstattung agiert.
Ich denke dieses Modell ist auch für den DHV möglich, also kleine Gruppen die sich dem DHV zugehörig fühlen und ihn im Namen erwähnen, aber keine juristische Verbindung zu ihm haben.
Mit dem Forum haben wir schon ein gutes Netzwerk aufgebaut, bald wird es darum gehen regionale Strukturen zu verfestigen und einzelne Ansprechpartner zu schaffen, die sich langfristig um den Erhalt und das Wohlergehen der Gruppe sorgen.
Eine Gruppe in Berlin wäre dabei auch ein interessanter Punkt, nicht um der Hanfparade Konkurrenz zu machen sondern um vergleichsweise langweilige, seriöse Infostände und Veranstaltungen in der Berliner Innenstadt umzusetzen. Wenn es Ehrenamtler und einen Supervisor gäbe, könnte man hier in Berlin alle paar Wochen nen Infostand machen, es muss nur jemand machen.
Neben diesem lokalen Aktivismus werde ich dann auch die Supervision der ehrenamtlichen Online Helfer übernehmen, dafür können wir uns dann ab Mai vernünftige Konzepte und Softwarelösungen überlegen.
Desweiteren werde ich die Facebookseite quasi komplett übernehmen, Max damit von dieser Aufgabe entlasten und ihm mehr Raum für Reisen, Vorträge und andere Arbeiten geben. Ich werde versuchen die Facebookseite professionell und effektiv zu nutzen, und mir dafür auch die nötige Zeit nehmen.
Es gibt viele weitere Dinge die noch anstehen... Regelmäßige kurze Infopostings auf der Website werden auch dazugehören um die Nicht-Facebooker auf dem aktuellen Stand zu halten was weltweit so passiert. Und natürlich der ganze GMM Kram der bald für 2014 ansteht, und im Jahr 2015 natürlich auch wieder.
Ich habe definitiv vor, über das bezahlte Stundenkontingent hinaus zu arbeiten, sei es im DHV selber oder an anderen Legalisierungsprojekten. Ob das in der Praxis immer funktioniert, muss man mal sehen. Ich befürchte auch ein wenig, dass das chaotische und zeitintensive Berliner Leben mir da an manchen Punkten einen Strich durch die Rechnung machen wird.
Natürlich werde ich in dem Moment dann auch meine Anonymität aufgeben, ist ja klar. Eventuell auch schon etwas früher, das hängt von meiner derzeitigen beruflichen Situation ab.
Ich hoffe ihr habt Verständnis für diesen Schritt und es gibt jetzt keinen "Neid" bei dem ein oder anderen. Ich kann euch auch sagen, dieser wäre völlig unangebracht. Die Arbeitsbedingungen sind genauso unschön wie das Gehalt, Großstädte hab ich noch nie gemocht und mein Gesicht und meinen Namen für so eine Sache hinzugeben hat zukunftsweisende Effekte auf mein Leben die ich erstmal verarbeiten muss. Ich sehe mich aber bereit dazu, und werde die Sache mit aller Konsequenz betreiben.
In diesem Sinne: Danke fürs Lesen und Let's legalize it!